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Reingehört: Die Goldenen Zitronen, Die Sterne, Abwärts
Thursday, 08 October 2009 22:37

Zitronen, Sterne und Abwärts in der RezensionDrei ganz große Bands des deutschen Untergrunds waren den Sommer über fleißig und sorgen nun für Lichtblicke im dunklen Herbst. Wir haben in die Platten von Die Sterne, Abwärts und Die Goldenen Zitronen reingehört, sagen euch, warum Silbermond hier Einfluss haben, wer sich neu erfunden hat und wer in dieser schnellen Zeit etwas voller Beständigkeit abliefert.

 

 

 

 

Die Goldenen Zitronen - Die Entstehung der Nacht

Die Goldenen Zitronen - Entstehung der Nacht
VÖ 16.10.2009

Was haben Die Goldenen Zitronen mit Silbermond gemeinsam? Beide schreiben Lieder über die Krise. Während die jungen Chart-Stürmer um Sängerin Kloß - wenn auch nur ungewollt - den Soundtrack zur Finanzkrise beigesteuert haben, schreiben die Zitronen Songs über die Krise in den Köpfen der Menschen. Während die jungen Sachsen heulend um Sicherheit flehen und "etwas wollen das bleibt", schreien die Zitronen das kaputt, was sie schon immer aufgeregt hat und kündigen mit Blick nach vorne an: Wir verlassen die Erde.

Doch bevor Kamerun, Gaier und Co. uns auf dem Planeten alleine zurücklassen, regen sie sich über hippe Mediensklaven und besagte junge Chart-Stürmer auf, die resignierend nach Halt suchen. Die Hamburger trällern ein Lied, das schier dazu führen könnte, dass die Zitronen-Lieder wieder an dem Ort gesungen werden, von dem sie sich mit ihrem musikalischen Silwechsel verabschiedet haben: Dem Bierzelt.

Denn in Aber der Silbermond persiflieren sie den Song Irgendwas bleibt, verweißwurschteln ihn zu einem potentiellen Wiesn-Hit mit Blaskapelle und Mitgröhl-Refrain: "Ja der Silbermond sucht nach mehr Halt, nach mehr Sicherheit, etwas das bleibt. Ja der Silbermond in dieser schnellen Zeit, sucht nach Beständigkeit, die beim Alten bleibt."

Ein Schlüssellied der Entstehung der Nacht, denn die Zitronen liefern Beständigkeit, bleiben ihrem gewohnten Stil treu und feuern immer noch sägende Beschwerdesalven ab wie in Bloss Weil Ich Friere oder Börsen Crashen, aber auch eingängigen Stücke wie Des Landeshauptmann`s Letzer Weg oder Über den Pass.

Die Entstehung der Nacht ist sicher nichts für Silbermond-Fans, doch wer den Zitronen zuhören möchte, wie sie Giftpfeile in Richtung vollgepinkelte Lederhosen werfen, ist hier richtig.

 

 

 

Die Sterne - Der RissDie Sterne - Der Riss EP
VÖ 02.10.2009

Was uns Frank Spilker mit Die Sterne auf der EP Der Riss serviert, macht Appetit auf mehr. Dennoch muss die Band damit rechnen, dass die Silbermondgesichter ziemlich lang werden, wenn sie die Platte in die Hand bekommen. Denn Die Sterne gehen mit der Zeit und verstecken den gitarrenlastigen Deutsch-Rock in einer Schubladen. Altbekannte Klänge, also "Etwas, das bleibt" sucht man vergebens auf dem Aperitif zum Longplayer, den es voraussichtlich ab Februar 2010 an den Plattenbars zu kaufen geben wird.

Disco-Beats statt Akkorde stehen nun auf der Speisekarte der Sterne, auch die Besetzung hat sich leicht geändert: Richard von der Schulenburg kocht nun sein eigenes Süppchen. Dafür sorgt Mathias Modica, Macher und Gründer von Gomma Records, für die elektronischen Klanggewürze, die nicht nur Silbermond überraschen dürfte.

 

 

 

Abwärts - Sei auch dabeiAbwärts - Sei auch dabei EP
VÖ 16.10.2009

Ob die zarten Seelen von Silbermond etwas mit der Deutschpunk-Legende Abwärts anfangen können, ist leider nicht bekannt. Doch es würde sich für die Chart-Stürmer lohnen in Sei auch dabei hineinzuhören, denn  Frank Z., der mit Rodrigo Gonzalez einen prominenten Mitstreiter von Die Ärzte an seiner Seite hat, scheißt auf die schnelle Zeit und liefert definitiv keine Überraschungen, sondern etwas das bleibt.

Punk-Hymnen gegen die Abwrackprämie mit 1,2,3,4 abgewrackt, dem Titelsong Sei auch dabei oder dem leicht abgeänderten Bertold-Brecht-Zitat Abwärts und nicht vergessen, müssten den Silbermonden besonders gut gefallen. Denn Abwärts blicken nicht vorwärts sondern zurück, und klingen so, als wären die Neunziger nie vergangen und haben sich wohl geschworen, dass, auch wenn die Welt den Verstand verliert, Abwärts unberührt bleibt. Dominik Hoferer

 




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