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5 Fragen an: Lawn

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Lawn begeistern nicht nur Fans im Heimatland Holland mit ihrem ganz eigenen atmosphärischem Sound. Schade nur, dass sich die Wartezeit zwischen dem zweiten und dritten Album auf eine gefühlte Ewigkeit von drei Jahren ausdehnte. Warum Silver erst seit 30. April 2009 in den Läden steht, wie es enstand und was Lawn live ausmacht, erklärte uns Sänger und Gitarrist Titus in nur fünf Antworten.

 

Euer drittes Album Silver wurde am 30. April endlich auch in Deutschland und der Schweiz veröffentlicht. Wie kommt es zu der Verspätung?

 

Titus: Das haben wir uns auch gefragt! Nach dem letzten Album hatten wir eine Veränderung im Line-Up und das hat die Dinge auch nicht gerade beschleunigt. Wir haben unsere Songs im Normaltempo geschrieben. Eine Sache die Zeit gekostet hat war, wie wir an die Aufnahme herangegangen sind: Wir haben von fast allen Songs Demos gemacht und wirklich das größtmögliche aus der Vorproduktion herausgeholt. Danach haben wir nach dem richtigen Weg gesucht, das ganze Album aufzunehmen. Das war letzten Endes die Arbeit mit unserem Produzenten Phil Vinall. Der reiste überall herum, deshalb war es ziemlich schwer ihn dazu zu bringen zwischen seinen Jobs in Mexiko. Neuseeland und England mal vorbeizuschauen. Und ganz plötzlich sind drei Jahre vergangen! Um ehrlich zu sein, kommt es uns gar nicht so vor als wären wir so lange von der Bildfläche verschwunden. Wir haben viele Auftritte in Holland und Deutschland gehabt in den letzten Jahren. Aber wir werden unser bestes geben, um unser nächstes Album ein bisschen früher in die Regale zu bringen!

 

Bei der Aufnahme von Silver habt ihr mit Pieter Kloos und Phil Vinall zusammengearbeitet, die wiederum bereits mit Größen wie beispielsweise Radiohead und Placebo zusammengearbeitet haben. Wie und inwiefern hat die Arbeit mit den beiden euren Sound auf der Platte und eure Entwicklung beeinflusst?

 

Titus: Als wir unsere Tour für das letzte Album Backspace beendet hatten, wussten wir bei den neuen Songs was wir wollten. Unser Ziel war es das neue Album klanglich mehr "auf den Punkt" zu bringen, den Sound zu öffnen und die Strukturen der Songs klarer zu gestalten. Es heißt ja "weniger ist mehr", und auf diesem Album wollten wir die starken Stellen  der Songs hervorheben. Also haben wir nach jemandem gesucht der uns ins diesem Prozess behilflich sein konnte. Jemand der sich das mit "frischen Ohren" anhört und uns absolut ehrlich sagt was die starken und schwachen Seiten sind und wie wir die schwachen loswerden. Für uns war Phil der richtige Mann für den Job, wegen seiner Arbeit in der Vergangenheit. Nicht die Bands mit denen er zusammengearbeitet hat waren wichtig, sondern das was er mit ihren Songs gemacht hat. Wir hatten eine tolle Zeit während der Arbeit mit ihm, und sie hat uns definitiv die Augen geöffnet. Lawn hat sich immer entwickelt. Ich denke Bands sollten sich genau wie die Interessen ihrer Mitglieder verändern. Mit Silver haben wir vielleicht den Anfang für weitere Entwicklungen und sogar noch radikalere Veränderungen gemacht. Unser nächstes Album wird wieder anders klingen, soviel ist sicher!

 

Fast jedes Mal wenn euer Bandname fällt ist der Name Placebo nicht allzu weit. Jetzt habt ihr euch für Phil Vinall als Produzenten entschieden. War das eine bewusste Entscheidung oder war es vielleicht Phil Vinall der durch euren Sound angezogen wurde?

