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16.09.09, Mittwoch. Folge 9.
Es ist spät am nächsten Morgen, also eigentlich ist es schon Mittag, also Mahlzeit schon vorbei, demnach schon genau Nachmittag, richtig genau: 16 Uhr. Aber es gibt Frühstück. Oder Brotzeit, wie auch immer. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters: Pain au Chocolat, Speck, Eier, geröstetes Baguette, Brie, Salami. Wir sind satt.
Ich stoße mir den Kopf an einer Kante des offen stehenden Küchenfensters, unter der meine Tasche steht und vor dem ich die nächsten Stunden eine richtige Panik und Phobie entwickele. Verwirrt gucke ich mich nach Fenstern in jedem Raum um, den ich betrete und frage ständig: ist es offen, ist es offen? Sag es mir!, während ich die Hände schützend um den Kopf wickele.
Noch in der warmen Spätsommer-Sonne ziehen wir Richtung Innenstadt. Bordeaux ist wirklich bezaubernd. Das Antlitz der Stadt vereint die edle Anmut Versailles mit der rustikalen Atmosphäre Antwerpens, wie schon Victor Hugo sinngemäß sagte. Und das ist diesmal kein kitschiger Mist, es stimmt. Die Häuser, die aus dem 18. Jahrhundert stammen und an die englische Kolonialzeit erinnern, sind allesamt nicht höher als der vierte Stock, was einen selbst in den engen Gassen nicht eingeschlossen und verloren lassen wirkt. Die Straßen sind blitzblank, die meerblaue Trambahn unauffällig futuristisch und Verkehrsinseln grasgrün. Wir schlendern auf der Promenade Quai Louis XVIII an der Garonne entlang, vorbei an Esplanaden, Bananenstauden, glitzernden Brunnen und fühlen uns wie Gott in Frankreich.
Das Licht verschwindet langsam. Und wir mit ihm in einer Tapas Bar im Rücken der Kirche Saint Pierre. Es gibt - man staune - TAPAS. Bestellt jede Sorte, wir wollen ja alles austesten! Übrigens ist das nichts Ungewöhnliches hier in Bordeaux, das nur 20 Kilometer vom Baskenland entfernt ist. Hier kommt einem vieles Spanisch vor (o mon dieu, der war richtig mies...). Heute legen wir einen ruhigen Abend in unserem gemütlichen Zimmer ein. Domi mixt Gin Tonic und wir versuchen uns zu überbieten, wer besser die Gesichtsausdrücke berühmter Schauspieler nachahmen kann. Dann kommt‘s „Bapperl-Spui". Ich weiß nicht wie die offizielle Bezeichnung lautet, es handelt sich einfach um das Ratespiel, bei dem man sich lustige Namen auf eine Karte (bei uns Pflaster) schreibt und auf die Stirn klebt, um sich dann per Ja/Nein-Frage der Lösung zu nähern. Die Auflösung: Mow war (ist?) Picasso, Domi der oder die kleine Wickie, Miro der gute Meister Eder (eh klar, alt!), Clemens das putzige Schweinchen Babe, Stefan der Kampfkunst-Gott Meister Miyagi und ich Rizzitelli (italienischer Traummittelstürmer des FCB, Saison 95/96, Fußballkarte daheim im Schrank).

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