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Tomte: "Jan Delay ist schon sehr niedlich"
Sunday, 22 July 2007 00:07
Ein Mann über 30 - Zigaretten, Rotwein und gutes Essen
"Das ist wie Knutschen ohne Handynummern austauschen!" - mit diesen Worten verabschiedete sich Thees Uhlmann von Tomte beim Frequency Festival 2006 von seinem Publikum. Doch eigentlich ist er zu alt, seine Nummer rauszurücken. Mit uns spricht er lieber über Rotwein, gutes Essen und Jan Delay.

 

 

Zum Reinhören: Schreit den Namen meiner Mutter


 

Wann hat Thees Uhlmann das letzte Mal seine Handynummer ausgetauscht?
Uhlmann:
Ich bin jetzt seit zwei-dreiviertel Jahren weg vom Markt. Daher spielt meine Telefonnummer keine Rolle mehr.

Du hast gesagt, dass du ungern alleine durchs Leben gehst, da immer noch jemand da sein muss, mit dem man sich unterhalten kann. Ist das der Grund für die vielen Liebeslieder?
Uhlmann: Es gab eine gewisse Art Auslöser in meinem Leben. Früher war es das Suchen nach dem was passieren könnte und nach der Suche der Person die da sein würde. Lustiger Weise ging das rasend schnell, dass ich von der Musik leben konnte und dass ich jemand getroffen habe. Das ist für den kleinen Uhlmann ziemlich viel zu verdauen. Deshalb ist die neue Platte auch darüber, wie es ist, jemand zu treffen und wie es ist dazu sein, wo man jetzt ist. Für mich spielt das eben eine große Rolle. Darüber regen sich Leute die 35 und solo sind im deutschen Feuilleton auf. Aber das ist schon okay so – ein fairer Deal: Die sind alleine und ich bin zu zweit.

Auf dem aktuellen Album „Buchstaben über der Stadt“ gibt es auch ein Lied das „New York“ heißt und sicher von deinem Aufenthalt in den USA geprägt wurde. Dabei hast du auch einen Vortrag an der University of California über deutsche Musik gehalten. Wie viele Studenten waren da in der Vorlesung?
Uhlmann: Wenig! Das war eine Vorlesung für Deutsch-Studenten an der UCLA und an anderen Colleges. Da waren wenige Leute, es hat aber trotzdem Spaß gemacht. Das tolle war, dass ich danach noch an der Highschool in einer deutschen Klasse war.

Hat man dich dort gekannt?
Uhlmann:
Nein, natürlich nicht. Aber es hat Spaß gemacht denen zu erzählen, dass man in St.Pauli zum Beispiel mit 16 Jahren und zwei Tüten Bier aus dem Supermarkt kommen kann. Darüber wundert sich kein Mensch. Die Leute denken sich dort: „Super, es ist Freitag, die Jungs machen eine Party!“ Wenn man dann noch erzählt, dass man durch St. Pauli laufen kann und muss keine Angst haben erschossen zu werden, schauen die doppelt dumm. Ein Mädchen meinte darauf, dass sie doch ihre Waffen zur Verteidigung brauchen. Das kann in Deutschland keiner nachvollziehen.

Vor einigen Alben haben Tomte es sich nicht zugetraut, in der Lage zu sein, Songs wie zum Beispiel „Endlich einmal“ von der dritten Platte zu schreiben. Mittlerweile stehst du in Amerika und hälst Vorlesungen über deutsche Musik. Sind Tomte sich mittlerweile ihrer eigenen Größe bewusst oder gibt es da immer noch Zweifel?

Uhlmann: Nein, ich zweifle nicht, bin aber nicht meiner eigenen Größe bewusst. Ich bezweifle, dass ich mehr Größe habe als alle anderen. Ich mache mein Ding und jeder macht sein Ding. Mir schauen vielleicht mehrere Leute zu, aber ich fühle mich nicht besonders.

Die Frage war auch eher darauf bezogen, ob Tomte als Band mittlerweile ihrer eigenen Größe bewusst ist und nicht ob Thees Uhlmann sich fürwas Besseres hält.
Uhlmann:
Über so was denke ich nicht nach. Das möchte ich auch nicht, da es ein Auslöser dafür sein kann sich zu denken: „Oh Mann, wie toll was ich alles kann!“ Ich fand immer normal was ich tue und habe es auch immer aus einer gewissen Normalität heraus gemacht. Wenn jemand sagt, dass es ihm unsere Lieder aus der Seele sprechen bedeutet mir das verdammt viel. Ich fühle mich deshalb nicht besser. Ein KFZ-Mechaniker fühlt sich auch gut, wenn man sich bei ihm bedankt, dass das Auto wieder fährt. Ich freue mich genauso, wenn jemanden meine Lieder gefällt. Da bin ich dem Mechaniker ziemlich ähnlich. Ich setzt mich einfach hin, überlege mir was ich loswerden möchte und schreibe ein Song.

