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Dredg: "Die Hives sind Mist gegen die Beatles"
Monday, 11 February 2008 20:50

Kommen wahrscheinlich bald wieder: DredgUm sie ist es bedauerlicher Weise etwas ruhig geworden: Dredg starteten 2005 mit ihrem Album Catch without arms durch die Indie-Welt, wurden schon mit Amplifier und Oceansize zusammen genannt. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, Dredg wieder etwas mehr Beachtung zu schenken. Dass die Band durchaus was zu sagen hat, beweist uns Drummer und Keyboarder Dino Campanello im Interview.

Dredg klingen auf Platte ja ziemlich tragisch-imposant. Das ist live sicherlich sehr spannend. Würdest du euch denn eher als Studioband oder als Liveband bezeichnen?

 

Campanella: Das ist schwer zu sagen, ich kann uns ja nicht live sehen, höchstens eine live Aufnahme anhören. Aber ich glaube wenn man uns und unsere Musik kennt, dann ist es live wahrscheinlich beeindruckender. Die Musik ist energievoller, stärker, und lauter. (lacht) Lauter ist immer besser.

 

Das stimmt. Aber ich denke, manche eurer Ideen lassen sich im Studio besser umsetzen, oder?

 

Campanella: Naja, es sind zwei verschiedene Dinge, live und Studio, und beide haben ihre guten Seiten. Manchmal sind Studioaufnahmen besser, weil man da die ganzen kleinen Tricks hat, die die Songs ein bisschen interessanter machen. Besonders wenn man die Musik mit Kopfhörern laut aufdreht kann man die feinen Details hören und jedes Wort verstehen. Live geht das nicht, aber das hat auch seine Vorteile. Es ist manchmal einfach aufregend eine Band live spielen zu sehen und sich mitreißen zu lassen. Aber es ist schwer zu sagen was wohl besser ist. Ich finde beides toll.

 

Was würdest du sagen, welche Einflüsse Dredg prägen, sowohl instrumental als auch textlich?

Campanella: Es gibt so viele verschiedene Einflüsse in unserer Musik. Wir lassen uns von allem inspirieren, nicht nur von dem, was man direkt aus unseren Songs raus hört. Von Heavy Metall zu World Music, Dance Music, Hip Hop, einfach alles. Unsere Musik ist eine Mischung aus all diesen Eindrücken! Aber woher bekomme ich meine Inspiration zu spielen oder zu schreiben? Ich weiß es nicht genau, ich setzte mich hin und tue es einfach, ich mache nichts besonderes um mich inspirieren zu lassen.

 

Gibt es vielleicht eine bestimmte Musik, die dich besonders kreativ stimmt?

Campanella: Ich weiß nicht, wie es passiert oder wo die Musik her kommt - ich höre sie in meinem Kopf und fange an sie zu spielen. Es passiert einfach, so höre ich den ganzen Tag Musik. Ich selbst spiele Klavier und Schlagzeug, und für diese Instrumente schreibe ich auch. Vocals und Lyrics schreibe ich nicht, das macht Gavin.

 

Was für Musik hörst du denn privat? Hast du da bestimmte Favouriten?

 

Campanella: Zeitlose Musik auf jeden Fall. Es gibt großartige Musik, die niemals alt wird. Zum Beispiel Led Zeppelin, The Doors oder Roy Robinson. Aber es ist nicht nur Musik aus den 60ern und 70ern, auch neue Musik von heute, die später mal zeitlos sein wird, wie die Red Hot Chili Peppers, oder Radiohead. Die werden mal wie die Beatles sein und meine Kinder werden sich die anhören! Ich mag diese Bands, aber ich höre sie mir, um ehrlich zu sein, nicht so viel an.

 

Du stehst also auf die Beatles. The Hives meinten mal in einem Interview mit uns „Fuck The Beatles".

 

Campanella: „Fuck The Beatles"? Das finde ich ziemlich arrogant. Aber ich glaube das ist auch ein Teil von ihrem Image, das ganze übertriebene Ego, das ist halt ihr Ding. Aber die kommen nicht im Geringsten an die Beatles ran, das kannst du zitieren. Die sind Mist im Vergleich zu den Beatles.

 

Wir würdest du denn eure Art von Musik beschreiben? Ich finde, sie ist zeitweilig recht schwer zu fassen.

 

Campanella: Ich denke wir schreiben vielseitige Musik. Ich schreibe gerne Musik, die traurig macht, denn manchmal fühle ich mich so. Und manchmal möchte ich Musik machen, zu der die Leute Party machen, die die Leute mitreist, sie aufstehen und sich gut fühlen lässt. Ich mag das beides. Wahrscheinlich hat es was damit zu tun, dass ich mich, als ich jünger war, sehr für Filmmusik interessiert habe. Das ist sehr dramatische Musik und wenn ich Klavier spiele kommt das als erstes in mir hervor: Sehr dramatische Töne. Wenn ich aber Schlagzeug spiele möchte ich gerne etwas Langsames spielen, oder ganz funky, einfach etwas, dass dich in Partylaune bringt. Man könnte es fast bipolar nennen. Wir alle sind so, unsere Musik, unsere Alben und auch Dredg live. Wenn man uns kennt stellt man das schnell fest, dass wir unsere glücklichen und auch traurige Momente haben. Man kann uns nicht auf nur eine Richtung festlegen.

