| Die Herren Polaris im Portrait |
| Friday, 24 April 2009 20:51 | |||
Noch eine deutschsprachige Indie-Band, die über allerlei Befindlichkeiten und das Scheitern singt? Muss das wirklich sein? Ja, muss es! Zumindest, wenn das so gut klingt wie Die Herren Polaris aus Augsburg. Sara Haußleiter über eine Band, die eigentlich nirgendwo so richtig dazupassen will - und genau damit alles richtig macht.Es war im Jahr 2004, als die vier Studenten Bruno Tenschert (Gesang, Gitarre), Daniel Pain (Bass, Gesang), Lars Weißbach (Klavier, Hammond, Moog) und Marc Stütz (Schlagzeug) nach einer Musicalaufführung im malerischen Benediktbeuern beschlossen, eine eigene Band zu gründen. Die selbstgebrannte 6-Song-EP mit dem Namen Die Herren Polaris erschien im gleichen Jahr. Beim Wettbewerb Band des Jahres in Augsburg belegte die Gruppe den 1. Platz - und durfte mit niemand Geringerem als Alaska Winter, der unter anderem auch die bekannte Augsburger Band Anajo produzierte, ihre zweite EP aufnehmen. Sie trug den Namen Wir melden uns und wurde 2005 veröffentlicht. Seitdem sind vier Jahre vergangen. Die Herren Polaris haben am John Lennon Talent Award teilgenommen, der ihnen im Gegensatz zu Bands wie Radiopilot und Paulsrekorder nicht viel Ruhm eingebracht hat. Der Hype um deutschsprachige Popmusik ist längst verklungen, um die einstige Pop-City Augsburg ist es sehr still geworden. Die vier Bandmitglieder sind keine Studenten mehr, sondern kämpfen mit dem harten Berufsanfängeralltag, der nicht viel Zeit zum Musikmachen lässt. Und genau zu diesem Zeitpunkt des Umbruchs, an dem schon viele Bands gescheitert sind und die Musik an den Nagel gehängt haben, bringen die Herren Polaris ihr Debütalbum heraus, das bezeichnenderweise Warten heißt. Lange hat es gedauert, und vielleicht hat die Band durch das lange Warten den besten Moment schon mehrmals verpasst. "Kommt bestimmt wieder was dazwischen, so ganz kurz und schnell noch.. Ihr könnt doch noch.. Jetzt schnell noch und dann.. Eigentlich nicht.. Ihr könnt doch jetzt nicht ja sagen!", heißt es in dem Song Jasager. Jetzt haben die Herren Polaris also "Ja!" zum Album gesagt - und sie haben es sich nicht leicht gemacht: Sämtliche Aufnahmen wurden zwischendrin einfach mal gelöscht, um wieder neu anzufangen. In Ermangelung eines passenden Labels wird die CD im Selbstvertrieb und als Download veröffentlicht. Doch das Warten hat sich gelohnt: Herausgekommen ist eine Platte, die keinen richtigen Zeitpunkt braucht, sondern außerhalb jedes Zusammenhangs funktionieren kann. Was die vier Herren aus Augsburg uns hier präsentieren, ist vielseitiger und ausgeklügelter Indie-Pop, der sich so gar nicht in irgendeine Schublade stecken lassen mag. Er hat sich einen ganz eigenen Platz in der Musiklandschaft verdient. Natürlich erinnert die Musik stellenweise an altgediente Bands der Hamburger Schule wie Kettcar, Die Sterne oder auch Superpunk. Aber da ist noch so viel mehr - etwa der mehrstimmige Gesang der Bandmitglieder. Oder der vielseitige Einsatz von Tasteninstrumenten, der jedem Song seine eigene Note verleiht. Hier hört man deutlich den Einfluss von Keyboarder Lars Weißbach heraus, der sich mit der Band Mars Mushrooms auch noch in der Jamband-Szene bewegt. Das ist mal eine ganz andere Baustelle als der geneigte Indie-Hörer gewohnt ist - und einfach herrlich erfrischend. Songwriting und Instrumentierung spiegeln wieder, dass die Band sich ausreichend Zeit gelassen und viel Mühe investiert hat - und dass hier vier begabte Musiker mit Bedacht ans Werk gegangen sind. So klingen die Songs mal wunderbar leicht, wie das vermeintlich fröhliche Testament, allerdings nie ohne einen Hauch von bitterem Beigeschmack. Mal wird auch fast schon ein wenig gerockt, so etwa bei Testsieger, wo Bruno Tenschert singt: "Wir müssen hier rein und drüben wieder raus - mit mehr oder weniger Applaus." Dieser Song geht dank seiner markanten Klavier- und Gitarrenparts eigentlich nur rein, jedoch nicht wieder raus - Vorsicht, Hitpotential! Und dann gibt es natürlich die vielen melancholischen Momente, die Eindruck hinterlassen. So etwa das schon genannte Jasager oder auch Koffer, das sehr lange sehr nachdenklich dahinfließt - um dann gegen Ende noch mal so richtig aufzugehen. Das ist überhaupt ein Markenzeichen der Herren Polaris, was ihren Liedern ebenfalls eine eigene Note verleiht. Umso höher ist ihnen anzurechnen, dass sie bei dieser Art von Songaufbau nie ins Kitschige abdriften. Immer im Mittelpunkt steht die Stimme von Sänger Bruno Tenschert, die so natürlich und unaufgesetzt klingt wie die eines guten Bekannten, der mal eben ein paar Geschichten aus seinem Leben erzählt. Die Texte sind ehrlich, simpel, aber nicht banal - sie drehen sich ums Warten, ums Suchen und ums Zweifeln. Um das Gefühl, nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. "Die innere Unruhe sitzt direkt daneben, zwischen Angstschweiß und Leben, neben Hobbypflicht und noch mal Überlegen," heißt es in Hallo, liebe Dämonen. Paradoxerweise könnten genau diese Themen momentan den Nagel auf den Kopf treffen. Sara Haußleiter Reinhören: www.myspace.com/dieherrenpolaris Die Herren Polaris auf Tour 2009: 30.04. - Augsburg, Pavian (Releasekonzert) 01.05. - Unterschleißheim, Gleis 1 02.05. - Reutlingen, FranzK 05.05. - Nürnberg, Matahari 06.05. - Dresden, Ost-Pol 07.05. - Berlin, Duncker Club
|
Kommentare
Suche
Ähnliche Artikel
- Rezensionen
- Interviews
- Portraits













Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!