Home icon Home»Laut»Interviews»The Upallnights: "Wir hätten die Nacht nicht überlebt"
The Upallnights: "Wir hätten die Nacht nicht überlebt"
Friday, 05 June 2009 14:11

Hören, jubeln, infiziert sein: Die grandiosen Upallnights im InterviewSie kommen aus Schweden, leben für ihre Gitarren und sie führen Tourtagebuch im LAXMag, passend zu ihrer "Schweinegrippe-Tour" durch Deutschland: The Upallnights. Doch Achtung, diese Band ist anders! Wie anders, das hat uns eure neue Lieblingsband im Interview verraten.


Schweden ist hierzulande recht beliebt wegen all der Indie-Rock-Perlen, die von dort kommen. Das würde es jetzt natürlich einfach machen, euch in eine Schublade zu stecken – wollen wir aber nicht. Was würdet ihr sagen, wie unterscheidet ihr euch von anderen schwedischen Bands?

The Upallnights: Wir unterscheiden uns insofern von anderen schwedischen Bands, dass wir uns selbst nicht allzu ernst nehmen. Wir springen zwischen verschiedenen Genres hin und her, als wären wir Kneipen in Berlin. Geschäftliche Sachen lassen wir unserem Spaß nicht in den Weg kommen. Wir haben keinen festen Standpunkt. Wir zeigen unseren Zuhörern, dass wir Spaß haben. Wir liefern unseren Zuhörern eine gute Zeit. Wir haben keine Angst davor, uns auf der Bühne mal ein Bein zu brechen. Ein bisschen wie Bob Hund früher, nur, heute sind es eben die Upallnights.

Ihr legt sehr großen Wert auf eure Musik, nicht unbedingt auf euch als Band.

The Upallnights: Was du sagst ist vollkommen wahr und wir begrüßen es sehr, dass du das auch so siehst.

Woher nehmt ihr denn eure musische Inspiration?

The Upallnights: Wir ziehen uns unsere Inspiration von einer ganzen Menge verschiedener Künstler aus den verschiedensten Wirkungsbereichen, und natürlich aus dem Leben selbst. Musikalisch hören wir ziemlich weitreichend alles Mögliche, von Håkan Hellström über Passion Pit bis hin zu Guns´n´Roses.
Außerdem haben, in keiner bestimmten Reihenfolge, folgende Bands alle Einfluss auf uns: Sonic Youth, Half Japanese, Kent, The Libertines, Kings of Leon, Bob Hund, Friska Viljor, Bright Eyes, Bad Cash Quartet, Broder Daniel, The Plan, Pavement, Xiu Xiu, Wolf Parade, Paul Simon, Bruno K Öijer, Babyshambles, The Strokes, The Haunted, Times New Viking, No Age, Wavves, Ride, Velvet Underground, Yeasayer, The Pains Of Being Pure At Heart, Rilo Kiley, Nico, Brakes, Shout Out Louds, Dinosaur Jr, Nirvana, Nico, The Beatles, The Clash, Clap Your Hands Say Yeah, Cap'n Jazz, Born Ruffians, Bruce Springsteen, Pascal,  Arctic Monkeys und The Maccabees.

Wann ist ein Song für euch ein wirklich verdammt guter Song?

The Upallnights: Ein Song ist dann ein wirklich verdammt guter Song, wenn er in dir das Gefühl zurücklässt, dass es kein Morgen gibt. Und, wenn nichts in diesem Moment wichtiger als wirklich nur dieser eine spezielle Song. Er sollte tanzbar sein, nicht unbedingt euphorisch, aber tanzbar. Textlich gesehen ist es sehr wichtig, dass der Sänger die Worte auf eine wahrhafte Weise rüberbringt. "Schlechte" Lyrics können auch manchmal gute Lyrics sein – es ist nur eine Frage des Rüberbringens.

Wie schafft ihr es, so einen Song zu schreiben?

The Upallnights: Es ist unmöglich, einen Hit zu schreiben. Du kannst dich niemals hinsetzen mit dem Vorhaben, jetzt was total Wundervolles zu schreiben. Wenn du das tust, endet das Ganze in einer Menge Scheiße. Echte Hits werden in dein Gehirn geschickt von einer winzig kleinen engelhaften Kreatur, die die ganze Zeit in der Luft um dich herum fliegt. Alles, was du tun musst, ist, diese kleinen Kreaturen zu sehen und mit ihnen zu sprechen und sie belohnen dich dafür großzügig mit exzellenten Ideen, die sich in wirklich verdammt gute Songs verwandeln können, wenn du mit deinen Bandkollegen daran arbeitest.

Stellt euch vor: Die Upallnights 2015. An welchem Punkt eurer Karriere steht ihr dann?

The Upallnights: Darüber können wir nicht spekulieren. Wie der schwediche Poet Nils Ferlin einmal sagte: "Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sind nur geliehene Zeit von der Ewigkeit."

Welcher war der für euch bisher bewegendste Moment eurer Karriere?

The Upallnights: Auf unserer Deutschland-Tour im Januar 2009 was das Wetter absolut beschissen. Es hat unglaublich viel geschneit und die Temperatur lag gefühlt bei zwanzig Grad minus. Bei unserer Show in Greifswald hatte jemand aus dem Publikum gehört, dass wir als nächstes in Leipzig spielen werden und er sagte uns, dass es in Leipzig so kalt wäre, dass sich dort jemand zu Tode gefroren hat. Als wir dann in Leipzig angekommen sind, war es dort tatsächlich ziemlich kalt. Die Location, in der wir spielen sollten, was ein altes Fabrikgebäude, das sie in ein Kulturhaus umgewandelt hatten. Das Ding war, dort war im wahrsten Sinne des Wortes keine Dämmung in den Wänden, weswegen die Temperaturen innen drin aber ungelogen identisch waren mit den Temperaturen draußen. Es war verdammt kalt. Als wir den Promoter getroffen haben, haben wir ihn gefragt, ob er uns vielleicht den Platz zeigen könnte, an dem wir die Nacht verbringen sollten, um uns dort ein wenig aufzuwärmen. Da schaut uns der Promoter schräg von der Seite an und meint "Naja, ähm, ihr schlagt hier, oder nicht?"
Da waren wir davon überzeugt, dass wir auf die gleiche Weise zugrunde gehen, wie der vorhin erwähnte unglückliche Einwohner von Leipzig. Unsere Stimmung ist auf die gleiche Gradzahl gesunken wie das Thermometer und du konntest die Atmosphäre echt mit einem Messer schneiden. Wir haben uns wirklich überlegt, ob wir uns zu Tode frieren würden und haben uns dann daran erinnert, dass wir aus Schweden kommen. Wir sind praktischerweise Eisbären. Aber, glücklicher Weise, kam eine verwandte Seele auf uns zu und meinte, ob wir bei ihr übernachten möchten. Das haben wir dankend angenommen und so dann auch die Nacht überlebt. Sie hat uns sogar Tee gemacht. Achja, und der Auftritt war wirklich fantastisch!

Bei Kristoffer, Anders, Erik und Taivas von The Upallnights bedankt sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock

(2009)


Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare