| Sickcity:"United We Fall" |
| Saturday, 03 May 2008 15:08 | |||
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Kann man als junge Band dem Klischee entgehen, erstmal als „Nachwuchsband“ bezeichnet zu werden?
Bene: Da rutscht man automatisch rein und merkt, dass man so aber auch Aufmerksamkeit erregen kann.
Daniel: Man könnte sagen, man ist ein Newcomer, solange einen die Leute noch nicht richtig kennen. Egal wie lang du schon dabei bist oder wie alt man eigentlich ist. Daher sind wir wohl weniger Nachwuchs, aber immer noch Newcomer.
Nervt das?
Daniel: Nee, schlimm wäre es eher, wenn es hieße, die sind aber schon lang dabei und haben noch nie etwas gerissen. Es ist schon lustig, sich die Münchener Musikszene anzusehen. Es gibt echt viele Leute, die man über die Jahre kennen gelernt hat. Es kommen viele hinzu, aber viele bleiben auch einfach gleich und tauchen immer wieder in anderen Bands auf. Bene spielt auch bei Blek le Roc. Lucas von Five Fast Hits spielt noch bei uns und bei Blek le Rock. Das sind alles Newcomer.
Also trifft das Klischee vom „Rumgehure in der Münchner Indie-Szene“ schon zu, wenn jeder bei jedem mal mitspielt?
Bene: In München gibt es wenige Leute, die Musik ernsthaft und länger betreiben, als nur zu Schulzeiten, wo man noch Zeit dafür hat. Wenige sind auch bereit, andere Sachen dafür aufzuopfern. Und mit denen spielt man dann gern zusammen. Die Szene ist einfach recht klein und überschaubar hier. In Berlin ist das noch mal anders, dort hat man mehrere Bands und auch ältere, die wirklich Musik machen wollen.
Wo setzt ihr eure Prioritäten?
Bene: Wir müssen schon dafür sorgen, dass wir auf eine andere Weise weiterkommen, weil wir nicht damit rechnen können, dass wir durch’s Musik machen wirklich Geld verdienen können. Trotzdem steht Musik an erster Stelle.
Daniel: Wir sind alle Studenten, da ist es ähnlich wie im Fall von Schülern, wir können unsere Zeit nutzen.
Fühlt ihr euch jetzt eigentlich schon etabliert als Band?
Daniel: Etabliert sind wir noch nicht so wirklich, aber wir haben den Punkt erreicht, an dem man ein paar Fans hat und einen schon einige Leute in München kennen. Wir haben auch schon einige größere Bands supported. Daher sind wir also nicht die Nachwuchs-Arschband, aber über den lokalen überschaubaren Rahmen hinaus sind wir noch nicht so richtig etabliert.
Bene: Als Indie-Band muss man einfach immer weiter machen, Stück für Stück. Man muss auch aus München rausgehen, in andere Städte und gute Supporttouren bekommen.
Warum habt ihr euch von TRAVELPUSSY in SICKCITY umbenannt?
Daniel: Travelpussies sind ja diese Teile aus Herrentoiletten.
Bene: Der Name ist damals einfach aus der Not geboren. Wir hatten damals ein Konzert, aber noch keinen Namen für die Band. Berger, der den Namen gefunden hat, ist der Betreiber vom Babalu. Er ist drauf gekommen bzw. hat ihn von der Toilette abgelesen. Im Nachhinein klingt es cool, aber „Wandermöse“ ist schon irgendwie zu hart für einen Bandnamen.
Daniel: Die meisten Frauen fanden den Namen auch ziemlich scheiße. Die meinten dann „ja ihr seid schon cool, aber der Name geht mal gar nicht klar“.
Und warum dann SICKCITY?
Daniel: Das ist ja die Standardfrage!
Bene: Viele Leute beziehen das direkt auf München, aber das ist ein ziemlicher Schmarrn.
Aber es bietet sich auch einfach an, den Style der Großstadt direkt mit eurer Musik in Verbindung zu bringen.
Daniel: Ja klar, dass sieht man auch am Look unser Homepage. Aber im Endeffekt ist eher aus dem Namen heraus das Konzept geboren und nicht umgekehrt.
In der Stadt stößt man öfter auf euer Logo, an U-Bahn-Stationen im Glockenbachviertel zum Beispiel. Sind die Aufkleber auch von euch?
Bene: Wir haben einen Kumpel, der Kommunikationsdesigner ist und seine Diplomarbeit quasi über uns schreibt. Es gibt so gewisse Wege, die ich häufig gehe und dann die Aufkleber anbringe. Leider halten die meistens nicht lang.
Daniel: Ist auf jeden Fall schön, dass die so sichtbar sind.
Habt ihr wirklich auf der Bühne zueinander gefunden?
Bene: Auftreten ist schon einfach das aller Feinste! Studioarbeit ist etwas ganz anderes. Es macht auch Spaß an Sachen rumzufrickeln und sie auszutüfteln. Unsere Musik lebt aber hauptsächlich vom live spielen. Wir waren gerade wieder im Studio und sind auch sehr zufrieden mit dem, was dabei raus gekommen ist, aber insgesamt funktioniert es live besser. Da ist die Musik wahnsinnig dynamisch und auch aggressiv. Das ist im Studio oft schwierig rüber zu bringen. Vielleicht könnte man das mit richtig krassen Produzenten noch besser herausbringen.
Gerade eure Live-Show beim Headshrinker Festival im letzten Dezember war wirklich überzeugend.
Daniel: Das war auch super. Es ist auch ganz anders auf so einer großen Bühne wie in der Muffathalle zu spielen, mit so einer guten Anlage und ordentlichen Lichtmischern.
