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The Rain: "Eigentlich ist unser Video ein Bademodenfilm"
Wednesday, 07 November 2007 14:57

Die Baywatch-Boys unter den Indie-Rockern: The Rain
The Rain - eine Band, bei dessen Videodreh zur ersten Single das Supermodel Eva Herzigova Regie führte, muss irgendetwas Besonderes an sich haben. Sänger und Gitarrist Lorenz Theuer und Bassist Carlos Bruck spielen nun schon seit zwölf Jahren zusammen. Durch das englische Label Mataray wurden sie in England bekannt, es folgt eine Tour. Bald wird das zweite Album Involver erscheinen, die Single Big Lie läuft bereits auf MTV England, und BBC Radio One DJ Colin Murray – der momentane Indie-Papst der Insel – wählte sie zur Nummer zehn seiner 25 Lieblingssongs. Unsere Redakteurin Carla nach ihrem Konzert im Interview.

 

Theuer: (zeigt auf das Aufnahmegerät): Ich hab so ein ähnliches Teil. Aber da gibt’s ja noch viel bessere, digitale..

Die sind ja so teuer...

Theuer: Teuer? Echt?

Ja, so 100 Euro oder so. Also, für Euch Großverdiener ist das vielleicht nicht so viel Geld, aber für normale Menschen...

(Lachen beide) Theuer: Bei der Frage passen wir jetzt.

Was ich kurz fragen wollte: Du spielst barfuss?

Bruck: Ja, mir haben Schuhe noch nie so richtig gefallen.

Aber jetzt hast Du Schuhe an?

Bruck: Ja, na klar, ich kann ja nicht barfuss so hinter der Bühne rumlaufen. Und jetzt ist es auch zu kalt. Und neulich hab ich mir erst einen Splitter eingerammt... Ich find es halt angenehmer, und möchte mich wohlfühlen auf meinen Füßen.

Theuer: Früher hab ich auch barfuss gespielt.

Seid ihr also eher die naturverbundenen Typen?

Theuer: Auf alle Fälle, aber das würde ich nicht so promoten wollen.

Bruck: Man fühlt sich halt näher dran. Am Geschehen.

Womit ich also eigentlich anfangen wollte: Wie habt ihr es geschafft, dass Eva Herzigova euer Video gedreht hat?

Theuer: Wow. Schöne Frage. Wie haben wir das geschafft? Ich glaube, sie mochte den Song einfach. Es ist nicht so, dass wir zu ihr gegangen sind mit: „Ach, wir hatten die Idee, dass Du unser Video machst, dann und dann, bitte mach das.“ Wir hatten ein italienisches Produktionsteam für unser Video, und zufälligerweise hatten wir dieselben Regisseure unten in Italien – sie wohnt ja in Italien mit ihrem Mann – die gleichzeitig auch ihr Video gedreht haben. Und das Filmchen, das sie produziert hat, war erst mal für ihre Bademode. 2007 hat sie eine Bademodenserie rausgebracht...

Bruck: Sie hatte eben keinen Song, und wir hatten kein Video, und wir dachten uns. die Herzigova, die kennt man, das ist doch geil. Rock’n’Roll und ein hübsches Mädchen, das passt doch!

Theuer: Und es war echt einer der schönsten Tage in meinem Leben.

Ihr wart dann direkt zusammen, mit ihr und ihrer Entourage?

Bruck: Ja. Also sie hatte nur so ein, zwei Leutchen dabei, und dann gab es noch so fünf, sechs Leute, die nur dafür da waren, dass es uns gut geht. Ich hab mir einmal einen Kratzer zugezogen, dann kam gleich jemand, hat sich gekümmert: Setz dich hin, ich verbind dir den Finger... das war echt voll süß. Nach jedem Take kam eine und hat unsere Haare gemacht, und eine hat uns immer abgetupft... Das war echt schön.

Wow.... Deswegen seht ihr in echt auch ganz anders aus, nicht schlechter oder besser, aber viel jünger, als im Video...

