| The Arrival im Portrait |
| Monday, 01 October 2007 20:24 | |||
Die musikalische Topografie der Provinz um München war bisher klar strukturiert: Südlich der Landeshauptstadt erhebt sich das tiefst-oberbayerische Weilheim mit Electro-Pop-Blüten wie The Notwist und Soundmachern wie Mario Thaler. An den Westrändern des MVV-Netzes lärmt Pop-City Augsburg mit nationalen Hit-Machern wie Anajo und Roman Fischer. Allein im Nordosten hüllten sich die Oberpfalz und Niederbayern bisher in nebliges Schweigen. The Arrival aus Taufkirchen, einem 9000-Seelen-Ort 50 Kilometer östlich von München, haben Chancen dies zu ändern.
Zum Reinhören: Shout out now Los ging’s als The Cyphers, ein Bandname, wie sich ihn nur 14-jährige Jungs geben können. So alt waren die Bandmitglieder, als sie am Lagerfeuer beschlossen, eine Band zu gründen. Von der aktuellen The-Arrival-Besetzung waren damals bereits Muetzi Meckes (Bass), Timo Kuroschinski (Gesang, Gitarre) und Mario Clement (Gesang, Gitarre) an Bord. Nach Stil- und Besetzungswechsel ging’s als moke ins Vorprogramm von Silbermond. In Eigenregie wurde ein Album aufgenommen, von dem es ein Song auf den jetzt.de-Ostersampler schaffte. Nach Ausstieg des damaligen Leadgitarristen schärfte die Band ein Jahr lang mit den neuen Mitgliedern Piet Gerhardinger (Schlagzeug) und schließlich Domi Thalmeier (Keys) im Proberaum ihr Profil. The Arrival stand. Auch die Richtung war klar: „Die Schublade, auf der in großen Lettern Brit-Pop steht, die ist definitiv verdammt cool“, finden die Musiker und orientieren sich daher an Bands wie Oasis, Travis und Coldplay ebenso wie an Newcomern wie The Editors und Snow Patrol. Im August nahmen die Jungs in Prag ihre erste EP auf. Die Songs von The Arrival reichen jedoch mit ihren Einflüssen aus amerikanischen Alternative-Rock der 90er Jahre und klassichem 60s-Pop in Kombination mit abwechslungsreichen Synthie-Tupfern in ihren Stilelementen über den dogmatischen Britpop weit hinaus. Diese Jungs haben keine Angst vor der großen Melodie, dem großen Song, prallgefüllt mit fein verwebten Gesangsharmonien und glasklaren Gitarren-Akkorden wie im großen Euphorie-Pop von Shout Out Now. Behutsam geben die Musiker den Melodiebögen Zeit, sich aufzuschaukeln wie im treibenden Cotard Syndrome. Clements Gesang erinnert dabei in seinem emotionalen Beben etwas an Brandon Flowers von The Killers, teilweise auch stark an John Mayer. Zum Glück droht diese Vorliebe für komplexe Arrangements und gefühlsgeladene Pop-Hymnen nie in die leere Bombast-Pose abzurutschen. Schließlich sind The Arrival eine dieser symphatischen Bands, die sich selbst gerne als „Kappelle“ bezeichnet, das zufällig mitgeschnittene Jungs-unter-Jungs-Gelächter am Ende eines Studio-Takes gern auf dem Band lässt und bei denen großes Gefühl und Anspruch in der Musik kein Widerspruch zur Selbstironie darstellen. Diese Jungs haben das Potential im englischsprachigen deutschen Indie-Pop einen Status zu erreichen, wie ihn Slut oder Miles einst innehatten. Christian Schober
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