|
Konstantin Gropper alias Get Well Soon legte im letzten Jahr mit Rest Now, Weary Head, You Will Get Well Soon ein beachtliches Debütalbum vor, das von Fans und Kritikern begeistert aufgenommen wurde. Momentan ist er mit seiner siebenköpfigen Band, in der neben Gitarren, Schlagzeug und Bass auch Geige, Trompeten und Akkordeon ihren festen Platz haben, auf Festivaltour. Derweil arbeitet Konstantin schon an seiner zweiten Platte. Grund genug, ihm vor dem Konzert mit den Kaiser Chiefs auf dem Münchner Tollwood ein paar Fragen zu stellen.
Du spielst heute vor den Kaiser Chiefs, wie sind Deine Erwartungen an den Auftritt?
Konstantin: Grundsätzlich ist das hier ja ein schönes Zelt und eine schöne Bühne. Ich glaube nicht, dass es große Überschneidungen gibt zwischen Leuten die Kaiser Chiefs hören und Leuten, die Get Well Soon hören. Ehrlich gesagt - als ich zugesagt habe, wusste ich nicht so ganz genau, wer die Kaiser Chiefs sind, das habe ich dann erst hinterher herausgefunden. Aber genau das macht es spannend. Mal sehen, was passiert. Interessant wird es bestimmt.
Du hast Dein erstes Album größtenteils alleine aufgenommen und Dir dann Deine Band für Live-Auftritte gesucht. Jetzt spielt ihr schon eine ganze Weile zusammen. Hat sich für Dich etwas verändert - ist Get Well Soon mehr zum Bandprojekt geworden?
Konstantin: Ich mache ja gerade die neue Platte und arbeite da bis zum jetzigen Zeitpunkt auch noch alleine. Wenn ich dann soweit damit fertig bin, werde ich das schon auch vereinzelt durch die Bandmitglieder ersetzen, die dafür ins Studio kommen müssen, um das neu aufzunehmen. Aber es wird trotzdem in Zukunft auch so bleiben, dass ich Platten eher alleine mache und live die Band dabei habe. Ich gehe nicht mit allen sieben ins Studio, um das gleichzeitig einzuspielen.
Entstehen auf Tour oder beim Proben mit der Band auch Ideen für neue Songs?
Konstantin: Ich glaube schon, dass diese Live-Gefühl auf jeden Fall einfließt. Vorher habe ich alleine angefangen, auch ein bisschen elektronischer. Ich denke, dass diese Live-Dynamik, die das Ganze jetzt hat, sich auf jeden Fall auf den Sound der neuen Platte auswirken wird.
Ist die Arbeit an der zweiten Platte anders als vorher - die erste war ja doch sehr erfolgreich, setzt Dich das unter Druck?
Konstantin: Man versucht ja immer, das auszublenden, aber das ist schwierig. Der eigentliche Unterschied ist ja tatsächlich, mal vom Erfolg abgesehen: Bei der ersten Platte wusste ich ja noch nicht mal, dass das überhaupt veröffentlicht wird. Da habe ich eben irgendwas gemacht und das ist dann alles so passiert. Jetzt weiß ich, dass es veröffentlicht wird, ich weiß, dass sich das wahrscheinlich viele Leute anhören und dass viele Leute auf die neue Platte warten. Das ist schon anders. Ich versuche natürlich trotzdem, nicht daran zu denken, aber die Situation ist definitiv anders. Aber ich kann daran nichts ändern, ich muss ja sowieso machen, was mir einfällt. Also es ist nicht so, dass ich krampfhaft versuche, einen Nachfolger zu machen, da habe ich ja keinen Einfluss darauf.
Ist Get Well Soon durch die Instrumentierung und durch das, was es auf der ersten Platte zu hören gibt, stilistisch begrenzt? Oder kann sich das auch noch einmal in eine ganz andere Richtung entwickeln?
Konstantin: Grundsätzlich war immer mein Anliegen, dass es stilistisch nicht begrenzt ist. Ich finde das auch auf der ersten Platte noch relativ offen. Und das mit der Besetzung ist vielleicht auch noch ein Grund, warum ich das größtenteils alleine mache: Weil ich mich durch die Besetzung, so wie sie jetzt ist, eben nicht einschränken will. Es gibt nicht nur diese Besetzung auf Platte, sondern ich mache da, was ich will. Wie ich es dann hinterher live mache, sehe ich immer noch.
