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Tom Lüneburger: Good Intentions
Sunday, 07 March 2010 13:52

Verabschiedet sich von guten Vorsätzen: Tom LüneburgerTom Lüneburger dürfte dem einen oder anderen noch als Frontmann der erfolgreichen Band myballoon in Erinnerung sein. Nach zehn ereignisreichen Jahren voller Aufs und Abs trennten sich die Berliner im Jahr 2006. Einige seiner Erfahrungen aus dieser Zeit sind vermutlich auch in Tom Lüneburgers erstes Soloalbum Good Intentions eingeflossen. Musikalisch aber hat die Platte mit dem eingängigen Alternative-Rock von myballoon rein gar nichts mehr zu tun. Und das ist gut so - denn das neue Gewand als nachdenklicher Singer/Songwriter steht dem Berliner ganz vortrefflich.

Große Musik handelt selten von den Sonnenseiten des Lebens. Nein, die wirklich interessanten Songs entstehen oft aus Niederlagen, aus Verlusten, aus düsteren Zeiten heraus. Für diese These liefert Tom Lüneburger mit Good Intentions mal wieder einen wunderschön anzuhörenden Beweis. Wer gedacht hat, der Berliner sei in den letzten vier Jahren in der Versenkung verschwunden, der irrt: Wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche tritt der 37-jährige aus den Scherben seiner einstigen Band hervor und meldet sich mit einem Album zurück, das alles, was er vorher gemacht hat, weit in den Schatten stellt. Man hört der Platte deutlich an, dass der Künstler seitdem keine einfache Zeit durchgemacht hat: Die Songs handeln vom Abschied, von Selbstzweifeln, von der Erschöpfung. Gleichzeitig klingen sie auf eindringliche Weise Trost spendend, ruhen in sich selbst, als hätte der Erzähler mit allem Übel in Frieden abgeschlossen. Unaufhörlich wird der Blick nach vorne gerichtet: "I don't need to know what tomorrow brings, all I need is to keep my head up high," singt Tom Lüneburger im Titeltrack und Opener Good Intentions, der davon handelt, gute Vorsätze und Ansprüche an sich selbst über Bord zu werfen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Wer ein solches Album vorlegt, kann den Kopf in der Tat ziemlich hoch tragen. Denn Good Intentions hat alles, was eine gute Platte braucht - und das ist eigentlich gar nicht viel. Da ist zum einen die markante, etwas rauchige und eindringliche Stimme Tom Lüneburgers. Würde man ihn an einem hektischen Vorweihnachtssamstag mit seiner Gitarre in die Fußgängerzone stellen, so würde sich vermutlich binnen kürzester Zeit ein großer Menschenauflauf bilden. Denn dieser Stimme kann man nicht entkommen - man muss ihr unweigerlich zuhören. Vor allem aber lebt das Album von seinen unwahrscheinlich guten Songs. Jeder einzelne von ihnen ist ein Kleinod. Woran das liegt - man mag es nicht genau auszumachen. Vielleicht sind es die Melodien, die Harmonien, die friedlich-melancholische Grundstimmung. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass die Stücke zu jeder Zeit so entwaffnend ehrlich und authentisch wirken. Man kauft Tom Lüneburger jedes einzelne Wort ab, man hat das Gefühl, das Album sei ein Tagebuch, in dem er sich die Songs einfach so von der Seele geschrieben hätte. Und das trifft unweigerlich mitten ins Herz.

Solche Lieder brauchen zum Funktionieren keinen Deut mehr, als die dezente, ja minimalistische Instrumentierung mit meist akustischer Gitarre und ein wenig Klavier. Wie viele Kollegen haben sich schon an diesem Konzept versucht und hören sich dabei einfach nur blass an, weil ihre Songs nicht die nötige Qualität haben. Bei Tom Lüneburger klingt alles so, wie es sein sollte. Jeder Ton mehr wäre einer zuviel. Da ist etwa das wunderschön nachdenkliche und schmeichelnde This Year, ein bittersüßer Rückblick, der bei aller Traurigkeit im Refrain in einer durchweg harmonischen und versöhnlichen Melodie aufgeht: "Take good care of this heart, don't let it fall apart," singt Tom Lüneburger hier. Dabei könnten seine Lieder tatsächlich hilfreich sein: Sie sind Streicheleinheiten fürs Herz und Balsam auf die Seele. Und dass es auch ganz ohne Schwermut geht, beweist der Berliner mit dem durchweg positiven und optimistischen Yesterday's Gone. Alles ist gut so, wie es ist. Hör auf zu zweifeln. Mit diesen Worten klopft der Song dem Hörer aufmunternd auf die Schulter - und man glaubt ihm gerne.

Im letzten und stärksten Track Fade beschreibt Tom Lüneburger den langsamen Abschied, das schmerzhafte Verblassen von Erinnerung: "Every time I think of you, every time you fade a little more." Die Jahreszeiten ändern sich, das Verlorene bleibt verloren. Treffender kann man dieses Thema nicht besingen - und hiermit beweist der Künstler eindrucksvoll sein unheimliches Talent, Emotionen in Worte und Töne zu packen. Wir setzen einen Brief an die Großmeister des traurigen Songwritertums auf: Lieder übers Abschiednehmen müssen ab heute nicht mehr geschrieben werden. Tom Lüneburger hat alles gesagt, was hierzu zu sagen ist. Den guten Vorsatz, diesen talentierten Herrn und sein fabelhaftes Album so schnell nicht mehr in Vergessenheit geraten zu lassen, müssen wir nicht fassen. Wer einmal den Zugang zu den einzigartigen Songs von Tom Lüneburger gefunden hat, den werden sie nicht mehr loslassen. Sara Haußleiter

 

VÖ: 12.03.10

 

In das komplette Album Good Intentions könnt ihr hier online reinhören: --> zum Stream

Nicht verpassen: Live und in Farbe wird Tom Lüneburger seine Songs bei Bands'n'Books #2 am 14.03.2010 im Münchner Muffatcafé vorstellen!




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