 

Titus: Es ist komisch wie unterschiedlich die Resonanz auf das Album hier ist verglichen mit Holland! Wir haben vorher nie irgendwas bezüglich Placebo gelesen. Die meisten unserer Songs waren schon in Arbeit bevor wir in Kontakt mit Phil gekommen sind und ich persönlich sehe keine große Ähnlichkeit mit Placebo. Es ist nicht der Name mit dem wir es hassen verglichen zu werden, aber die meisten Lieder, wie Silver Lining und Sanctuary, gehen in total andere Richtungen. Phil hat auch mit Deus und Snow Patrol zusammengearbeitet. Also haben wir ihn einfach darum gebeten die Songs stärker zu machen. Wir haben nie über den Sound in Beziehung zu anderen Bands gesprochen. Und wenn irgendwer darauf bedacht war sich NICHT zu wiederholen, dann war es Phil! Ich denke wir selbst,  genau wie das Album, sind auch sehr von Pieter Kloos beeinflusst. Er war unser Freund und Produzent bei allen Lawn-Alben und war genauso wichtig wie Phil. Die Produktion von Silver mit diesem Team war toll, aber wir hatten unsere Höhen und Tiefen, genauso wie es sein muss. Übrigens, niemand erzählt Witze, so wie Phil! Schon allein deshalb war es gut ihn in der Nähe zu haben, ha-ha!

 

Ihr habt eine Menge Auftritte in nächster Zeit. Wie können wir uns Lawn live on Tour vorstellen?


Titus: Wir können es kaum erwarten wieder unterwegs zu sein. Jedesmal wenn wir in Deutschland gespielt haben war das genial. Die Leute, die Orte, das Publikum. Lawn live ist ein bisschen intensiver und emotionaler. Ich denke die Leute verstehen unsere Musik vielleicht sogar besser, wenn sie die Live-Performance gesehen und gehört haben. Es lohnt sich und ist inspirierend für uns neue Leute zu treffen, neue Orte und ein neues Publikum kennen zu lernen. Es könnten sogar neue Songs oder Texte dabei entstehen, so wie es auch bei dem Song Sanctuary war, der in Bielefeld auf Tour geschrieben wurde. Also, manchmal arbeiten wir mit visuellen Effekten, manchmal nehmen wir andere Musiker in unser Line-Up auf. Aber unser Ziel ist es immer  Atmosphäre zu kreieren anstatt einfach nur die Songs runterzuspielen. Oh, und um die Barriere zwischen der Band und dem Publikum zu überwinden haben wir sogar extra eine Tourseite auf deutsch eingerichtet. Die Idee dabei ist Freunden von Lawn zu ermöglichen Einfluss auf Shows zu nehmen, die wir spielen werden. Man kann unter www.lawn.nl/tour einen Blick drauf werfen.


Was war bisher der bewegendste Moment für dich mit Lawn?

 

Titus: Das ist eine schwere Frage. Da gibt es viele Momente. Zum Beispiel als wir einmal einen Gig als Support in Holland vor über 1.000 Zuschauern hatten. Unser Bassist ist am Tag vorher krank geworden. Nicht ernsthaft aber ernsthaft genug um nicht spielen zu können. Wir wollten diese Gelegenheit nicht auslassen, also haben wir erstaunlicherweise jemanden gefunden, der es versucht hat. Er hat unsere Songs nur ein paar Stunden lang gelernt und war auf dem Weg zum Gig im Rücksitz von unserem Auto immer noch dabei Sachen auszuarbeiten. Wir haben unseren Auftritt fast fehlerlos gespielt und der Applaus den wir bekommen haben nachdem wir allen gesagt haben, dass der Bassist erst seit ein paar Stunden bei uns ist, war beindruckend! Letztes Jahr haben wir drei Auftritte mit einem riesigen Sinfonieorchester gespielt . Die Bühne mit einem Orchester zu teilen war einfach nur überwältigend. Es ist echt großartig zu sehen wie deine Musik sich in so etwas vielschichtiges, zartes und orchestrales verwandelt.

 

Bei Titus Van ´t Veer von Lawn bedankt sich für das Interview: Stephanie Gmeiner

 

(2009)



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