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X ist Y? im Portrait
Thursday, 22 May 2008 11:45

X ist Y? betrachten kopfschüttelnd die Welt in ihrem sosein
Die erste Frage, die sich immer gleich am Anfang stellt: Wie spricht man diese Band X ist Y? aus? Englisch natürlich: „Exist why?" Die zweite Frage ist dann meistens: Kommen die von der Insel? Nein. Aus einer Kleinstadt in Mitteldeutschland. Das beantwortet auch gleich die dritte Frage: Ja, diese Band hinterfragt das Leben, die Menschen, das Dasein im Allgemeinen und im Besonderen. Und das ohne aufgesetzt, pathetisch oder besserwisserisch zu wirken.


Zum Reinhören:
Die Welt der Anderen

 

Alles begann im Jahre 1997 in Werdau, Sachsen, einem Ort 90 km von Leipzig entfernt. In der Trostlosigkeit der provinzialischen Einöde kommt schnell die Frage nach dem Sinn des Lebens auf. Mit Bands im Ohr wie Tocotronic und Die Sterne ergibt sich eine logische Konsequenz: Selber Musik machen und den Unzulänglichkeiten auf den Grund gehen. So finden sich Stefan (Gitarre und Gesang), Christopher (Keyboard und Gesang), Martin (Bass), John (Schlagzeug) und Frank (Trompete) zusammen und berühren die lokale Indie-Szene mit ihren ehrlichen, verzweifelten, manchmal sarkastischen und hin und wieder fröhlichen Texten und handgemachter punkig-rockigen Gitarrenmusik. Eigentlich lassen sie sich selbst nicht gerne in ein Genre pressen, sondern bezeichnen ihren Stil als Echtzeitlomo. Sie sind mal wütend und dreschen auf das Schlagzeug ein, dann sind sie wieder nachdenklich, resigniert und ganz monoton.

 

X ist Y?sprechen aus was in den Köpfen der Jugendlichen in den End-Neunzigern schlummert und erlangen damit schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region. Im Sommer 1999 nehmen sie ihre erste CD Das allgemeine Wohlbefinden in Eigenregie auf und veröffentlichen diese am 9.9.1999. Kurze Zeit später organisieren sie zum ersten Mal das InDoor-Festival Jumping MoshROOM, wo sie gemeinsam mit anderen regionalen Nachwuchsbands auftreten und jedem, der etwas zu sagen hat mit seiner Musik, eine Plattform bieten.

 

Im Herbst 2000 schließlich werden X ist Y? Vizemeister des sächsischen Nachwuchspreises für Rock- und Popmusik und im März 2001 erscheint das zweite Album Teein Hype. Darauf die unglaublich gefühlvolle Ballade Ist es das Wert?, die nicht nur berührend und eingängig ist, sondern auch so manche Deutsch-Rock-Schnulze in den Schatten stellt! Ebenfalls auf Teein Hype zu finden ist ihr wohl bisher Erfolgssong Schwerversprecher, bei dem sich die Band Verstärkung durch den befreundeten Rapper Gongo La Fleur holte. Das Besondere an dem Song: Er bedient sich im Refrain an dem Snap Hit Rhythm is a dancer. Das blieb gerade in den Weiten des Internet nicht unentdeckt und so wurde Schwerversprecher eine zeitlang in einschlägigen Online-Charts ziemlich hoch gehandelt.

 

Die Tradition des Jumping MoshROOM Festivals setzte die Band auch 2001 und 2002 fortgesetzt. Im Jahr 2005 verlagerte die Band das Nachwuchs-Festival zum ersten Mal nach draußen. Das Konzept bleibt das Gleiche: Das Jumping MoshAIR gilt nach wie vor als Bühne für Nachwuchsbands, denen X ist Y? damit die Chance gibt auch überregional bekannt zu werden. So spielten The Audience (siehe Interview auf LAXMag) aus Hersbruck und Condre SCR aus Berlin schon auf dem kleinen, heimeligen Festival mit Wohnzimmer-Atmosphäre.

 

An diesem Tag erscheint außerdem das neue, dritte Album der Band, das sie 2007 in Leipzig und Oberursel aufgenommen haben. Der Award für den besten Albumtitel des Jahres ist X ist Y? damit sicher: Igitt Pop. Ein Wortspiel, das auch von den ganz Großen sein könnte! Auf dem Album befindet sich auch ein Song, den sie dem mehrfach preisgekrönten Kurzfilm Nebenan beigesteuert haben: Fuck off, Hardcore Kids. Insgesamt ist das Album wütend, anklagend, nachdenklich und erwachsen. X ist Y? ist eine Band mit Kopf und Herz, die mit offenen Augen durch den Welt geht. Deshalb nehmen sie nicht hin, sondern stellen Fragen in den Raum, weisen auf Unzulänglichkeiten hin und haben stets den Finger auf dem Punkt:

 

„Ich fresse Theorien wie andere Aspirin was besser für die Welt wär bleibt offen" - Gefühlte Sicherheit

 

„Es gäbe viel zu tun doch es wäre soviel leichter wenn es schon getan wäre" - Streichholz

 

„Und manchmal ergibt sogar Christiansen einen Sinn. Es geht nicht um das Ganze, das wäre zu weit gedacht. Doch es wäre schön, wenn mal irgendetwas klappt." - Koalition der Möglichkeiten

 

Wer die jungen Tocotronic bewundert, wer sich nicht vor deutschen Texten mit Inhalt scheut, wer sich schon oft den Kopf schüttelnd fragt hat, wo das noch alles hinführen soll, ist herzlich eingeladen sich diese CD vorzubestellen und eine großartige Band mit Kopf und Herz zu unterstützen. (Mirjam Miethe)




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