| Danko Jones: "Lieber etwas Ruhiges vor dem Schlafen" |
| Sunday, 13 April 2008 23:42 | |||
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Zum Reinhören: Baby hates me
Danko Jones, über Euer neues Album „Never too loud" existieren grundsätzlich zwei Meinungen: Die einen sagen, das sei Euer bestes Classic Rock-Album, die anderen finden darin zu wenig Punk und Power. Was war denn nun Eure Idee, Euer Konzept hinter der Platte?
Jones: Wir wollten eine Hardrock-Platte machen, weil wir eine Hardrock-Band sind. Ich habe nie etwas anderes gesagt, als dass wir eine Hardrock-Band sind. Wir haben Punk-Einflüsse, aber das bedeutet nicht, dass wir die ständig vor uns her tragen müssen. Diesmal betonen wir halt unsere Hardrockwurzeln. Die Rezensionen, die sagen, dass wir ein klassisches Hardrockalbum gemacht haben, liegen verdammt richtig. Und die, die's nicht kapieren, sollten wahrscheinlich mehr Rock hören.
Wie war denn die Zusammenarbeit mit der Produzentenlegende Nick Raskulinecz ? (Anm. Red.: u.a. Produzent von FooFighters, Ash, Rush, Marilyn Manson)
Jones: Fantastisch! Obwohl er ein prominenter Producer ist, ist er nicht so ein Typ, der die ganze Zeit mit seinem Ego hausieren geht. Er ist wirklich sehr bodenständig und einer der witzigsten Typen, mit denen wir je zusammen gearbeitet haben. Von Anfang an hat er dafür gesorgt, dass wir uns alle wohl fühlen. Es war so, als würde man mit einem guten Freund abhängen, während man eine Platte aufnimmt. Was die kreative Seite anbelangt, bracht er den neuen Sound mit in die Arbeit ein: fettere Gitarren, fetteres Schlagzeug. Und er half uns auch mit den Arrangements. Wir marschierten mit unseren Ideen ein und er machte sie dichter, geschmeidiger, klarer. Es waren unsere Songs, für die er den richtigen Klang fand.
Und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Punk-Legende Peter Stahl, der stimmlich auf der Platte aushilft?
Jones: Das funktionierte auch über Nick. Er hat das Goatsnakes-Album „Flower of Disease" produziert, und auch andere Bands von Peter wie Scream oder Wool. Er hat mal ganz nebenbei vorgeschlagen, Pete als Gaststimme einzubringen. Ich mochte die Idee, weil ich ein großer Fan von ihm bin. Also ging es nur noch darum, Pete ins Studio zu kriegen. Da wir in Los Angeles aufnahmen, was das leichter als es in Toronto gewesen wäre. Und John Garcia (Kyuss), der bereits auf unserer letzten Platte mitgewirkt hat, war auch wieder dabei. Die beiden Typen auf einem Track zu vereinen, war ziemlich lässig.
Stimmt eigentlich das Gerücht, dass Ihr vom Rock getriebene Workaholics seid? Immerhin habt Ihr die aktuelle Platte kurz nach Eurer fünfjährigen Tour durch die ganze Welt geschrieben...
Jones: Ganz so war es nicht, wir haben offiziell schon ein Jahr frei genommen. Das alles hatte uns mitgenommen, wir waren ausgebrannt. Also haben wir uns eine Pause geleistet. In der Pause haben wir uns ein, zweimal in der Woche getroffen, um zu jammen. Ganz locker, wie zum Spaß. Wenn uns etwas einfiel, fiel uns etwas ein, und wenn nicht, gab es da ja noch die nächste Woche. Das ging etwa fünf Monate so, und am Ende der fünf Monate hatten wir das Album quasi schon geschrieben. Wir hatten ne Menge Songs zusammen, nahmen die top 14 oder 15 davon und gingen damit zu Nick ins Studio. Das war im Juli und August letzten Jahres. Im Herbst und im Winter haben wir dann noch einmal eine Pause gemacht. Wir haben's ganz gemütlich angehen lassen. Das war genau das, was wir zum Aufladen unserer Akkus brauchten. Jetzt machen wir die Europa-Tour, um unsere Platte vorzustellen.
...und diese Tour ist nahezu ausverkauft! Das letzte Mal, als Ihr hier im Backstage aufgetreten seid, war das noch im kleinen Club, jetzt spielt Ihr in der Halle - und auf allen namhaften Festivals Europas.
