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Southside 06: So wars

Sturm auf der SüdseiteVom 23. bis 25. Juni feierte Neuhausen ob Eck bereits zum 8. Mal die besten Bands der Welt. Wir ließen uns das natürlich nicht nehmen und genossen mit 40 000 Besuchern das heimeligste Wohnzimmer-Festival Deutschlands.

Bereits vor zwei Monaten waren sämtliche Tickets vergriffen und der Andrang vor Ort schon früh sehr groß. Um keine der 64 Bands zu verpassen, reisten 20.000 Gäste bereits am Donnerstagabend an.

 

Es hat sich gelohnt: Freitag Spätnachmittag betraten bereits erste Highlights die Bühne. The Kooks, ihrerseits durchaus Newcomer im Musikbusiness, lieferten eine ebenso berauschende Show wie die alteingesessene deutsche Band Blackmail. Nach einem Schlagabtausch neuer potentieller Lieblingsbands begann auf der Hauptbühne der Sturm der Giganten.

 

Skin, ehemals Frontfrau von Skunk Anansie, war mit ihrer neuen Platte zu hören und zog hinter sich Mando Diao her, die inzwischen genügend Erfahrung mit Festivalauftritten jeglicher Art gesammelt haben und das Southside bereits im letzten Jahr überraschten. In diesem Jahr lag die musikalische Überraschung allerdings mehr bei den den Abend abschließenden The-Bands. Die Hives wirbelten in gewohnter Manier mit Schlips und Kragen über die Green Stage und entzündeten mit Sänger Pelle Almquists unerlässlicher Energie für 45 Minuten ein Feuer im Publikum.

 

Dieses Feuer hielt an und brannte den Briten von The Strokes den Weg Richtung Bühne um das Volk in eine Art Trance zu versetzen. Lange nicht mehr in deutschen Landen zu Gast, ließen sie das Publikum in eine eigene Welt des Tanzens, Jubels und Feiern abtauchen, ganz im Sinne ihres Hits You only live once. Das nahm man sich zu Herzen und trauerte anderthalb Stunden später auch nur mäßig im Angesicht der Bands, die am Samstag das Gelände rocken würden.

 

Das war nicht zu viel versprochen, vorausgesetzt man widmete sich der Musik statt dem WM-Spiel Deutschland gegen Schweden. Billy Talent hinterließen in Maiden-Manier ein begeistertes und aufgebauschtes Volk, dessen Stimmung nicht einmal von Cardigans-Sängerin Nina Persson („Übrigens, Schweden führt 4:1!“) getrübt werden konnte. Stattdessen gab man sich dem Zauber der schwedischen Dame und ihrer unglaublichen Stimme hin und feierte anschließend nicht nur deren Auftritt, sondern auch den Sieg gegen Schweden selbst.

 

Der zweite Festival-Tag nahm seinen Lauf. Wir Sind Helden, die bekanntlich kommen um zu bleiben, räumten nach über einer Stunde Spielzeit und Gute-Laune-Lieder die Bretter für Untergangsstimmung der besonderen Art. Apocalyptica, Archive und Muse teilten sich die restliche Nacht über Gäste und Melancholie. Während die apokalyptischen Kontrabässe der Menschheit wieder einmal zeigten, dass man auch mit klassischen Instrumenten durchschlagenden Erfolg haben kann, rissen auf der Zeltbühne Archive das Publikum mit elektronisch-rockigen Klängen der Superlative mit in neue musikalische Dimensionen.

 

Matthew Bellamy, von Pressekollegen zu fehl übrigens als billige Coldplay-Kopie bezeichnet, präsentierte den Fans endlich das lang ersehnte neue Album Black Holes and Revelations und verzeichnet rückblickend durch die Mischung neuen Materials und alter Klassiker DAS Muse-Konzert des Festivalsommers.

