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The Temper Trap: Wir leben in einem Zustand der Angst
Monday, 15 March 2010 01:00

Dougy MandagiHeißer Export aus Australien: The Temper Trap erobern derzeit Europa und machen dabei natürlich auch beim LAXMag Halt. Leadsänger Dougy Mandagi sprach mit uns im Interview über seine Musik, Filme und Martin Luther King.

Euer Album Conditions kam letztes Jahr raus. Auf welche Zustände bezieht sich der Titel?

Mandagi: Die unterschiedlichen Zustände des menschlichen Wesens. Meine eigenen Gedanken, denke ich. Meine Umwelt, Dinge, die in der Welt passieren. Der Name des Albums ist nur ein Wort, das die unterschiedlichen Themen des Albums zusammenfasst.

Was ist dein persönliches Lieblingslied auf dem Album?

Mandagi: Wahrscheinlich Resurrection.

Was verbindest du damit?

Mandagi: Ich verbinde viel damit. Ich verbinde etwas mit allen Songs, weil ich viele von ihnen geschrieben habe, also die Texte. Ich weiß nicht, ich denke, ich mag einfach die Richtung, in die der Song geht. Es macht Spaß, ihn zu spielen.

Mein Lieblingslied ist Science of Fear. Dort verwendet ihr ein Sample der Ankündigung von Martin Luther Kings Tod. Kannst du mir mehr über die Bedeutung des Stücks erzählen und wie das Sample da rein passt?

Mandagi: In dem Stück geht es um den derzeitigen Zustand der Angst, in dem wir leben. Es sieht so aus, also ob wir Menschen uns alle zwei Monate wegen etwas anderem neuen sorgen müssten. Wenn es kein Terrorismus ist, dann sind es Unfälle oder Krankheiten. Wenn es keine Krankheiten sind, dann ist es die globale Erwärmung, wenn es nicht die globale Erwärmung ist, dann ist es die Rezession. Es gibt immer etwas, vor dem man Angst haben muss. Manchmal sind es reale Bedrohungen, manchmal wird die Bedrohung aber auch von bestimmten Menschen forciert, um die Massen zu kontrollieren. Darum geht es im Song. Und im Fall von Martin Luther, da haben wir nach einem Sound gesucht, den wir an die Stelle des Songs setzen können. Wir haben nicht explizit danach gesucht, aber als wir das gefunden haben dachten wir, dass es perfekt passt. Ich denke, dass Amerika zu dem Zeitpunkt Angst hatte vor der schwarzen Bevölkerung, wie sie größer und größer wurde. Im speziellen hatten die Menschen Angst vor Martin Luther und vor dem, für was er einstand. Deshalb wurde er ermordet. So macht das einfach Sinn, oder? Einfach eins und eins zusammen zu zählen.

Eure Musik wird in Werbespots, in Computerspielen und natürlich im Film 500 Days Of Summer verwendet. Gefällt dir der Film und die Art, wie die Filmemacher euren Song Sweet Disposition eingesetzt haben?

Mandagi: Ich finde die Platzierung des Songs ein bisschen seltsam. Aber ich bin ja nicht der Regisseur. Ich bin mir sicher, dass der Typ, der den Film gemacht hat, das besser weiß. Ob mir der Film gefällt? Hm, ich kann nicht sagen, dass ich den Film nicht mag. Aber es ist nicht der beste Film, den ich jemals gesehen habe. Er ist ok.

Ihr habt ja einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem ihr Menschen bittet, Fotos ihres "Sweetest Moment", also was sie mit euren Songs Sweet Disposition verbinden, einzusenden. Weißt du, was ich meine?

Mandagi: Hmm, ich werde so tun als ob…

Also da ist dieser Wettbewerb, bei dem Menschen Fotos einsenden können…

Mandagi: …Das war meine Idee! (lacht)

Bist du neugierig auf die Bilder? Was die Leute mit eurem Song verbinden?

Mandagi: Ja, das ist eine der aufregendsten Dinge bei dem, was ich mache, abgesehen von der Tatsache, dass ich Musik mache, wenn jemand die Musik würdigt, etwas damit verbindet. Weil die Musik auf so unterschiedliche Art anknüpft. Ich finde das toll, wenn uns Leute Nachrichten auf MySpace oder Facebook hinterlassen. Oder wenn sie uns nach der Show darauf ansprechen, dass der Songs in einem bestimmten Lebensabschnitte für sie das und das bedeutet hat. Deshalb bin ich schon sehr auf die Ergebnisse des Wettbewerbs gespannt, wie unsere Musik die Menschen beeinflusst.

Okay, jetzt haben wir ja über Bilder gesprochen, die die Hörer mit euren Songs verbinden. Hast du denn auch Bilder im Kopf, während du die Songs schreibst oder wenn du sie aufführst?

Mandagi: Ja, Ich bin ein sehr visueller Mensch. Ich lese nicht viel, weil ich mir viel aus Bildern ziehe. Ich mag Farben, die Form von Dingen. Wenn ich also schreibe, stelle ich mir oft etwas in meinem Kopf vor. Ähnlich wie in einem Film.

