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The Wombats im Portrait
Monday, 17 March 2008 02:16
Kuscheliger Brit-Indie-Punk-Pop: The WombatsFür diejenigen, die es noch nicht wussten: Wombats sind knuffige, bärenähnliche Beuteltiere. Lebensraum: Australien, Lebenserwartung in der freien Wildbahn: 5 Jahre, Nahrung: hauptsächlich Gräser, manchmal auch Pilze und Wurzeln, wenig natürliche Feinde. Sie graben Wohnhöhlen, entziehen sich Gefahr durch Rennen (bis zu 40 km/h), Klettern und Schwimmen und vermehren sich das ganze Jahr über. Ob das so wirklich etwas mit The Wombats zu tun hat, wird sich noch zeigen.

 

 

Zum Reinhören: Kill The Director

 

Putzig sind die zwei Briten Murph (Gesang, Gitarre) und Dan (Drums) und Tord aus Norwegen (Bass) durchaus mit ihren wie vom Wind zerzausten Frisuren, den knallfarbenen Shirts, zuweilen Karohosen mit Chucks darunter. Mit ihrem Style passen sie mehr als gut in das bekannte Schema der jungen, wild-rebellischen Newcomer-Indie-Band und doch machen sie alles ein bisschen besser als viele andere. Kaum eine Band wurde 2007 so gehypt. Euphorische Fans auf lang im Voraus ausverkauften Konzerten in den USA, Europa und Japan, ca. 270 Auftritte in einem Jahr und eine ungebrochene mediale Aufmerksamkeit, das erreicht nicht jede Gruppe innerhalb von vier Jahren.

Die drei Bandmitglieder fanden sich 2003 zusammen während ihrer gemeinsamen Zeit an der Liverpooler School of Performing Arts, die übrigens von Übervater Paul McCartney gegründet wurde. Die Jungs scheinen sich selbst und die ganze Band-Sache zwar nicht so ganz ernst zu nehmen, dafür tat es ihr Umfeld umso mehr. Sie spielten jeden Gig, den sie auf den britischen Inseln bekommen konnten und schreckten auch vor frühen Auftritten in China, Kanada und Norwegen nicht zurück. Und immer noch wirkte alles so gar nicht nach wirklicher Anstrengung. Von den kleinen Indierock-Wohnhöhlen ging es fast wie von selbst auf große Bühnen u. a. als Vorgruppen der Kaiser Chiefs und der Babyshambles. Letztendlich konnten The Wombats dann unter den Angeboten einiger Plattenfirmen wählen und entschieden für den Warner-Ableger 14th Floor Records.

Das Debutalbum A Guide to Love, Loss and Desperation, erschienen im letzten Jahr, ist voller spannender Geschichten über Patricia die Stripperin und andere Katastrophen, die Indie-Jungs in England so zustoßen können, gesungen mit viel Enthusiasmus und zuweilen auch deutlicher Melancholie. Tanzbare Sounds und eingängige Melodien garantieren gleich mehrere große Punk-Pop-Hymnen. Von Backfire at the Disco, Kill the Director zu Let’s Dance to Joy DivisionMoving to New York und der neuen Single gibt es einige 1A-Tanzflächenkracher, genau der Stoff mit dem Szenestars sich etablieren.

Die Jungmusiker nehmen es mit Humor und stellen sich in Interviews gern als nicht so ganz erwachsene Witzbolde dar, die einfach nur die etwas dämliche Idee hatten, zusammen Musik zu machen. Auch der Bandname entstand letztendlich aus einem Running-Gag der drei. Wombo the Wombat war zunächst der imaginäre Freund der drei. Ihre leicht melancholische Spaßphilosophie vertreten die Liverpooler durchaus selbstbewusst und konsequent. So wurde die Veröffentlichung ihres ersten Albums als fancy dress party auf einem Boot entlang des Liverpooler Mersey Rivers gefeiert. Sicher ist gerade dieser Funfactor der Verkleidungskünstler, die auch schon mal in Frauenkleidern und Highheels auftreten, eines ihrer überzeugendsten Argumente. Daneben natürlich auch, dass sie auf der Bühne richtig Gas geben können („Rennen, Klettern, Schwimmen?“).

Let's dance to Joy Division and celebrate the irony / Everything is going wrong but we're so happy. Knutschen, trinken, ausgehen und dabei auch ein bisschen depressiv diverse Alltagsprobleme diskutieren, das klingt ein bisschen nach Musik für ausgehfreudige Teens, aber letztendlich konnte sich diese Indie-Pop-Band doch einen noch größeren und überzeugten Fankreis erschließen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lebenserwartung dieser Wombats fünf Jahre deutlich überschreiten wird. Der Ausgangspunkt ist jedenfalls viel versprechend genug. Mirjam Miethe




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