Bruck: Wegen den Klamotten?

Nein, vom Aussehen her... Wie alt seid ihr denn?

Theuer: 26 und 24.

Auf einen Foto siehst Du, Lorenz, aber schier aus wie Vierzig...

Theuer: Ach, komm, ne, oder?

Bruck lacht.

Ihr spiel schon seit zwölf Jahren spielt zusammen?

Bruck: Ja, aber ich war da zwölf und er war vierzehn.

Theuer: Also, das spulen wir jetzt noch mal zurück! (beide lachen)

In jungen Jahren schon so erfolgreich! Toll. Ihr müsst mir erzählen, wie es passiert ist, dass euch das englische Label Mantaray entdeckt hat.

Bruck: Einer der beiden Gründer hat uns in Berlin auf einer Privatparty gesehen. Er war eigentlich bei einem anderen Plattenlabel, hat aber dann sein eigenes gegründet, das war genau die Party, auf der er uns gesehen hat. Totaler Zufall! Er hat gesagt, hey Jungs, wir machen eine super Platte – wollt ihr mich? Und da sagt man natürlich nicht nein. Die wollten dann gleich, dass wir nach London ziehen, dabei haben sie uns unterstützt...

Theuer: Ohne die hätten wir auch dort gar nicht überleben können.

Durch Zufall seid ihr also an euer Plattenlabel gekommen und durch Zufall an Eva Herzigova!

Theuer: Das ganze Band-Ding ist halt eine Kombination aus Talent, Hartnäckigkeit und Zufall. Wenn man nur einmal spielt, hat man nur eine Chance. Aber wenn du hundert mal spielst, hast du hundert Chancen.

Bruck: Ein Freund von mir sagt immer: Man braucht natürlich Glück, aber man muss es auch herausfordern.

Ihr habt Euch in Köln auf der Schule kennen gelernt und da habt ihr zusammen in dieser Jazz-Band gespielt.

Bruck: Und dann haben wir angefangen, selber Popmusik zu machen, da war ich fünfzehn, und du zwölf, oder?

Popmusik?

Theuer: Na, wenn man in einer Jazzband ist, dann ist alles andere irgendwie Popmusik! Es war so Nirvana, Green Day.... aber das ist ja auch eine Art Popmusik, oder? Alles, was versucht, in die Charts zu kommen. Nirvana und Green Day wollten das ja wohl auch.
Mit zwölf dann hab ich angefangen, eigene Songs zu schreiben. Ich hab damals ein Keyboard bekommen, mit Begleitautomatik. Später haben wir dann angefangen, Texte zu schreiben.

Damals schon auf Englisch?

Theuer: Ja, von Anfang an auf Englisch. Ich hab mich so mit vier oder fünf in die Sprache verknallt. Damals hab ich so Singles von meiner Mutter gehört, und ich fand Englisch schon immer total cool. Ich bin keiner von denen, die einen Union Jack auf der Tasche haben, aber ich mag die Sprache. Die klingt einfach so toll. Ich find es gut, dass England und nicht Frankreich den Kampf der Nationen im 18. Jahrhundert gewonnen hat!

(Alle lachen)

Bruck: Okay, das wird dann die Überschrift!

Und nach der Schule? Habt ihr dann gleich beschlossen, so, wir werden Musiker?

Bruck: Da haben wir auch einen Gig gehabt, zu dem ein Label kam. Es war eigentlich ein Produktionsteam, die haben uns in ihr Studio eingeladen. Daraus wurden dann vier Monate Studio. Wir hatten auch ein Platte gemacht und die dann gaaanz klein raus gebracht. Dann waren wir recht umtriebig, haben aber immer weiter gemacht. Aber wir hatten auch immer unser Drummer Problem. Das hat uns zurück geworfen. Wir haben jetzt unseren achten!
Aber gut, wir haben viel gelernt. Wir wurden viel gefordert und mussten die anderen fordern. Dadurch sind wir aber auch auf ein hohes Level gekommen. Wir mussten immer wieder mit anderen Drummern spielen, immer wieder das Zusammenspiel neu erlernen.