Bene: In kleinen Läden ist der Sound leider oft richtig schlecht, dann klingst du auch immer schlechter, das ist schon echt gemein.
Irgendwann wünscht ihr euch vielleicht auf kleine Bühnen zurück.
(lachen)
Bene: So wie die Sportfreunde mit ihrer Clubtour?!
Welche Konzerte stehen nach dem CD Release noch an?
Bene: Ein paar kleinere Sachen und den Auftritt beim Tollwood hier in München. Live spielen ist so wichtig geworden und da bleiben wir dran.
Daniel: Irgendwann kommen in München auch keine Leute mehr, da muss man schon auch ein bisschen dosieren. Demnächst spielen wir daher in Innsbruck und ein Konzert in Berlin ist auch noch in Planung für den Sommer. Ohne Booker ist die Organisation allerdings mit einem enormen Aufwand verbunden.
Habt ihr mal drüber nachgedacht, deutsch zu singen?
Daniel: Nachgedacht schon, aber das hängt mit den eigenen Einflüssen zusammen. Ich schreibe die ganzen Texte und ich habe eine Affinität zur englischen Sprache. Da kann ich mich auf markantere Weise ausdrücken. Auf Deutsch könnte ich vieles nicht so gut in Worte fassen.
Bene: Es gibt ein paar wenige Bands, die auf Deutsch wirklich gute Texte bringen können. Bei den meisten klingt aber automatisch alles gleich.
Daniel: So viele Bands singen auf Deutsch, weil es grade in ist und sie entsprechen damit einfach nur dem Zeitgeist.
Könnt ihr kurz was zur neuen EP erzählen, die ihr gerade aufgenommen habt?
Daniel: Die EP ist eigentlich eine Maxi CD zu dem Song „United We Fall“, das ist das erste Lied und dann sind noch zwei weitere drauf.
Bene: Die CD bedeutet für uns einen Schritt nach vorne. Der Produzent der EP hat sein eigenes Label gegründet und wir können jetzt offiziell bei den Onlineshops verkaufen. Die letzte EP haben wir selbst noch über’s Internet vertrieben. Wer sie haben wollte, musste uns erst schreiben, das hat gar nicht funktioniert.
Daniel: Im Vergleich zur ersten, haben wir jetzt einiges besser gemacht. Insgesamt sind die Songs ein bisschen härter und mehr nach vorne gerichtet, mit mehr Gitarren. Es ist wieder ein Hit drauf, der die EP trägt und die „Beats per Minute“-Zahl ist auf jeden Fall gestiegen.
Bene: Wir haben auch wieder darauf geachtet, dass die Songs möglichst unterschiedlich sind.
Eurer Musik merkt man durchaus an, dass sie kein Indie-Standard ist, sondern sich vorwärts bewegt und ihr euren eigene Weg einschlagt.
Bene: Wir wollen schon die Indie-Schiene mitfahren, aber dabei auf jeden Fall unser eigenes Ding machen.
Daniel: Vor ein paar Jahren hatte das Wort „Indie“ noch nicht so viel Inhalt, heute ist es eher konkret bezogen auf schlaksige Lederjacken tragende Bands. Bei keinem von uns ist das unbedingt noch die Musik, die wir gerade hören. IAMX ist ein gutes Beispiel. Die spielen ähnlich wie wir härtere Musik und sind kaum zu verorten. Es fließen auch Technoelemente ein. Einen eigenen Weg gehen, das ist definitiv unser Ziel.
Insgesamt ist euer Live-Repertoire aber viel größer als der Ausschnitt auf den zwei EPS. Habt ihr schon darüber nachgedacht, ein Album aufzunehmen?
Bene: Auf jeden Fall.
Daniel: Sicher so ein Album hätte auch was für sich, aber der Aufwand ist auch unheimlich groß. Es dauert einfach. Deshalb stand bei uns die Überlegung an, einfach noch eine EP zu machen, was auch schon lange dauert. Dann gehen wir lieber in einem halben Jahr noch mal ins Studio, um was aufzunehmen. Für unseren Status ist das einfach cleverer.
Bene: So hat man auch mehr Zeit, sich über jeden einzelnen Song Gedanken zu machen. Macht man nur drei Lieder, kann man sich definitiv mehr Mühe geben.
Daniel: Lieber drei Songs gescheit, als ein Album nur halbwegs.
Habt ihr schon mal zu einem Song ein Video gedreht?
Daniel: Nein. Wir haben jetzt mal einen Livemitschnitt zumindest mit zwei Kameras aufgenommen. Das Problem ist auch, dass ein Video schon wirklich gut aussehen muss. Natürlich kann man auch mit einfachen Mitteln was herstellen, aber ich bin auch kein visueller Mensch. Andere Sachen sind uns wichtiger.
Bene: Unser Kommunikationsdesigner wollte auch schon ein Video für uns animieren, quasi mit uns als Comicfiguren, das ist dann allerdings wirklich aufwendig.
Und wenn die Rahmenbedingungen keine Rolle spielen würden, wer wäre der Regisseur bzw. der Schauspieler eurer Wahl?
Daniel: Spike Jonze, der wäre toll. Das wär schon ok, aber drunter geht halt nichts klar. Ich würde schon mitspielen und dann vielleicht noch den einen oder anderen Gaststar. Als Darsteller vielleicht Christopher Walken. (Anm. Red.: Walken tanzte im legendären Fatboy Slim Video „Weapon of Choice" von Jonze.)
Bei Bene und Daniel von Sickcity bedankt sich für das ausführliche Interview: Mirjam Miethe
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Ich wäre gern bei einem Samstagsspaziergang von Andy Warhol und Truman Capote durch New York dabei, um sie dann abends bei ein paar trockenen Martinis Billie Holliday singen zu hören.
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