Jones: Ja, Frankreich, Spanien - alles ausverkauft, das wird lustig. Wir waren eine Weile nicht in Europa und es ist gut zu wissen, dass es hier Leute gibt, die vorbeischauen, wenn wir mal wieder in der Gegend sind. Und der ganze Sommer steht im Zeichen von Festivals, einige wie Rock am Ring spielen wir auch in Deutschland. Ein großer Spaß!
Schauen wir uns die neuen Songs noch mal näher an: Aus Titel wie „Code of the Road" und „City Streets" klingen die Erfahrungen Eurer langen Tourzeit. Wie verarbeitet man die Eindrücke dieser intensiven Zeit?
Jones: Nach fünf einhalb Jahren unterwegs wurde die Tour zwangsläufig zu einem Thema der Platte. Ob man nun ein Buch oder Songs schreibt, man kann nur aus dem schöpfen, was man erlebt. Und wir haben über fünf Jahre nichts anderes erlebt als unterwegs zu sein. Anfänglich wollten wir das ganze neue Album als eine Art Tour-Tagebuch machen. Aber wie das so bei einem Team ist, einige Ideen werden für andere geopfert. Aber „City Streets" handelt eindeutig davon, eine lange Zeit weg gewesen zu sein - und wenn man zurückkommt, sind alle bekannten Gesichter weg.
Und wie ist das mit „Ravenous" - hast Du nach Titeln wie „Don't fall in love" und „Time heals nothing" von der letzten Platte wieder Lust auf Liebeslieder bekommen?
Jones: Das Lustige am letzten Album „Sleep ist the Enemy" ist ja, dass da erst der Song „Don't fall in love" ist und einige Titel weiter heißt es dann „When will I see you again". Und so ist es im Leben halt auch. Jeder fühlt doch so, wenn er eine Beziehung beendet hat: Ich hab die Schnauz voll von Frauen, ich hab die Schnauze voll davon, mich noch einmal zu verlieben, nie wieder. Und zwei Monate später hat man dann wieder ein Date. „Don't fall in love" handelte von diesem kurzen Moment, denn jeder von uns kennt, wenn man sagt: „Davon bin ich weg, nie wieder werde ich so etwas tun." Und mit „Ravenous" fängt alles wieder von vorne an.
Beim Titelsong „Never too loud" fragte ich mich, was Du wohl tust, um auch mal Stille zu finden?
Jones: Das passiert meistens nach einer Show. Das letzte, was ich dann noch möchte, ist laute Rockmusik zu hören. Im Laufe des Tages wird die Musik, die ich höre, immer lauter und schwerer und gipfelt dann in der Show am Abend. Danach möchte ich nichts Lautes mehr hören. . Aber „Never too loud" ist ja eigentlich ein Song über das Taubwerden. Jeder schreit immer „Lauter, lauter!", aber in einem Rocksong hat meiner Meinung nach noch nie jemand davon gesprochen, taub zu werden. Ich finde es lustig, einen harten Rocksong zu machen, der über die Angst vor dem Taubwerden handelt.
Apropos Taubwerden: Machst Du eigentlich immer noch Deine Radiosendung?
Jones: Ja klar, die läuft immer noch, im Sommer werden wir wohl zum ersten Mal eine Pause einlegen. Aber ich habe das seit vier Jahren ganz regelmäßig gemacht. Wir haben in Canada gesendet, aber auch in Norwegen, Schweden und Deutschland.
Spielst Du in Deiner Radioshow auch deutsche Bands?
Jones: Ich habe mal eine ganze Sendung über deutsche Bands gemacht. Ich glaube, ich habe nur Scorpions gespielt. Ich bin ein großer Fan der frühen Scorpions.
Letzte Frage: Stell Dir vor, Du würdest nach Peking eingeladen, um das Eröffnungskonzert der Olympischen Spiele zu geben. Würdest Du das machen?
Jones: Nein. Würde ich nicht machen. Und politischer möchte ich in einem Interview nicht werden.
(Anm. d. Red.: Zur Enttäuschung der Autorin fiel an diesem Mittag nicht einmal das F-Wort.)
Bei Danko Jones bedankt sich für das Interview: Petra Schönhöfer
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Ich wäre gern bei einem Samstagsspaziergang von Andy Warhol und Truman Capote durch New York dabei, um sie dann abends bei ein paar trockenen Martinis Billie Holliday singen zu hören.
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