Letztes Jahr seid ihr von Melbourne nach London gezogen. Wie hat das eure Arbeit und eure Musik beeinflusst?

Mandagi: Das hat unsere Musik kaum beeinflusst, weil fast alles schon fertig geschrieben war. Wir haben sie in London nur noch eingespielt. Ich glaube der Hauptunterschied ist, dass wir jetzt total beschäftigt sind. Mehr, als wir es jemals waren. Es gibt soviel zu tun, ich will mich ja gar nicht beschweren, denn deshalb sind wir hier und wir lieben das, was wir machen. In Australien hingegen geht man am Wochenende nach Sidney, spielt zwei Shows oder so und hat fünf Tage frei. Einige von uns haben da auch noch studiert. Aber jetzt, ist die Musik alles, was wir machen. Wir machen Musik, touren. Ds ist also der größte Unterschied.

Ich hab auch in einem Interview gelesen, ihr seid nach London gezogen, um eine größere Fangemeinde in Europa aufzubauen. Jetzt spielt ihr drei ausverkaufte Shows im Shepards Bush Empire im April. Wie sorgfältig habt ihr denn eure Karriere geplant?

Mandagi: Wie sorgfältig?

Wart ihr vom Erfolg überwältigt? Oder war da jeder Schritt kalkuliert?

Mandagi: Ich denke, das war alles sehr gut geplant. Nicht zwangsläufig von uns, ehe von den Leuten, die für uns und mit uns arbeiten. Unser Plattenlabel in England, unsere Booking Agentur, die Leute, die in der Promotion arbeiten. Wir sind die Band, alles was wir machen ist singen, die Musik schreiben und eben auftreten. Das ist alles, worauf wir uns konzentrieren. Aber alle um uns rum haben tolle Arbeit geleitet und wir wären nicht hier, wenn es sie nicht geben würde.

Wenn du gebeten wirst, ein Mixtape für eine Person zu machen, die du echt gerne magst. Welche Songs wären drauf und warum?

Mandagi: Eine Person, die ich gerne mag?

Ja.

Mandagi: Wer zum Beispiel?

Ein Mädchen.

Mandagi: Ein Mädchen, das ich gerne mag. Ich würde einen alten Fleetwood Mac Songs namens Need Your Love So Bad drauf packen, ich würde einen Prince Song drauf packen, da gibt es viel…Barry White…

Gibt es denn Künstler, mit denen du mal gerne in der Zukunft zusammen arbeiten würdest?

Mandagi: Beyonce und Danger Mouse, ähm, und Mos Def.

Hast du sie denn schon gefragt, ob sie einen Song mit euch machen möchten?

Mandagi: Nein.

Also wartest du…

Mandagi: …auf eine Gelegenheit. Vielleicht mache ich ihnen mal ein Mixtape. Das wäre mal ein Anfang.

Was sind denn eure Zukunftspläne als Band? Arbeitet ihr schon an einem neuen Album?

Mandagi: Nein, es gibt zwar Ideen, aber wir arbeiten noch nicht dran, weil wir bis zum Jahresende mit diesem Album touren und nicht die Zeit haben, ins Studio zu gehen. Deshalb sind unsere derzeitigen Pläne nach dieser Tour dann eine US-Tour, dann machen wir eine UK-Tour, dann ist schon Sommer, dann kommen die Festivals in Europa und England. Also das machen wir gerade, viel Arbeit liegt vor uns.

Aber hast du Zeit, Stücke zu schreiben während der Tour?

Mandagi: Ja, sicher.

Wie würdest du eure Musik einem tauben Menschen beschreiben?

Mandagi: Das ist eine sehr interessante Frage. … Ich hoffe, es ist Musik, die man fühlen kann, die man nicht zwingenderweise hören muss, die man hoffentlich fühlen kann. Vielleicht kann die taube Person einfach die Hand auf den Lautsprecher legen und dann drückt man Play. Ein netter Gedanke, vielleicht spürt die Person etwas aus den Vibrationen…

Was war denn der beeindruckenste Moment für euch als TheTemper Trap bisher?

Mandagi: Ich werde immer davon beeindruckt, nicht wie wir andere Menschen beeindrucken, denn das liegt bei den anderen Menschen, aber davon, wie die Menge auf uns reagiert. Einmal haben wir in Japan, in Tokio gespielt, da war ich von der Menge an Leuten beeindruckt, die gekommen sind. Das war unsere erste Show in Japan und da waren 5000 Menschen und ich dachte, dass sie viele Menschen. Und ein halbes Jahr später waren wir zum Spielen in Australien und da waren 16000 Menschen. Von den beiden Momenten war ich echt beeindruckt, wie weit wir schon gekommen sind.

Bei Dougy Mandagi von The Temper Trap bedanken sich für das Interview: Christine Bulla und Sara Haußleiter.


(2010)




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