Ist Musik machen dann auch ein Handwerk für dich?
Uhlmann: Nein. Jürgen Vogel sagt: „Kunst kommt von Können!“ Ich sage immer: „Kunst kommt von Müssen!“ Der Mechaniker sagt sich, dass er den Motor so gut wie möglich reparieren möchte.

Ist die Parallele zwischen dem Mechaniker und dir dann der Perfektionismus?
Uhlmann:
Man sollte sich verschenken, mit dem was man tut und nicht kalkulieren.

Ein anderes Thema: Wie geht es dem Hund? (Auf dem Album „Hinter all’ diesen Fenstern“ besingt Uhlmann seine Freundschaft zu seinem Hund, Anmerkung der Red.)
Uhlmann:
Dem Hund von der dritten Platte? Der ist überfahren worden. Wisst ihr das nicht? Mann haben sie schlecht recherchiert! Tschüss, ich gehe!

Uhlmann steht auf und geht, dreht eine kleine Runde, winkt vorbeiziehenden Fans zu und kommt wieder grinsend zurück.

Da sind wir doch schlecht informiert, das stand nicht in der BILD-Zeitung oder der Gala.

Uhlmann: Und genau da gehört es hin! Der Hund wurde ein halbes Jahr nach der Liedfertigstellung überfahren. Endlich hatte man mal jemand, hat es benannt, und dann war auch das weg. Das hat extrem kein Bock gebracht. Man hat sich neu arrangiert und dann war der Hund da. Plötzlich kam der Anruf: „Thees, dein Hund wurde überfahren!“ Das hat alles ein schnelles Ende gefunden. Der Hund liegt im Garten meiner Eltern, dort wachsen die meisten Blumen drauf und es gibt ein viertel neuer Hund in meinem Leben. Was ich sehr genieße. Das Leben hat es in letzter Zeit gut mit mir gemeint. Aber das ist schon ein tolle Frage: „Na wie geht es deinem Hund? – Der ist tot, danke, ich gehe!“

Das wäre fast unsere Einstiegsfrage gewesen. Dann wäre das Gespräch ja gelaufen gewesen. Aber das Leben hat es gut mit dir gemeint, Thees Uhlmann wird älter und reifer. Kam daher der Wechsel von Bier zum Rotwein?
Uhlmann: Frank Spielker von den Sternen meinte zu mir mal über das Rauchen: „Ich habe genügend Zigaretten in meinem Leben geraucht.“ Genauso sehe ich das mit Bier. Ich habe in meinem Leben genügend Bier getrunken. Jetzt ist der Wein dran! Männer über 30 sage ich nur. Die unterhalten sich über Rotwein und Essen. Aber das hat schon sehr viel Stil was ich hier mache: Rotwein aus dem Cola-Becher. Zum Glück habe ich ihn dekantiert.

Essen ist übrigens ein schönes Stichwort. Bei der Herfahrt haben wir uns über unsere Lieblingsessen aus der Küche unserer Mütter unterhalten. Was ist dein Lieblingsessen, das die Mutter immer zubereitet hat?
Uhlmann:
Wo kommt ihr überhaupt her?

Aus dem Freiburger Raum.
Uhlmann: Ach ja? Wir haben in Horten immer Urlaub gemacht. Ein kleines Bauerndorf bei Freiburg. Wir hingen da immer ab und konnten Freiburg vom Fenster aus sehen. Da habe ich immer gesagt: 1000 Diamanten! Um mal ein kleines Fußballlied anzustimmen: Freiburg ist ´ne schöne Stadt, da möchte man gerne leben. Drum fahren wir nach Offenbach und benehmen uns daneben!

Großartig waren übrigens immer die Duelle zwischen dem SC Freiburg und St. Pauli.
Uhlmann: Beim letzten Erstliga-Spiel waren wir auch und haben danach im Waldsee gespielt. Das war toll!

