| New Radio: Bei Che Guevara |
| Wednesday, 16 September 2009 21:10 | |||
14.09.09, Montag. Folge 7. Bordeaux, Bordeaux, Bordeaux!Blue Monday. Heute sind wir fällig. Waschtag! Nachdem wir netten Pariser Damen im Waschsalon Bettlaken zusammenlegen geholfen haben, wagen wir noch einen letzten Stadtausflug. Unter dem Arc de Triomphe entdecken wir mitten in Paris die eingemeißelten Stadtnamen von Bamberg und Landshut. Was dort wohl gerade passiert? Irgendwie verrückt. Wir schlendern die Champs Elysee entlang, das gehört einfach dazu. Spontan plündern wir wieder einen Supermarkt und machen Brotzeit im Hotel mit Salami, Camembert, Baguette, Oliven. Ich weiß nicht zum wievielten Mal schon, aber das ist auch egal, denn es schmeckt einfach lecker hier! Dann ist es soweit. Die Salami-Haut will heute nicht richtig abgehen vom Fleisch, ein kurzer Stich und die Klinge flutscht in meine linke Zeigefinger-Kuppe. Blut. So ein Mist! Gerade heute, am Auftrittstag. Beim Putzen der Klinge passiert Clemens dasselbe Missgeschick. Entweder wir sind verflucht oder einfach total tollpatschig - wahrscheinlich eher das Zweite. Mann. Frisch verarztet fährt Stefan unsere "Edeltraud" um 19 Uhr beim POP IN vor. Der Name ist mit verschnörkelter grün-rot-gelber 30er Jahre Schrift an die Schaufenster geschrieben, innen setzt sich das knallige Farbmuster fort. Der Laden erinnert sofort an eine Londoner Musikbar wie Mow feststellt. Unten befindet sich die Theke, vor der es schnell gemütlich wird, sobald mehr als zehn Leute Bier bestellen. Oben bieten sich zahlreiche Sitzgelegenheiten, ein Kronleuchter baumelt von der Decke, an der Wand hängt ein Bandfoto von SUEDE, in das ich mich gleich verliebe. Die Bühne im Keller leuchtet blutrot wie ein Sonnenuntergang, sehr passend. Wir machen als erstes Soundcheck, Oppa kickt die Bassdrum (YES BABY), Clemens pegelt ein. Danach lädt uns Denis, der kleine Besitzer der Bar, der auch aus Camden stammen könnte, auf ein Bier ein. Und plötzlich taucht eine Bekannte auf: die Kathi aus Weilheim! Fröhlich stoßen wir an. Der Auftritt wird klasse, jedenfalls haben wir ein gutes Gefühl und verdammt viel Spass auf der Bühne! Wir sind uns einig, das war bislang unsere beste Show. Wir verladen im Nieselregen rasch unser Equipment, ich gucke hinterher, bis die Rücklichter in die tiefschwarze Nacht tauchen. Miro und Clemens bleiben noch in der Bar, Domi, Mow und ich folgen Kathi zu einem kanadischen Freund, der zwei Straßen weiter wohnt und übermorgen abreist Richtung Hallifax. Er heißt Samuel, schaut aus wie ein etwas zu klein und blass geratener Che Guevara (mit Vollbart) in jungen Jahren und liebt Blues-Musik. Mit ihm streite ich über Tarantinos Inglourious Basterds, keine gute Idee. Doch wir vertragen uns schnell bei einem Stück Pizza in der Küche. Seine Wohnung ist riesig, die weißen Wände sind verziert mit kleinen Holz-Spielereien, hier und da ein goldgerahmter Spiegel, bunte Lichterketten, Zigarettenstummel. Auf dem Balkon begegnen wir Pete Doherty (auch dummer August genannt), voll wie immer, den schwarzen Regenschirm aufgeklappt (wirklich, ohne Regen), die obligatorische Kippe zwischen den Fingern. Das Licht ist schummrig, wir setzen uns, reden und lachen mit Kathi. Bis wir hinter unserem Rücken Thoma entdecken, der schon eine halbe Stunde unbemerkt mit sich selbst Schach spielt. Es wird immer später, wir sind am Ende, der Kopf wird schwer. Durch die Balkontüren zieht der unbarmherzige Wind einer eisigen Pariser Nacht. Irgendwann blicke ich in Domi und Mows schattige Gesichter. In zwei Stunden (6 Uhr!) müssen wir hier weg, Richtung Bordeaux, Bordeaux, Bordeaux - wie ein Mantra - sind meine letzten Gedanken. Dann wird alles schwarz. Basti / New Radio
|

















