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The Drums im Portrait
Thursday, 10 June 2010 23:24

The Drums: New Yorker aus FloridaWas im vergangenen Jahr The Pains Of Being Pure At Heart waren, sind 2010 The Drums: Die junge Hypeband aus New York, die auf dem besten Weg ist, alle Newcomer-des-Jahres-Titel quer durch die Musikpresse abzufassen. Wie sie das machen? Mit Surfmusik aus Big Apple. Das passt nicht zusammen? Oh, doch!

Doch nicht nur der Fakt allein, dass The Drums klingen, als kommen sie gerade vom Strandlagerfeuer mit den Beach Boys, sie sehen auch so aus und benehmen sich auch so. Von der Haarfrisur bis zum Styling, von Sänger Jonathan Pierces Attitude bis zu Jacob Grahams Art die Gitarre zu halten, schreit alles: Hoch leben die 50er! Die im Februar veröffentlichte Single Let's go surfing trug ihr Übriges bei. Der frische Sound mit den kantigen Gitarren, den eckigen Riffs, der gepfiffenen Hookline und dem unverzerrten Gesang könnte im Lexikon unter Surfrock als Beispiel stehen. Ein Song, der schon in den Wintermonaten am Anfang des Jahres Lust auf Hitzefrei bei 30 Grad machte:

"Wake up / It's a beautiful morning /Honey, while the sun is still shining / Wake up / Would you like to go with me? / Honey, take a run down to the beach / Oh mama, I wanna go surfing / Oh mama, I don't care about nothing"

Ganz ohne Surfhintergrund kommen The Drums dann jedoch nicht daher: denn die vier sind New Yorker aus Florida. Ihre Backgroundstory beginnt im kirchlichen Ferienlager. Dort hören der Pastorensohn Jonathan Pierce und sein bester Freund Jacob Graham zusammen The Smiths, lassen sich mitreißen von dem sentimentalen, schönen Indiepop und ins Land der Pop-Träume entführen. Als Duo Goat Explosion schreiben sie Synthie-Pop-Stücke und touren damit von Küste zu Küste. Doch 2003 trennt sich die Band, der Traum von der Musikerkarriere bleibt. Für den einen scheint der Traum in Erfüllung zu gehen: Denn während Jacob Graham versucht mit dem Indie-Pop-Duo Horse Shoes im Stile von The Smiths die großen Liebeslieder zu schreiben, die naturgemäß eigentlich schon Morrissey im Abo hat, startet Jonathan Pierce mit Adam Kessler, dem späteren Gitarristen von The Drums, als Elkland durch. Ein Deal mit Columbia über mehrere Alben und Jahre scheint der lang ersehnte Zieleinlauf zu sein. 2005 erscheint das durchaus beachtete Album „Golden". Doch der schöne Schein hinterlässt auch Spuren: "Every comedy nightmare story you hear happening to young bands happened to us," sagt Jon rückblickend. "It left me feeling so empty and abused." 2005 ist Elkland Geschichte und Jonathan kehrt dem Musikbusiness enttäuscht den Rücken und schwört der schillernden Popwelt ab. Drei Jahre später schreibt Jonathan seinem in Florida lebenden Freund aus Kindertagen, Jacob, mal wieder an, es entwickelt sich ein reger Mailverkehr, der immer mehr zum kreativen Austausch wird und in einem Blog kulminiert. Gemeinsam wagen sie schließlich auch den musikalischen Neustart. Sie holen Adam Kessler mit ins Boot, ziehen nach New York, Drummer Connor Hanwick macht aus Dreien vier – und The Drums sind geboren. Mit 15 Songs im Gepäck tingeln sie durch die Clubs der Lower Eastside und sind bald keine Unbekannte mehr.


Schon ein Jahr später haben sie mit ihrer Summertime EP die Herzen der Musikbranche erobert, werden Ende 2009 in der BBC-Prophezeihung „Sound of 2010" erwähnt, die berühmte Liste, die die aussichtsreichesten Bands des kommenden Jahres voraussagt, und werden von einem ihrer großen Idole – Morrissey – durch dessen Anwesenheit bei einem Londoner Konzert geadelt. Und außerdem passt es auch noch mit der Musik, denn diese bringt frischen Wind in die Indiebude.

The Drums Der erste Longplayer heißt wie sie selbst: The Drums. In elf Songs packen sie den Schwung und die Gitarrenriffs aus dem Surfrock der 50er und die Leichtigkeit des Sommers der 60er, das Bühnendrama eines Ian Curtis der 80er und die Kompatibilität mit den Indiepopanspruch der Gegenwart. Ihren Sommersongs verleihen sie mit authentischen, intensiven Texten Tiefe: "I thought my life would get easier / instead it's getting harder", singt Jonathan in Book Of Stories. Der Opener Best Friends wird sogar noch trauriger: "You're my best friend / But then you died / And how will I survive, survive / Survive, survive?"
Doch ob Tod, Trennung, Liebeskummer: Immer bleibt die Suche nach dem Sonnenstrahl musikalisch präsent, Zuversicht erklingt in jeder Note, das Weitermachen steht im Vordergrund – eine Analogie zum gesamten musikalischen Background der Band und eine positive Haltung, die nur abfärben kann. Warum es jedoch Let's go surfing und I felt stupid von der Summertime EP nicht aufs Album geschafft haben, weiß vermutlich nur die Band selbst. Sie wären an der ein oder anderen Stelle die bessere Wahl gewesen. Unersetzbar jedoch ist die Hymne Forever & Ever Amen, unbestreitbar der beste Song des Albums, der schon nach einmal hören süchtig macht: Denn er bringt den sonst recht trübetraurigen Indiejugendlichen, die Genre-traditionell die Schultern durch die Last des Daseins hängen lassen, das Sommerferienlagerfeeling zurück. "And it's forever / Baby it's forever / And let me run till the end of time / Until our hearts are aligned into the sky"

Eva Deinert

Pop-Up

 




Melnik 2010-06-11 18:53:46

habt ihr grad drums-fieber?
Dominik 2010-06-14 18:35:12

ja, haben wir :-) hochgradig ansteckend und länger andauernd als eine
gewöhnliche Grippe
The Drums ...
LAXMag 2010-09-17 00:41:28

... sind offenbar nur noch zu dritt. Gerüchten zufolge hat Adam die Band diese
Woche verlassen. Wie es mit der Band weiter geht, ob die Termine im November
weiterhin fix bleiben und warum die Band sich nur so kurz nach ihrem Durchbruch
schon splittet, werden wir wohl noch erfahren - und ihr damit ebenfalls.
Es
trauert zutiefst: Das LAXMag.
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