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Muse: The Resistance
Thursday, 15 October 2009 10:37

muse-resistance.jpgKaum eine Platte spaltet die Musikwelt im Moment mehr als das neue Muse-Album The Resistance. Auch in der LAXMag-Redaktion gehen die Meinungen über das von allen mit Spannung erwartete Album weit auseinander: Liebe auf den ersten Blick oder große Enttäuschung? Unsere Redakteurinnen Eva, Sara, Tina und Tine haben sich intensiv mit The Resistance auseinander gesetzt und freuen sich jetzt auf eure Kommentare zum Album.

 

 

Die Überzeugte

Mit atemloser Spannung habe ich die YouTube-Schnipsel, die Muse aus ihrem Tonstudio in Netz stellten, regelrecht in mich aufgesogen: Matt Bellamy und Co. stehen in einem winzigen Toilettenraum um ein Mikrofon und zeichnen Geräusche auf, die sie mit lustigen Klangelementen erzeugen. Da das so typisch für Muse, kennt man diese Art der experimentellen Studioarbeit doch von diversen Zusatz-DVDs, dämmerte mir: The Resistance wird ein Muse-Album durch und durch, wenn auch eine innerliche Vorahnung anmahnt, dass die Genialität von Black Holes and Revelations wohl nicht erreicht werden kann. Als dann The Resistance im Player liegt, fremdeln wir zuerst miteinander. Dennoch ist Uprising ein herrschaftlicher Einstieg und auch Resistance ein hörenswertes, vielleicht etwas zu poppiges Stück. Schlecht ist das nicht, aber typisch Muse? Es kommt mir zu rundgelutscht, zu vorhersehbar und irgendwie risikoscheu vor.

Doch dann folgt die Wende: Undisclosed Desires. An diesem Stück bleib ich hängen und die Repeat-Taste wird aufs Äußerste strapaziert. Einmal geht noch. Oder hundert. Ein derart perfekt arrangierten, durchkomponierten, eingängigen und bewegenden Song ist mir dieses Jahr noch nicht untergekommen. Dabei ist Undisclosed Desires das wohl am wenigsten Muse-artige Stück, das jemals das Licht der Welt erblickt hat. Doch genau da liegt die Genialität: Matt Bellamy ist ein großartiger Musiker, der den Stücken auf die Welt verhilft, die ohnehin schon in ihm schlummern und geboren werden wollen - seien es Pop-Balladen, Elektrobeats oder Queen-Remakes. Letzteres ist für mich persönlich eine große Herausforderung. Nur ein einziges Mal konnte ich es bisher bis zur letzten Note hören bzw. ertragen. Danach jedoch geht von Guiding Light bis zum letzten Exogenesis-Song das "richtige" Muse-Album los. So kennen und lieben wir Matt und Co. und so habe ich mir das Endresultat, das aus den YouTube-Versatzstücken entsteht, vorgestellt. Eva Deinert


Die Hassliebhaberin

Mit Resistance verbindet mich eine Hassliebe. Zunächst wollte ich die Platte verabscheuen, in die hinterste Ecke des Plattenschrankes verbannen und mit der Band Muse endgültig abschließen. Schuld daran waren Songs wie Undisclosed Desires oder Guiding Light, die dermaßen uninspiriert klingen, dass sie eigentlich auch aus der Feder irgendeines seelenlosen Plastikpopproduzenten stammen könnten. Oder das unsägliche I Belong To You / Mon Coeur S'Ouvre A Ta Voix, bei dessen Titel ich ein vor Eleganz strotzendes Meisterwerk erwartete und mich beim Hören fragte, ob Matt Bellamy das eigentlich wirklich ernst meint.

Dann aber erklang gegen Ende der Platte das betörend schöne Intro von Symphony Part 3 (Redemption), bei dem mein aus Enttäuschung und Verärgerung versteinertes Muse-Fanherz nach anfänglicher Verweigerung butterweich wurde. Und mir fielen das kleine Chopin-Intermezzo zum Ende von United States Of Eurasia und zauberhafte Textzeilen wie "If we live our life in fear, I will wait a thousand years to see you smile again" im Titelsong auf. Mir wurde klar: Wegen dieser Momente, in denen Muse ein wenig an ihre frühere Genialität anknüpfen, kann ich The Resistance nicht verachten - ich muss es auch lieben.