Also hast Du beim Schreiben noch keinen Plan im Kopf, wie Du es später umsetzen willst?
Konstantin: Nein, gar nicht. Bei der ersten Platte war es nicht so, und bei der neuen im Augenblick eigentlich auch nicht. Ich mache einfach mal, und irgendwie kriegt man es schon hin. Ich finde es sowieso immer reizvoll, wenn es live anders klingt als auf Platte.
Ist es ein Problem, dass Du für die erste Platte quasi Dein Leben lang Zeit hattest und jetzt in einem relativ kurzen Zeitraum die nächste nachfolgen soll?
Konstantin: Es ist anders. Andererseits ist es auch reizvoll, weil ich jetzt wirklich weiß: Okay, ich arbeite jetzt an einem Album. Beim ersten habe ich einfach Songs gemacht und am Schluss ausgewählt, was aufs Album kommt. Jetzt ist es schon so, dass ich mit etwas mehr Konzept an ein Album rangehen kann. Es ist anders, aber es ist interessant. Und für mich jetzt gerade ist es auch etwas Neues. Das ist gut.
Du hast einen Hang zum Film - Du baust manchmal Melodien aus Filmen in Deine Lieder ein und schreibst auch selbst Filmmusik. Würdest Du sagen, dass Du als Get Well Soon vielleicht auch eine Rolle spielst oder eine Art Regisseur bist?
Konstantin: Schwer zu sagen. Vielleicht schon. Ich versuche auf jeden Fall schon, dem Ganzen ein übergeordnetes Thema zu geben und dementsprechend auch eine gewisse Bildsprache. Was ich an mir selbst merke, ist, dass ich sehr assoziativ arbeite. Es kommt schon darauf an, wie etwas klingt - ich versuche schon, damit irgendwelche Bilder aufzurufen, Assoziationen hervorzurufen. Von daher ist das schon eine Art, wie ich arbeite, stimmt. Ich habe Bilder im Kopf und versuche auch, die Klänge so hinzukriegen, dass es bei anderen Leuten auch so wirkt.
Bist Du eher ein Geschichtenerzähler oder sind es Deine persönlichen Erfahrungen, die in die Songs einfließen?
Konstantin: Geschichten sind es grundsätzlich eher selten. Es ist natürlich schon zu einem gewissen Grad persönlich, aber das fließt dann eher so ein. Wenn ich ein Thema suche, dann hat das natürlich bestimmt auch persönliche, aktuelle Beweggründe, aber wenn ich dann mal ein Thema habe, recherchiere ich auch dazu. Sei es in Büchern oder Filmen oder sonst wo.
In einem unveröffentlichten Song namens "Your Teenage FBI", den man auf Youtube finden kann, singst Du: "You keep on asking me what im writing all these songs for - I guess I just try to save the world". Ist da, abseits aller Ironie, auch etwas Wahres dran?
Konstantin: Für mich persönlich ist es auf jeden Fall so. Es wäre ja sehr vermessen zu sagen, dass ich da jetzt wirklich was ausrichte mit meiner Musik. Es geht da ja eher um meine persönliche Perspektive. Ich glaube schon, dass ich dadurch, dass ich Musik machen und mich da kreativ ausleben kann, ein - sag ich mal - gesünderer Mensch bin. Also ich glaube, wenn ich das nicht hätte, würde es mir bedeutend schlechter gehen. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Denkst Du beim Schreiben daran, welche Bedeutung Deine Musik für andere Menschen hat?
Konstantin: Beim Schreiben eher selten, höchstens jetzt bei der neuen Platte, wenn ich denke: Das ist jetzt aber ein bisschen arg zynisch geworden, vielleicht muss ich doch mal eher wieder was fürs Herz machen. Aber man kann das ja nicht steuern. Ich weiß ja jetzt auch nicht so richtig, was die Leute am ersten Album gut fanden, also kann ich das jetzt auch nicht wieder sozusagen bedienen. Ich mache einfach - wie beim ersten - was ich fühle und meine, und dann hoffe ich, dass es ankommt. Aber ich bekomme tatsächlich solche Reaktionen, wo Leute sagen, dass es ihnen hilft und besser geht. Und das ist natürlich das Beste, was einem passieren kann.
Ist Dir das Feedback der Fans wichtig?
