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The Bishops: "Wir sind keine Retro-Band!"
Friday, 01 May 2009 21:21

The Bishops wollen keine Retro-Band seinThe Bishops können demnächst ihr fünfhundertstes Konzert feiern. Lampenfieber kennen die Jungs da natürlich nicht mehr. Also haben uns Pete, Mike und Chris kurz vor ihrem Auftritt im Augsburger Weißen Lamm noch ganz entspannt ein paar Fragen beantwortet.


Euer aktuelles Album heißt For Now. Wie ist es zu diesem Titel gekommen?

Pete: Wir hatten natürlich mehrere Titel im Gespräch, aber For Now erschien uns schließlich am passendsten. Viele der Songs auf dem Album haben wir 2007/2008 geschrieben, als wir auf Tour waren. Diese Lieder beschreiben das Leben unterwegs, auf Tour, in bestimmten Momenten.

Mike:
Bei unserem ersten Album hatten wir natürlich jede Menge Songs, die wir noch nie aufgenommen hatten, und die besten davon haben es eben auf das Album geschafft. Diesmal haben wir wie gesagt viele Songs über besondere Momente auf Tour geschrieben. Als wir uns dann für einen Albumtitel entscheiden mussten, erschien uns For Now am passendsten.

Pete: Außerdem ist der Titel ein bisschen Anti-Retro. Wir haben natürlich starke Einflüsse aus den 50ern und 60ern, aber wir wollten mit dem Titel For Now auch klar machen, dass wir durchaus eine moderne Band sind, die im Jetzt lebt.

Das bringt uns gleich zur nächsten Frage: Während ihr euer Debüt mit Original-Equipment aus den 60ern eingespielt habt, wurde For Now mit moderner Technik aufgenommen. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Pete: Das war Mikes Vorschlag. Wir wollten einfach, dass For Now anders klingt als unser erstes Album. Wir haben zwar einige Original-Gitarren aus den Sixties verwendet, aber das Album wurde digital aufgenommen. Man hört den Unterschied, und manchen Leuten wird eben unser erstes Album besser gefallen, und anderen unser zweites. Vielleicht nehmen wir unser drittes Album wieder mit Vintage-Equipment auf. Oder auch wieder digital. Das lässt sich noch nicht sagen. Wir wollten auch einfach deutlich machen, dass wir keine hundertprozentige Retro-Band sind. Wir können durchaus auch anders!

Ihr habt gerade erzählt, dass ihr viele Songs auf Tour geschrieben habt. Wie findet ihr unterwegs die Zeit dafür?

Mike: Im Jahr 2007 waren wir fast ständig unterwegs und hatten kaum freie Tage. Da haben wir angefangen, auch auf Tour Songs zu schreiben. Wenn wir dann mal nachmittags ein bisschen Zeit hatten, haben wir unsere die Akustikgitarren rausgeholt und ein bisschen gejammt. Das funktionierte wirklich gut. Wir wollten einfach den Moment in einem Song festhalten.

Eure Songs enden eigentlich alle nach maximal drei Minuten. Ist das eine magische Grenze für euch?

Pete: Wir haben einfach festgestellt, dass drei Minuten für uns die optimale Songlänge ist. Das ist ein bisschen wie bei der Malerei: Manche bevorzugen eine große Leinwand, andere eher kleine Gemälde. In zweieinhalb bis drei Minuten kann alles gesagt werden. Wir sind schließlich keine Prog-Band und haben keine Ambitionen, uns an psychedelischen Songs zu versuchen. Noch nicht! (lacht)

Ihr seid wirklich wahnsinnig viel auf Tour gewesen in den letzten Jahren und habt in sehr vielen verschiedenen Ländern gespielt. Könnt ihr da beim Publikum Unterschiede bemerken? Reagieren Leute in Japan anders als in England oder Deutschland?

Mike: In Japan schreien die Leute mehr. Außerdem warten sie vor den Shows oft stundenlang auf uns und geben uns Geschenke. In Deutschland wird eher geklatscht als geschrieen. Aber es gibt auch Unterschiede zwischen einzelnen Städten. In München gehen die Leute zum Beispiel immer total ab, das ist fantastisch! Bei jedem Konzert waren da bisher ein paar Leute, die völlig durchgedreht sind. In Österreich ist das Publikum auch sehr enthusiastisch. Wir haben in Innsbruck das erste Konzert unserer Karriere außerhalb Großbritanniens gespielt, und die Leute da waren immer wunderbar.

Nächste Woche geht es für euch mal wieder kurz in die englische Heimat zurück. Gibt es etwas, das ihr besonders vermisst, oder worauf ihr euch besonders freut?

Pete: So ganz einfach Dinge, wie mein eigenes Bett oder englischer Tee. Mal wieder ein paar Tage am selben Ort verbringen und ein bisschen Normalität erleben. Mal wieder die Nachrichten verfolgen. Wir kriegen unterwegs ja nicht so richtig viel mit. Ein paar Freunde treffen und einfach nichts tun.

Geht ihr eigentlich selbst noch gern auf Konzerte anderer Bands, oder wollt ihr ab und zu einfach mal nichts mit Musik zu tun haben?

Mike: Ja, man könnte meinen, dass wir beruflich so viel mit Musik zu tun haben, dass wir in unserer Freizeit einfach unsere Ruhe haben wollen. Aber ich war zum Beispiel erst kürzlich bei einem Konzert der Fleet Foxes und fand es richtig gut. Ich finde es eigentlich ganz schön, auch mal mit einem Bier in der Hand zuzuschauen, wenn andere auf der Bühne stehen!

Was war denn bisher der beeindruckendste Moment für euch auf dieser Tour?

Pete (lacht): Wenn ich in Krems geblieben wäre, hätte das sicher denkwürdige Folgen gehabt...

Das klingt nach einer interessanten Geschichte, erzähl mehr!


Pete: Nein, dazu sage ich jetzt besser nichts mehr. Nur soviel: Krems steht immer noch! Aber es ist im Moment auch schwer, diese Frage zu beantworten. Das können wir wohl erst wirklich sagen, wenn die Tour vorbei ist und wir mit etwas Abstand zurückblicken.

Chris: Das Konzert in Innsbruck war toll. Diese Stadt ist inzwischen wirklich eine zweite Heimat für uns geworden, und die Stimmung beim Konzert war super. Das war sicher eines der Hightlights auf dieser Tour.

Pete: Ja, da haben wir jetzt schon zum vierten oder fünften Mal in demselben Club gespielt. Es ist echt fantastisch, dass die Leute uns da immer noch sehen wollen!

Ihr werdet in ein paar Minuten hier oben auf der Bühne stehen. Habt ihr da irgendwelche Rituale, bevor ihr auf die Bühne geht?

Pete: Nein, eigentlich nicht. Manchmal binde ich meine Schuhe mit zwei unterschiedlichen Knoten. Das ist dann mein Zeichen, dass ich fertig bin.


Mike: Ich sage jedes Mal "Have a good show" zu den anderen. Das ist wohl mein Ritual.


Chris: Ich bin nicht abergläubisch. Wir gehen essen, machen unseren Soundcheck, und Punkt sieben Uhr trinke ich ein Bier!

Bei Pete Bishop, Mike Bishop und Chris McConville von The Bishops bedankt sich für das Interview: Bettina Koch



(2009)




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