Und schließlich gibt es auch noch die Stellen, an denen sich beide Reaktionen vereinen. Nämlich dann, wenn Muse in bester Queen-Manier dem Größenwahn freien Lauf lassen und dabei einfach viel zu weit übers Ziel hinausschießen. Fassungslos und kopfschüttelnd stehe ich vor diesen Stücken wie vor dem Werk eines verrückten Diktators und werde von tiefer Abscheu und zugleich seltsamer Faszination gepackt. Und muss mir wider besseren Willens eingestehen, dass ich von der fatalen Liebschaft mit diesem Album nicht mehr loskommen werde. Sara Haußleiter


Die Kritikerin

Nach 5 Durchläufen, 271 Minuten, 8 Tassen Kaffee und einer Flasche Wein ist klar: Das neue Muse-Album und ich sind einfach nicht füreinander bestimmt. Ob morgens oder abends, allein zu Hause oder mit Freunden - die Platte kann mich in keiner Situation überzeugen. Zu offensichtlich ist das überambitionierte Streben nach dem Mega-Album, zu nervig die ständigen unverhohlenen Anleihen bei anderen Bands. Muse, die von unzähligen jungen Bands als Inspirationsquelle genannt werden, kupfern auf The Resistance gnadenlos ab. Als "musikalischer Einfluss" lassen sich die zahlreichen Queen-Passagen, die Klassik-Versatzstücke und die Hommage an Kasabian (Uprising lässt mich jedes Mal wieder gedanklich Shoot The Runner anstimmen) jedenfalls nicht mehr rechtfertigen.

Schade, denn zwischendurch zeigen sich durchaus gute Ansätze. Undisclosed Desires ist zwar völlig Muse-untypisch, weiß mit seinem Synthiebeat aber durchaus zu gefallen. Bei Unnatural Selection und MK Ultra kehren Muse einmal kurz zur alten Form zurück, doch diese Songs bilden leider die Ausnahme. Die ausufernde, völlig überladene dreiteilige Symphonie am Ende des Albums dagegen ist exemplarisch für das gesamte Album: Muse haben sich für The Resistance das Unmögliche vorgenommen. Sie wollten ein episches Album schaffen, das Rock, Pop und Klassik vereint und alles bisher Dagewesene übertrifft. Dabei haben sie jedoch lediglich die Ideen anderer großartiger Musiker mehr oder minder inspiriert umgesetzt. The Resistance wirkt, als wäre es aus einem Baukasten für Bombastrock-Alben zusammengestellt worden. Die Eigenständigkeit der Band Muse ist dabei weitestgehend auf der Strecke geblieben und oft nur noch in Matt Bellamys charakteristischem theatralischen Gesang zu finden. Bettina Koch

 

Der Neuling

Ich muss vorweg nehmen, ich bin absoluter Muse Neuling. Ich kenn bisher nur die Charthits der Band wie Supermassive Blackhole, das neue Album The Resistance kann, bzw. muss ich also ganz unvoreingenommen hören.

Bemerkenswert finde ich die enorme kreative Vielfalt der musikalischen Stilmittel der Band auf dieser Platte. Jeder Song klingt anders. Der Einsteiger Uprising macht Lust zu Tanzen mit dem harten, treibenden Schlagzeug und den schwebenden Synthietönen. Im Gegensatz dazu klingt das abschließende Triptychon der Exogenesis Rocksymphonie mit den flimmernden klassischen Streichern wie aus einem Filmscore bzw. dem Klavier à la Debussy anfangs so federleicht und bricht dann bombatisch aus. Dazwischen liefern Muse eine bunte Mischung aus Pophymnen und Rock im Stil von Queen und Depeche Mode. Nach mehrmaligem Hören gefällt mir das elektronisch gesampelte Undisclosed Desires am besten. Christine Bulla

 

VÖ 11.09.09




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