 

Was folgte war ein Sonntag gefüllt mit eingängigem Brit-Pop, Durchstartern und Comebacks.
Ein altbekanntes Gesicht sah man auf der Hauptbühne: Jack White, Mitglied der White Stripes, beglückte die Massen mit seinem neuen Projekt The Raconteurs. Das schien jedoch kein Hindernis für Hard-Fi zu sein, im direkten Anschluss an Whites Konzert eine Coverversion des White Stripes-Klassikers Seven Nation Army zu spielen. Vielleicht, um den eigentlichen Meister zu beeindrucken?

 

Ohne ausgelutschte Coverversionen kamen hingegen die mit der britischen Hypewelle angeschwappten Arctic Monkeys aus. Die sind zwar erst 19 Jahre alt, müssen sich hinter den Großen Britanniens aber bei weitem nicht verstecken.

 

Und dann waren da noch Tomte, die den verdunkelten Himmel als „Zorn der Plattenindustrie“ benannten und kurzerhand aber wie aus Trotz von der Blue Stage geweht wurden. Das Konzert musste gegen den Willen der Band unterbrochen werden, bis sich der Sturm gelegt hatte.
Der Banner von Maximo Park hing bereits, als sich Thees Uhlmann (Sänger von Tomte) alleine und mit Akkustik-Gitarre auf der Bühne einfand, um trotzdem noch ein paar letzte Songs an das Publikum zu richten. „Das bin ich euch schuldig! Dafür, dass ihr alle da wart, um euch Tomte anzuschauen.“

 

Mit Ende des Sturms und hunderten von friedlichen Zeltstangen-Demonstranten auf dem Campingplatz trauten sich nun auch endlich Seeed auf die Bühne, die nach Fettes Brot weiterhin die HipHop-Front aufrecht erhielten und somit den Weg frei machten für den „King of the Bongo“ Manu Chao. Trotz Unwettervorfall hielt sich die Combo noch 30 000 Fans vor der Bühne, um mit ihnen ein wieder einmal einzigartiges Southside Festival ausklingen zu lassen.

 

Für alle, auch im nächsten Jahr rechtzeitig wieder mit dabei sein wollen: Das neunte Southside Festival findet vom 22. bis 24. Juni 2007 statt. (Nina-Carissima Schönrock)

 

Das waren ∙ The Answer ∙ The Sounds ∙ Boozed ∙ Zebrahead ∙ The Kooks ∙ She Male Trouble ∙ Wolfmother ∙ Death Cab for Cutie ∙ Skin ∙ Adam Green ∙ Blackmail ∙ Shout Out Louds ∙ Element of Crime ∙ Mando Diao ∙ The Hives ∙ Backyard Babies ∙ Sigur Ros ∙ The Strokes ∙ Ben*Jammin ∙ Brian Jonestown Massacre ∙ Lazurlight ∙ Julia ∙ Gogol Bordello ∙ Photonensurfer ∙ The Gossip ∙ dEus ∙ Billy Talent ∙ Karmelo Santo ∙ Panteon Rococo ∙Eagles Of Death Metal ∙ Pretty Girls Make Graves ∙ Duels ∙ Two Gallanta ∙ The Cooper Temple Clause ∙ Archive ∙ Mad Caddies ∙ Lagwagon ∙ The Cardigans ∙ Live ∙ Ben Harper ∙ Apocalyptica ∙ Wir Sind Helden ∙ Within Temptation ∙ Muse ∙ Gods of Blitz ∙ Wallis Bird ∙ Scissors for Lefty ∙ Collective Soul ∙ Voltaire ∙ The Weepies ∙ Donovan Frankenreiter ∙ The Raconteurs ∙ Nada Surf ∙ The Feeling ∙ Delays ∙ Klee ∙ Lightning Seeds ∙ Hard-Fi ∙ Fettes Brot ∙ Elbow ∙ Arctic Monkeys ∙Tomte ∙ Maximo Park ∙ Seeed ∙ Manu Chao ∙ 2006



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