Die eigentliche Frage war ja die über das Lieblingsessen aus der Küche deiner Mutter.
Uhlmann: Ich fand Tomaten-Reis immer toll. Einfach Reis kochen, eine Dose Tomatenmark und eine Dose Rindfleisch. Das war super, da konnte man immer die großen Rindfleisch-Stücke suchen!

Kettcar, eure Label-Kollegen die gestern hier auf dem Festival gespielt hatten, haben Tomte gegrüßt und euch ein Lied gewidmet. Unternehmt ihr auch in eurer Freizeit was zusammen? Vielleicht Urlaub zusammen?
Uhlmann:
Nein, Urlaub noch nicht, aber vielleicht irgendwann mal. Das ist das Ding, dass man sich mit 22 Jahren die ewige Freundschaft schwört und sagt, dass man immer Freunde bleibt. Man ist natürlich befreundet, aber man hat weniger Zeit, da man viel arbeitet. Jeder hat genug zu tun, aber Marcus Wiebusch (Sänger von Kettcar, Anm. d. Red.) ist halt mein bester Freund. Da werde ich auch dauernd gefragt, ob es eine Konkurrenz zu Kettcar gibt. Das gibt es nicht. Die Band kann man mir an den Arm nähen.


Zumindest geht es eurem gemeinsam gegründeten Label Grand Hotel van Cleef geschäftlich besser, wenn die andere Band viele Platten verkauft.
Uhlmann: Es gibt kein „geschäftlich“ in meinem Leben. Habt ihr eine Ahnung, was ich hier heute Abend verdient habe?

Nein.
Uhlmann: Ich weiß es auch nicht. Es interessiert mich aber auch nicht. It is just another Auftritt in the Jugendzentrum!

War Ihr gemeinsames Projekt mit Kettcar und Jürgen Vogel, die “Hansen Band”, eine Idee von Ihnen oder von Jürgen Vogel?
Uhlmann: Da kam wirklich Jürgen Vogel vorbei und meinte, dass er gerne was mit uns machen würde.

Das ist doch schön, wenn jemand von außerhalb kommt und die beiden Bands vereint!
Uhlmann: Ja klar, dass ist aber auch dazu noch ein geiler Macker. Ich werde öfter mal gefragt, wie es denn so ist nun berühmt zu sein? Dann muss ich immer sagen, dass ich nicht berühmt bin. Jürgen Vogel ist seit 15 Jahren berühmt. Der wird nachts an der Tankstelle erkannt. Die Leute an der Tankstelle interessieren sich einen Scheiß für mich.

Apropos Berühmtheit: Wie fändest du die Schlagzeile: Thees Uhlmann, das Aushängeschild der deutschen Indie-Szene?
Uhlmann: Sagt wer?

Niemand, aber was würdest du dazu sagen?
Uhlmann: Die Leute schreiben Schlagzeilen, ohne dass man sie fragt.

Würdest du dich freuen oder ärgern?
Uhlmann: Das ist so abstrakt. Ich habe gewisse Grundinteressen, dass Leute auf Konzerte gehen und sich Musik anhören. Ich will nicht, dass da jetzt einfach 90 Minuten Live-Entertainment ist. Wir sind jetzt hier machen Party und ihr macht mit. Ich will einfach Musik machen. Ich denke dass Rock´n´Roll die Kunst ist, die derzeit am meisten Menschen beeinflusst. Wenn ich das Aushängeschild bin, dann bin ich es eben. Mir ist das egal. Würde jetzt in der Bild-Zeitung stehen: „Buchstaben über der Stadt – soviel Herz hat man selten gehört“. Auch wenn der Satz in der „Bild“ steht, stimmt er halt.

Auf der Bühne hast du dich über Limp Bizkit lustig gemacht. Welche drei Bands stehen bei dir auf der Abschussliste?
Uhlmann: Die Guns’n’Roses Reunion! Ich denke das war wirklich eine Kalter-Krieg-Band. Es war kalter Krieg und wir können morgen alle tot sein – Frauen, Drogen und Rock´n´Roll in San Francisco. Ich habe damals in Stade gewohnt und mich gefragt: „Welche Drogen? Ich kenne nur Bier!“. Die Zeit mancher Leute ist vorbei und das ist bei denen auch gut so. Es gibt derzeit mehr Bands die so sind wie sie sind. Auch untragbar sind eben Limp Bizkit. Wie erbärmlich ist es, über den eigenen Wohlstand zu singen. Ich wäre auch gerne Millionär, dann müsste ich mir keine Sorgen machen. Aber darüber zu singen ist echt das Letzte.


