| Atomic im Portrait |
| Saturday, 15 December 2007 01:56 | |||
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Die beiden Zwillingsbrüder stammen aus Furth im Wald, einem kleinen Ort an der deutsch-tschechischen Grenze. Wer es hier, in der abgelegenen bayerischen Provinz, zu etwas bringen will, der muss früh genug in die Junge Union eingetreten sein oder sich um eine Ausbildung in der Gemeindesparkasse beworben haben. Aber mit Musik Erfolg haben, und das nicht etwa als Coverband auf den Volksfesten der Region, das ist hier nicht so einfach. Thomas und Rainer Marschel haben es mit ihrer Gitarrenpop-Band Atomic dennoch geschafft. Zum festen Kern der Band gehören dabei Markus Schalk an der Gitarre, der Bassist Holger Jacob und Daniel Peucker (Schlagzeug). Im Jahr 2003 spielte diese Besetzung sogar im Vorprogramm von Tomte und Paul Weller. Ausgerechnet dieser Paul Weller, das Urgestein des Britpop, den Rainer Marschel zu seinen Vorbildern zählt. Da müssen die Knie schon geschlottert haben, auch wenn man sich nicht zu verstecken brauchte. Schließlich hatten Atomic bis dahin auch schon einiges erreicht: Ihre erste veröffentlichte EP The big issue verkaufte sich im vierstellige Bereich, sehr beachtlich, gerade weil die Platte nur über die bandeigene Internetseite vertrieben wurde. Sogar in einer Ausgabe der britschen NME wurden Atomic bereits besprochen. Ein kleines Wunder für eine deutsche Band, die damals noch nicht einmal einen Plattenvertrag hatte. Das Debütalbum Wonderland Boulevard erschien schließlich im Oktober 2005. Seit kurzem steht dieses nun auch zum digitalen Download über motorload und iTunes zur Verfügung. Das Einstiegsstück (You're) A Shining Star klingt, als hätte sich Noel Gallaghers Gitarre in einen Song von Mando Diao verirrt. Dass sich Atomic viel von Oasis haben inspirieren lassen, ist dem Stück Monkey Fingers sogar noch weit stärker anzumerken. Die Parallelen liegen offen da: Zwei Brüder aus dem Nordwesten Englands, zwei Brüder aus dem tiefsten Bayerischen Wald. Vielleicht ist es nicht ganz die gleiche Etage, aber sie machen ähnliche Musik. Bei beiden die stellenweise verzerrte Stimme, die leicht übersteuerte Gitarre. Mit den Britpop-Geschwistern aus Manchester verglichen zu werden, ist nun keine besondere Schande. Man hat nur beständig das Gefühl, die Stücke schon mal so ähnlich bei dieser oder jener Band gehört zu haben. Man merkt bald, der Musikverstand der Marschel-Brüder hat dort etwas zusammengebaut, da wurden ausgewählte Elemente in neuartiger Weise verbunden. Eklektizismus ist ja auch für sich bereits eine Kunstform. Aber auch da, wo Atomic ihren eigenen Stil verfolgen, weiß das Album zu überzeugen, so etwa mit der Klavier begleiteten Ballade The Shelter oder dem ruhigen Gitarrenstück Sweetest Symphony. Alleine die sehr eigenwillige Cover-Version des Smiths-Klassikers Girlfriend in a coma nimmt sich da etwas aus. Wahrscheinlich war sie aufgrund der Brillanz der Vorlage ohnehin zum Scheitern verurteilt. Doch selbst wenn die Interpretation etwas gewagt klingt, von schlechtem Geschmack zeugt diese Wahl natürlich umso weniger. Atomic wagen sich an die großen Namen. Und auf große Namen greifen auch die Rezensenten von Wonderland Boulevard zurück: Neben Oasis und Mando werden dort The Stands, The Killers und Jet als Vergleichspartner mobilisiert. Man darf gespannt sein, welche Referenzen die nächste Platte hervorruft. Florian Zick
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