| Frank Spilker im Portrait |
| Sunday, 21 October 2007 12:46 | |||
Sicher, man kennt ihn ihn als Sänger der Sterne. Auch bekannt ist, dass er als Gastkünstler unter anderem mit Fehlfarben und Von Spar kollaboriert hat. Doch er selbst, Frank Spilker als eigenständige Person und Liedschreiber, losgelöst von irgendwelchen Projekten, ist bisher eher ein Phantom. Unser Redakteur Florian wagt sich trotzdem an ein Portrait.
Möchte man sich im Internet über ihn informieren, stößt man schnell auf eine Fanseite, die eine recht spärliche Kurzbiographie anbietet: 1966 geboren, 2004 dann das Sterne-Album Das Weltall ist zu weit. Das ist doch ein bißchen wenig. Nach vielen Jahren Die Sterne ist Frank Spilker nun mit einem Seitenprojekt zu sehen, das den ebenso trivialen wie verwirrenden Namen Frank Spilker Gruppe trägt. Verwirrend deswegen, weil er bei den bisherigen Auftritten immer solo auf der Bühne stand. Mitte November geht er auf eine kleine Deutschland-Tournee, ein Album soll Anfang 2008 folgen. Es befindet sich alles noch etwas im Aufbau. Also ist auch Zeit genug übrig, um noch zu einer Band zu werden. Man wird sehen. Musikalisch entstammt Frank Spilker einem Kollektiv in der ostwestfälischen Provinz. In Bad Salzuflen entstand Mitte der achtziger Jahre das Pop-Label Fast Weltweit. Das Kurstädtchen wurde so zum Ausgangspunkt einer deutschsprachigen Musikbewegung mit inhaltlichem Anspruch. Mit dabei waren Bernadette Hengst, Jochen Distelmeyer, Bernd Begemann und eben: Frank Spilker, schon damals mit seiner Band Die Sterne. Das abgelegene Bad Salzuflen wurde schnell zu klein, viele der Künstler zogen nach Hamburg und gelten heute als erste Vertreter der Hamburger Schule. Auch Die Sterne bestehen in der Hansestadt in neuer Konstellation weiter. Deren Musik wird gemeinhin als politisch bezeichnet. Doch in den Sterne-Texten von Frank Spilker tanzen Politisches und Privates oft Ringelrei. Das eine versteckt sich oft hinter dem anderen und umgekehrt. Wer will, kann Frank Spilker auf Solotour auch weiterhin als politischen Musiker verstehen, dessen Texte sich vom Zeitgeist leiten lassen. In Ficken ohne Kondom singt er von dem gerechten Lohn nach langer harter Arbeit. Ein Morgen ohne Wecken, das perfekte Verbrechen planen, in einer riesengroßen wunderschönen Wohnung wohnen und eben: Ficken ohne Kondom. Natürlich lässt sich darin das amüsant verpackte Liebesdilemma unserer Zeit sehen. Natürlich ist darin die Unmöglichkeit von bedenkenlosem Sex in Zeiten lebensbedrohlicher Virusinfektionen enthalten. Natürlich kann man das auch alles ausklammern. Was dann übrig bleibt sind süffisante Textzeilen wie diese: "Der Mond und ich, wir sind beide gleich. Ab und zu Besuch, aber keiner bleibt". Was den Frank Spilker von den Sternen von der Frank Spilker Gruppe unterscheidet ist möglicherweise nicht viel mehr als eine Nuance. Der Mensch hinter den Texten bleibt der gleiche. Seine Worte bekommen eine persönlichere Note und einen unbekümmerten Anstrich, der oft zum Schmunzeln reizt. Mal abwarten, was sich in der Gedankenwelt des Phantoms noch so tut. (Florian Zick)
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