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Handsome Furs im Portrait
Friday, 12 October 2007 13:40
Handsome FursHandsome Furs, das ist Wolf Parade ohne diesen Kerl, den jeder mag, und ohne herkömmliche Instrumente“, sagt Sänger und Gitarrist Dan Boeckner. Das kann man durchaus so stehen lassen. Aber jetzt erst mal der Reihe nach. Alex vom LAXMag klärt auf.

 

Zum Reinhören: Cannot get, started

 

Wolf Parade waren vor knapp zwei Jahren der heißeste Scheiß, der aus der damals heißesten Indie-Stadt der Welt kam: Montreal. Arcade Fire hatten 2005 nicht nur David Bowie, Eric Clapton und Chris Martin begeistert, sondern auch über eine Million Abnehmer für ihren Erstling Funeral gefunden, und sie hatten die Aufmerksamkeit der Indie-Welt auf die 3,7- Millionen-Metropole im französischsprachigen Teil Kanadas gelenkt.

Die Plattenfirmen schickten ihre A&Rs und die Zeitschriften ihre findigsten Spürhunde. Binnen kürzester Zeit fand sich Montreal auf der Frontseite des Musikmagazins Spin wieder und wurde von der New York Times als "hot spot" bezeichnet. The next big thing – es schien aus Kanada zu kommen. Neben Eishockey-Profis und Ahornsirup wurde plötzlich auch Kanadische Popmusik exportfähig. Die Hidden Cameras, die New Pornographers, We are Wolves und Wolf Parade, sie alle veröffentlichten ihre Platten bei amerikanischen und britischen Labels, und sie alle hatten Erfolg, zumindest für eine Weile.

Nun, 2007, ist der große Montreal-Boom eigentlich schon wieder vorbei. Laut dem britischen NME kommt die Zukunft des Indierock aus Brighton, der ein oder andere glaubt immer noch an Berlin, und auch der Name des amerikanischen Städtchens Portland taucht in letzter Zeit auffällig oft auf, wenn es um hippe, neue Bands geht.

Um Montreal ist es wieder ruhiger geworden, zumindest was die Berichterstattung angeht. Die Musikszene allerdings funktioniert, kooperiert und experimentiert weiter, als ob nichts gewesen wäre. Junge und etablierte Bands definieren sich immer wieder neu, probieren neue Sounds aus und wechseln ihr Personal, wie Real Madrid seine Trainer. Was dabei herauskommt, mag nicht immer jedermanns Sache sein, aber es bleibt unterhaltsam, unberechenbar und frisch.

Wolf Parade sind eine dieser Montrealer Bands, die eine Art Keimzelle darstellen, aus der sich ein Geflecht neuer Bands und Projekte entwickelt hat. „Der Kerl, den jeder mag“, das ist Spencer Krug, seines Zeichens eine Hälfte von Wolf Parade, Mastermind hinter Sunset Rubdown, sowie Bandmitglied bei Frog Eyes und Swan Lake.

Die andere Hälfte von Wolf Parade ist Dan Broeckner, und um ihn und seine neue Band Handsome Furs, die er gemeinsam mit seiner Frau Alexei Perry gegründet hat, soll es hier eigentlich gehen.

„Das Projekt hat sich beiläufig ergeben. Zu Beginn war es nur Spaß, aber dann bekamen wir das Angebot, durch Skandinavien zu touren“, sagt Dan Broeckner, „wir dachten 'Oh Mann, wir müssen einige Songs schreiben.' Also schrieben wir einige Songs und studierten einige Cover-Versionen ein.“ Das erste Album des Duos, Plague Park, wurde erst nach der Tour, im Dezember 2006 aufgenommen und erschien im Mai diesen Jahres in Europa.

Dan Broeckner hat Recht: Es gibt durchaus Ähnlichkeiten zu Wolf Parade. Songwriting und Stimmung erinnern zuweilen an seine Stammband. Aber während Wolf Parade, die ein wenig wie der hyperaktive und pathosfreie Bruder von Arcade Fire klingen, auf „echte“ Instrumente setzen, benutzen Broeckner und Perry lediglich einen Drumcomputer, eine Gitarre und einen Sythesizer.

„Dunkel, minimal, lärmig und aufrichtig“ klingt das Ergebnis laut ihrem Label Sub Pop. All das stimmt, aber es ist noch nicht alles. Denn das Element, das den Sound der Band mit all den repetitiven Gitarrenläufen und spärlichen Arrangements zusammenhält, ist die Stimme von Dan Broeckner. Kraftvoll, aber auch voller Angst und Unsicherheit klingt sein Gesang und erinnert bisweilen an Beck auf seinem grandiosen Album Mutations. Alex Neumann




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