Konstantin: Ja, natürlich. Nur für sich macht der Künstler es ja dann doch nicht. Wer das behauptet, der lügt auch irgendwie. Sonst braucht man nicht veröffentlichen und auf Bühnen stehen. Also, ich würde es auch nur für mich machen, wenn es keinen interessieren würde. Wenn es die Leute interessiert, ist es mir aber natürlich schon auch wichtig, wenn es Leuten was gibt.
Get Well Soon wird gerne als deutsche Indie-Hoffnung beschrieben. Spielt es für die Musik eine Rolle, woher man kommt? Würdest Du Dich hier einer Musikszene zuordnen?
Konstantin: Es spielt keine Rolle. Ich fühle mich nicht so wirklich in irgendeiner Szene zu Hause. Ich habe auch keine Szene um mich herum, mit befreundeten Bands, mit denen man sich austauscht. Natürlich haben wir befreundete Bands, aber es ist nicht so, dass das speziell deutsche Bands wären, eigentlich weniger. Es ist relativ irrelevant. Ich bemühe mich darum, die Einflüsse relativ international zu halten, ich glaube jetzt nicht, dass die Musik irgendwie deutsch klingt.
Gibt es das überhaupt, dieses "deutsch klingen"?
Konstantin: Ich glaube schon. Es gibt schon so Bands wie Rammstein, die damit wirklich plakativ arbeiten, dass sie deutsch sind. Aber das ist ja nicht gerade gut.
Hast Du jemals überlegt, Texte auf deutsch zu schreiben?
Konstantin: Ich habe überlegt, es zu tun, und ich habe es auch versucht. Aber sehr wenig und selten, es hat nie wirklich funktioniert. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich an der Art, wie ich Melodien mache und dass es irgendwie zu hart ist. Ich hätte da grundsätzlich nichts dagegen, aber irgendwie passt Englisch besser. Damals, als ich angefangen habe, Musik zu machen, habe ich vor allem amerikanische Bands gehört. Mittlerweile läuft mir das tatsächlich, auch wenn es komisch klingt, leichter von der Hand als deutsche Texte.
Bei der Ankündigung eurer letzten Tour auf Myspace hast Du mit einem Zitat auf die sogenannte "Krise" angespielt. Wie beeinflusst Dich das als Musiker - ist Politik ein Thema für Deine Songs?
Konstantin: Ja, definitiv. Es sind keine politischen Songs, aber diese ganze Sache, die im Moment unter "Krise" zusammengefasst wird, ist mit Sicherheit etwas, was jetzt auch gerade beim Schreiben fürs neue Album für mich ein wichtiges Thema ist. Aber für mich ist das Ganze weniger ein politisches Thema als tatsächlich ein psychologisches. Also, dass es soweit gekommen ist, liegt mehr an der Psychologie des Menschen. Das ist es eher, was mich beschäftigt. Also es ist nicht so "Eat the Rich"-mäßig - die da oben, die feinen Herrschaften - darum geht es mir nicht. Es sind keine Protestsongs. Aber es ist schon etwas, was man reflektiert.
Was war für Dich bisher der beeindruckendste Moment mit Get Well Soon?
Konstantin: Schwierig, da gibt es mehrere. Get Well Soon gibt es ja noch nicht so lange, wir sind immer noch mit dem Debütalbum unterwegs. Wo ich mich schon geehrt fühle, ist, dass wir dieses Jahr echt schon diese großen Festivals spielen dürfen. Aber einen konkreten Moment weiß ich nicht. Für mich war auf jeden Fall ein großer Moment, als wir letztes Jahr, nachdem das Album veröffentlicht war, zum ersten Mal richtig auf Tour gegangen sind und dann einfach Leute auf Konzerte gekommen sind, weil sie unsere Musik hören wollten. Und dass da auch echt richtig viele Leute gekommen sind. Das Konzert in Köln war ausverkauft, und wir standen so auf der Bühne und konnten es gar nicht fassen: Die sind jetzt alle wegen uns hier? Das war schon auf jeden Fall ein wichtiger Schritt. Aber das ist auch immer noch so. Wir haben vorgestern und gestern beim Hurricane und Southside gespielt, wo man sich denkt: Das ist schon echt krass, dass so viele Leute kommen und zuhören und richtig mitgehen. Man stumpft da nicht ab, bisher zumindest nicht.
Bei Konstantin Gropper (Get Well Soon) bedankt sich für das Interview: Sara Haußleiter
(2009)
|
Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!