 

In gewisser Weise erkennt man euren Stil aber trotzdem sehr deutlich in jedem Album wieder.

 

Campanella: Wir versuchen nichts zu wiederholen, aber wenn man viel Musik in einer bestimmten Zeit schreibt, dann klingt es schon ähnlich, weil das, was einem im Kopf rum geht, ähnlich ist. Also gibt es auf jeden Fall Gemeinsamkeiten, aber wir versuchen immer etwas Neues zu machen.

 

Wird die nächste Platte dann was ganz anderes als bisher?

 

Campanella: Die nächste Platte wird wieder anders. Wir wollen immer in neues Territorium vordringen, also was für uns neu ist. Neue Musik entdecken.

 

In welche Richtung wird das dann gehen?

 

Campanella: Wer weiß! Clubmusik! (lacht) Das fände ich interessant, aber ich denke es doch eher nicht. Ich mag diese Musik inzwischen schon - nicht die kitschige Clubmusik, sondern die wirklich guten Tracks, die dich zum Tanzen bringen. Ich persönlich tanze zwar nicht, aber ich gehe manchmal in Clubs, in denen solche Musik gespielt wird.

 

Gehst du denn zum Musik hören auch noch auf Konzerte?

 

Campanella: Nein, ich gehe nicht mehr viel auf Konzerte, ich habe nicht mal einen iPod oder eine große CD Sammlung. Ich bin ja die meiste Zeit auf Tour und wenn ich dann nach Hause komme höre ich einfach Radio. Ich höre so viel Musik, die ganze Zeit um mich herum, da muss ich meinen Ohren und meinem Kopf auch mal eine Pause gönnen. Deshalb höre ich nicht so viel Musik, aber es gibt schon Sachen, die ich mag, wie eben richtig gute Clubmusik. Sowas finde ich gut. Zum Beispiel Mia, kennt ihr die? Sie war Support Act von Gwen Stefani, sie ist aus Sri Lanka. Die macht echt super Clubmusik.

 

Nochmal zurück zu eurem Album. „Catch without arms" ist euer aktuelles Werk. Um welche Themen dreht sich die Platte denn besonders?

 

Campanella: Es gibt auf jeden Fall Themen, besonders in den Lyrics, um die wir dann das Album gestalten. In unserem neuen Album geht es viel um Konflikt und Kontrast. Gavins Lyrics handeln viel von verschiedenen Sichtweisen, auch in den Songs selbst gibt es die.
Das Album ist in zwei Hälften geteilt, Perspektive eins und Perspektive zwei. Aber die sind selbst sehr vage. Es geht mehr um die Theorie von Gegensätzen, Ying und Yang, zwei Gesichtspunkte in einer Diskussion. Das kann in verschiedenen Formen sein, sehr einfach oder auch komplex.

 

Auf eurer Website findet man auch Bilder von euch, die ihr zum Album gemalt habt.

 

Campanella: Gavin und Drew malen, ich bin selbst kein Künstler. Die beiden haben jeden Song in einem Bild ausgedrückt. Die Bilder basieren sowohl auf den Lyriks wie auch auf der Musik, also gibt es zwölf Bilder. Ich denke, Farben können auf jeden Fall Musik beschreiben. Manchmal reden wir über eine bestimmte Passage als „die braune Phase", oder „das ist ein sehr gelbes Stück".

 

Hast du denn auch noch nie versucht, ein Bild zum Gesamtkunstwerk von Dredg beizusteuern?

 

Campanella: Nein, ich habe nie gemalt. Ich denke man ist als Künstler geboren oder eben nicht. Ich bin ein Musiker und nicht mehr. Aber ich mache gerne Yoga und Sport, ich gehe gerne weg und auf Partys, und ich spiele dauernd Musik. Mark malt auch nicht, aber das ist auch nicht so wichtig. Wir sind eine Band und die Musik ist dabei das Wichtigste, das kommt zu erst.

 

Eure emotionale Musik, die Kunst... das lässt eigentlich darauf schließen, dass ihr richtig brave Jungs seid. Trotzdem hab ich gehört, dass ihr mal in Mexiko verhaftet worden seid?

 

Campanella: Ich war nicht im Gefängnis in Mexiko, Gavin und Mark schon. Wir waren damals in Mexiko, südlich von Arizona in Porto Pernosco Rocky Point. Wir waren alle etwas betrunken und fuhren den Highway entlang, als Drew eine Flasche aus dem Auto nach einem Traktor warf. Also wurden wir von der Polizei angehalten. Zuerst dachten wir, nur Drew und Mark würden verhaften werden, aber sie haben uns alle mitgenommen. Wir mussten den Tag in der Zelle verbringen bis wir nüchtern waren und mussten dann 20 Dollar zahlen, um aus dem Gefängnis zu kommen.

 

Bei Dino Campanella von Dredg bedanken sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock und Dominik Hoferer

(2005)




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