KORN sind mir da auch aufgefallen, die bei MTV The Cribs ihr millionenschweres Reich präsentieren.
Uhlmann: Das ist halt Amerika. Die haben da eine andere Kultur. Ich denke dass es doch interessanter für die Fans ist, wenn ich meine kleine Bude auf der Reeperbahn 127 zeigen würde. Ich habe einen Raum und eine kleine Küche. Was nun mal wirklich interessant wäre! Da kann man dann sehen, dass der doch ganz normal wohnt.

Würdest du deine Wohnung für The Cribs hergeben?
Uhlmann: Mir ist alles egal! Mein Grundproblem ist, dass mir alles scheiß egal ist. Außer meiner Beziehung.

Besser, als sich über jede Kleinigkeit Gedanken zu machen.
Uhlmann:
Worüber soll man sich auch Gedanken machen? Bin ich jetzt berühmt oder bin ich nicht berühmt? Stell ich mich nicht auf, sondern vor die Bühne, schauen die Leute kurz: „Ist es Uhlmann? Ja, es ist Uhlmann.“ Das war´s. Ich glaube, man ist immer nur so berühmt, wie man sein möchte. Es ist nicht mein Interesse, berühmt zu sein. Ich bin schon immer Musikliebhaber, ich schaue mir Bands an, ich mache selbst schon immer gerne Musik. Nun plötzlich schauen die Menschen einen an, sagen „aha“ und dann war es das.

Ich glaube, Leute, die als Stars gelten, haben auch großes Interesse daran, Stars zu sein. Aber ich habe kein Interesse daran, Star zu sein. Ich will lieber Kunst machen, immer nur meine Musik spielen. Jetzt werde ich schon wieder aggressiv…. (lacht)


Na wenn das Aggressivität ist, dann ist es eine angenehme. Was wäre denn nun Band Nummer drei? Jan Delay vielleicht? Man munkelt, ihr hättet eine kleine Fehde miteinander.
Uhlmann: Sagt wer?

Sagen wir.
Uhlmann: Warum, was hat er gesagt?

Er hat sich bei einer öffentlichen Rundfunkanstalt über eure Band ausgelassen. Zum Thema Tomte äußerte er sich mit Schimpfwörtern und lachte dann. Was sagst du nun zu Jan Delay?
Uhlmann: Er macht das schon super was er macht. Vielleicht hat er ein Problem damit, dass wir Leute erreichen und er halt Partysoundtrack ist. Aber er will es ja auch sein! Er hat ja gesagt „Reggae ist tot, Funk ist in“. Was auch immer das für ein Statement ist, wenn man sieht, wie Gentleman deutsche Bühnen begeistert.

Jan Delay ist schon wirklich sehr niedlich! Von wegen erst so „Rote Armee Fraktion“ und dann „wir müssen alle tanzen“. Das ist wirklich ein harter Schritt. Aber ich kenne sein ganzes Management und das ist schon alles cool was der macht.

Vielleicht lag es auch nur daran, dass er in einer HipHop-Sendung zu Gast war und das zu seiner Show gehört hat.
Uhlmann: Also quasi: Das was man sagt wird danach bewertet wo man es sagt.
Das bockt mich so an. Ich meine, wie alt ist Jan Delay?

Ende zwanzig?
Uhlmann: Ende zwanzig, Anfang dreißig? Die Leute Ende zwanzig, Anfang dreißig, die irgendwie ein Problem damit haben, was sie sind – ich weiß nicht, ob es an Ungebumbstheit liegt – und die einfach nicht wissen, wo sie stehen. Die bringt denen Spaß, dann Tomte zu nehmen, weil es ihnen etwas gibt, auf Tomte rumzuhacken.
Ich glaube bei Tomte sind alle sehr zufrieden damit, was sie tun. Die Band hat wirklich Spaß und ich denke, dass auch alle in dem angekommen sind, was sie machen.

Mein Vater meinte immer, man tritt nur nach oben. So gesehen wäre es ja ein großes Kompliment für Tomte.
Uhlmann:
Klatsch ab! (lacht) Also auf meiner Nummer eins-Playlist: Jan Delay mit Mercedes Dance, Platz zwei Jan Delay mit „Ich will nicht, dass ihr meine Lieder singt. RAF ist eine geile Sache, zumindest ein bisschen so, Hauptsache ich komm mit Pudel gut an“, Platz drei Ton Steine Scherben. Die Welt verändert sich.

