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Reverend & The Makers: A French Kiss In The Chaos
Wednesday, 19 August 2009 22:36
reverendmakers_fkitc.jpgAshram statt Dancefloor? Vor zwei Jahren haben Reverend And The Makers mit ihrem Debüt The State Of Things Charts und Tanzflächen gleichermaßen durcheinander gewirbelt und waren auch nie um einen sozialkrtischen Kommentar verlegen. Jetzt haben die Sheffielder den Nachfolger A French Kiss In The Chaos im Kasten - und überraschen mit ungewöhnlichen Klängen.

Gleich zu Beginn ertönt eine Sitar und wirft bange Fragen auf: Hat sich "Reverend" Jon McClure, der vielen politischen Meinungskonflikte müde, etwa zum Songschreiben in ein indisches Kloster zurückgezogen? Beim weiteren Hören des Albums wird jedoch schnell klar: McClure hat keinen spirituellen Selbstfindungstrip, sondern eine musikalische Zeitreise unternommen.

Die Sitar macht auf Silence Is Talking dann auch bald Platz für eine psychedelische Gitarrenfront, bis der Song eine erneute Wendung nimmt und in einem Refrain gipfelt, der an einen Abzählreim aus Kindertagen erinnert. Hidden Persuaders bildet daraufhin einen starken Kontrast zum schwer verdaulichen Opener und präsentiert sich als eingängige Sixties-Beat-Nummer, die auch zur musikalischen Untermalung von Kellerpartyszenen in alten Uschi-Glas-und-Hansi-Kraus-Filmen dienen könnte.

Beim dritten Song, No Wood Just Trees, sind Reverend And The Makers zwischenzeitlich wieder auf den Tanzflächen des 21. Jahrhunderts angekommen, doch Professor Pickles nimmt uns gleich wieder mit in die Sechziger: Weg von Glowsticks und Converse, zurück zu Cordschlaghosen und Koteletten. Kaum glaubt man jedoch, eine Richtung auf dem Album erkannt zu haben, bringt Long Long Time auch schon alles wieder durcheinander. Die gefühlvolle Bluesballade ist die akustische Entsprechung des im Albumtitel angekündigten Kusses im Chaos.

Ruhig geht es auch weiter mit dem wunderbar arrangierten No Soap (In A Dirty War). Zarte Gitarren stehen am Anfang, doch fast unmerklich steigert sich das Tempo bis zum eindringlichen Refrain mit seinem vor Lebensfreude fast überschäumenden Chor. Die nächste Wendung folgt allerdings umgehend: Stellt euch an dieser Stelle bitte einfach mal vor, Jim Morrison und Bob Marley hätten zusammen den Titelsong für einen James-Bond-Film geschrieben. Das Ergebnis wäre Manifesto/The People Shapers.

Die nächsten beiden Songs, Mermaids und The End, bringen uns noch einmal zurück auf die Cordhosen-und-Koteletten-Tanzfläche, bevor McClure mit Hard Time For Dreamers zum finalen Meisterstück ansetzt. In sanften Tönen beschreibt er zunächst ein Weltuntergangsszenario mit Atombomben, schmelzenden Eisbergen und einem Wahlsieg der britischen Konservativen und stellt dann die Frage "Should all our friends betray us, are you a french kiss in the chaos?" Analog zum drohenden Chaos steigern sich auch die Gitarren immer mehr, bis aus den leisen Akustikklängen ein verzerrtes Inferno geworden ist. Damit klingt die Platte genauso rockig aus, wie sie begonnen hat.

Während sich Reverend And The Makers auf A French Kiss In The Chaos inhaltlich durchaus treu geblieben sind und die Konsumgesellschaft ebenso kritisch beäugen wie die politische Großwetterlage, haben sich McClure und Co. gleichzeitig musikalisch auf zu neuen Ufern gemacht. Herausgekommen ist ein Album, das zwar nur noch bedingt tanzflächentauglich sein mag, dafür aber mit immer neuen Songideen überrascht und so facettenreich ist wie ein auf Hochglanz polierter Kristallkronleuchter. Bettina Koch


VÖ 21.08.09



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