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Donavon Frankenreiter: Recycled Recipes
Thursday, 11 October 2007 17:41

Donavan Frankenreiter in der Kritik

Ob es gelingt, Recycled Recipes von Donavon Frankenreiter zu besprechen, ohne ein einziges Mal seine frühere Karriere als Profi in einer für Pop-Musik äußerst verkaufsfördernden Wassersportart zu erwähnen? Unser Redakteur Christian versucht es.


Zum Reinhören: Move by yourself


Der kalifornische Sänger und Gitarrist Donavon Frankenreiter veröffentlichte sein Debüt 2002 auf dem Label seines Kumpels Jack Johnson, wechselte 2006 jedoch für das zweite Album zu Lost Highway und damit auch die musikalische Klasse. Auf dem Plattenlabel, das unter anderem Elvis Costello, Ryan Adams und Fionn Regan beheimatet, erschien nun die EP Recycled Recipes, auf der sich Frankenreiter sechs Coversongs vornimmt.

 

Interessante Rezepte fand Frankenreiter vorwiegend im amerikanischen Folk-Rock der 60er und 70er Jahre, einzig Wilcos Theologians entstammt seiner eigenen Generation. Eingespielt wurden die akustischen Songs in der Küche und auf der Veranda seines Bassisten Matt Grundy, der Frankenreiter in den extrem sparsamen Arrangements hin und wieder ergänzt. In kompletter südkalifornischer Entspannheit zupft sich der „kultverehrte Lässigkeitsvorreiter aller coolen Menschen", wie ihn sein deutsches Label so schön ungelenk bewirbt, durch Bruce Cockburns Wondering Where the Lions Are oder The Bands It Makes No Difference, die Texte der ausnahmslos großartigen Vorlagen lässig durch seinen gewaltigen Bismarck-Schnauzer gehaucht und vom perfekten Harmoniegesang Grundys gestützt.

 

Am besten wird Frankenreiter, wenn sich sein eigener Laid-Back-Stil an dem des Originals reibt, wie in Such a Night von New-Orleans-Legende Dr. John. Mit schludrig geschrammelter Akustikgitarre schleift er die ursprünglichen Kanten des R&B-Piano-Rockers rund und erzählt darin mit fast flüsternder Verführerstimme, wie er ohne mit der Wimper zu zucken, seinem besten Freund die Freundin ausspannt, denn „wenn's er nicht täte, würde es jemand anderes tun".

 

Hin und wieder verfängt sich Frankenreiter jedoch im Lasso seiner eigenen Lässigkeit: Ausgerechnet Bob Dylans Folk-Blues-Rag Don't Think Twice, It's Alright, der stilistisch eigentlich genau sein Ding wäre, geht mächtig daneben. Sein penetrant verschleppter Gesang wird dem nervösen Song über Getriebenheit, Vergebung und Flucht einfach nicht gerecht. Fast noch schlimmer: Fortunate Son von Creedence Clearwater Revival. Der Anti-Kriegssong wird aus dem Munde des ansonsten so sorglos intonierenden Neo-Hippies beinahe zur Farce. Für Fans des Genres gilt trotzdem: Wenn Jack Johnson einem irgendwie zu glatt geworden ist, empfiehlt es sich, die Ohren mit Vergnügen am rauen Bart von Donavon Frankenreiter zu reiben. (Christian Schober)


VÖ 31.07.07




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