Das ist lustig. Ich habe noch nie eine Band gedisst, ausser eben wirklich Limp Bizkit, wo ich sagen kann, dass ich nun mal absolut keine nackten Frauen auf der Bühne sehen will. Es interessiert mich nicht, es langweilt mich. Ich habe eine Freundin. Sie provozieren mich noch nicht mal mehr! Wenn ich nackte Frauen sehen will, dann kaufe ich mir eine DVD oder mache eine Zeitung auf. Das ist ein veraltetes Konstrukt. Aber es ist immer gut, wenn man die Choice of Runterhammering ist. Solange ich das beste Leben habe…

Die Texte zu deinen vorherigen Alben handelten meist davon, was du noch erreichen willst, wovon du noch träumst. Heute sagst du, hat sich das alles erfüllt. Aber welche Texte würden sich auf der nächsten Platte von Tomte finden? Wo würdest du denn gerne in fünf Jahren stehen?
Uhlmann: Es war mir immer schon egal, wo ich stehe. Es gab Dinge, die ich mir erträumt habe und es ist klar: Die habe ich erreicht.

Gibt es denn nichts mehr, was du noch erreichen willst?
Uhlmann: Doch natürlich, es gibt immer irgendwas! Zum Beispiel dass man den Commercense verändert. Das man endlich mal raus sagen kann „eure Lieblingsbands, die stehen für nichts, die machen nichts, die sind noch nicht einmal für irgendetwas da.“ Sucht euch Bands aus, die für etwas stehen! So wie die Arctic Monkeys. Was ist in Deutschland die beste Band auf der ganzen Welt? Tokio Hotel. Da ist alles klar. Die singen über die Selbstverwirklichung 12-jähriger Mädchen. Aber gibt es auch eine Band die dafür steht, dass du siebzehn bist, nicht weißt wo du hin musst, und wir sind deine Band? So etwas gibt es nicht. Ich möchte diese Band gar nicht sein! Aber es wäre schön, wenn es so eine Band gäbe, die dafür steht.

Mein nächstes Ziel ist Knebworth in Deutschland. 120.000 Leute schauen sich Oasis an. Das ist mein Ziel, aber wenn ich das nicht schaffe, interessiert mich das auch nicht sonderlich. Denn ich habe die Kunst, die ich gemacht habe, immer mit einer Vehemenz gemacht, der es egal ist, wie viele Leute zuschauen. Ob ich in Wien im EKH gespielt habe vor zwanzig Menschen, die nur da waren wegen Crust Bands oder ob ich im ausverkauften Flex spiele, war mir total egal. Ich freue mich, wenn mehr Leute da sind, aber es schöner zu spüren, wie beherzt es ist.

...Aber Jan Delay, wie traurig kann man sein? Mit seinem Vater bin ich dicke. Der ist Redakteur beim MDR. Interessant wäre: „Was ist besser? Die Texte seines Vaters oder seine Musik?“

Wenigstens bewahren Tomte ihren Stolz bei solch einer Sache und stehen darüber.
Uhlmann: Ja es wäre schlimm, wenn nicht. Immer diese Disserei… (lacht)

Apropos dissen: Beim Southside Festival in Neuhausen ob Eck hat es euren Auftritt auseinander geweht wegen des aufkommenden Sturms. Da sagtest du auf der Bühne, es sei der Zorn der Plattenindustrie. Heute steht ihr kaum auf der Bühne, da verdunkelt sich der Himmel.
Uhlmann: Aber beim Open Flair Festival haben wir beispielsweise gespielt, als es in Strömen geregnet hat und im Laufe unseres Konzerts kam die Sonne wieder raus. Da sollte man kein Mantra daraus machen.

Also würdest du nicht behaupten, dass euch der Zorn überall hin verfolgt?
Uhlmann: Ich glaube, wir haben den Zorn der Plattenindustrie schon auf uns gezogen.

Warum?
Uhlmann: Weil wir das Paradebeispiel dafür von, dass man es auch selber machen kann, wenn man abgelehnt wird. Josh Homme von Queens Of The Stone Age hat ja gesagt, Majorlabels sind wichtig, weil sie die Platten unserer Musik machen. Das stimmt natürlich, aber wir haben bewiesen, dass es auch anders geht. Majorlabels sind schon eine gute Sache. (lacht) Ich kenne Leute, die arbeiten da, das sind alles meine Macker.

Bei Thees Uhlmann von Tomte bedanken sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock und Dominik Hoferer

(2006)




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