War das Problem, dass ihr zu anspruchsvoll wart, oder dass die Drummer nicht gut genug waren?

Theuer: Also, jetzt haben wir ja richtig richtig gute Drummer. Auf der Platte spielt Gareth Brown, auch während unserer Tour durch England. Und der ist ja einer der Top Hundert Drummer der Welt, spielt jetzt mit Lily Allen. Irgendwann denkst Du Dir, das muss einfach grooven. Bei unseren Liedern wirkt es nicht, wenn einer nur bum – bum – macht.

Also habt ihr die Beziehungen zu den Drummern meist beendet.

Bruck: Ne ne!

Theuer: Ne ne ne ne ne! Wir haben nur einen einzigen Drummer rausgeschmissen, und das war aus persönlichen Gründen und nicht aus musikalischen.

Die Drummer waren also nicht immer so engagiert.

Bruck: Ja, wir haben immer gesagt, wir wollen nach vorne, wir wollen das richtig machen, und es gibt ja auch Leute, die das eher als Hobby nur machen wollen. So was gibt’s ja auch.

Theuer: Wir wollten einfach mehr.

Bruck: Einer wollte auch bei mehreren Bands spielen, verschiedene Stile.

Theuer: Und wir waren einfach immer so... gradlinig. Die anderen studieren, haben ´ne Freundin, heiraten. Da gibt man schon viel auf, das sind alles sehr schöne Dinge.

Jetzt habt ihr also Daniel Schröteler.

Theuer: Der ist jetzt unser Drummer, ja. Nur heute war Hannes Pulinger, unser Ersatz-Schlagzeuger, mit auf der Bühne.

Hat Euch Euer Konzert heute gefallen?

Bruck: Ja, total.

Und habt ihr immer so junge Fans in den Konzerten?

Theuer: Also, das waren sicher die Fans von den Headlinern.Unsere Zielgruppe ist sicherlich einerseits so 20-27 Jährige Musikliebhaber, aber ich glaube, dass wir auch bei so jungem Publikum gut ankommen. Wir machen einfach ne gute Show, es macht hoffentlich Spaß, uns zuzusehen. Und deswegen klappts halt.

Seht ihr Unterschiede zwischen Deutschland und England, vom Publikum her?

Theuer: In England gibt es zum Konzert kein Flaschenbier. Die schmeißen auch mal gerne, wenn ihnen das Konzert nicht gefällt. Aber: sie sind sehr unvoreingenommen, haben keine Vorurteile. Die hören sich das mal an, dann entscheiden sie, gut oder schlecht, und so verhalten sie sich dann auch.

Bruck: Wie in dem Pub...

Theuer: Ja, wir waren mal in einem Biker’s Pub, wurden dann angesagt, als ob wir gerade direkt aus Deutschland nur für diesen Gig in diesem Pub eingeflogen wären, nur für diese 20 mäßig interessierte Biker. Das war schon lustig! (Beide lachen) Und da gab es auch keine schlechten Vibes. Echt nett.

Ihr seid auf jeden Fall schon rumgekommen, habt Erfahrungen gesammelt.

Theuer: Wir waren auf jeden Fall nicht faul in den letzten sieben Jahren.

Für euer Alter habt ihr schon viel erreicht.

Bruck: Na ja, kommt darauf an, wie man es sieht, es gibt Leute, die sind schon mit 23 die Nummer eins. Aber wir sind zufrieden mit dem, wie es läuft. Man weiß ja gar nicht, was passiert wäre, wen wir schon vor zwei Jahren eine Single herausgebracht hätten.

Theuer: Viele von den jungen Bands sind dann ja auch schnell wieder weg. Wenn man sich langsam aufbaut, hat man vielleicht einfach bessere Chancen.

Bruck: Sting war ja auch erst einmal Lehrer!

Bei Lorenz Theuer und Carlos Bruck bedankt sich für das Interview: Nina Carla Praun

(2007)




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