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Missent to Denmark: I Am Your Son
Thursday, 15 April 2010 18:36
Missent to Denmark: I Am Your SonÜber fünf Jahre ist es her, da verschenkte eine junge Band aus Regensburg ein paar ihrer Songs im Internet. Please Copy For Your Friends war der vielversprechende Name der Gratis-EP, Missent to Denmark hieß die Band. Seitdem ist viel passiert: Supportauftritte für Polarkreis 18 und Klez.E folgten, aus vier Bandmitglieder wurden fünf, man zog nach München und veröffentlichte 2007 in Eigenregie das Album A Clue, A Hint, A Love. Nun haben Missent to Denmark den Sprung in die Professionalität geschafft: Die zweite Platte I Am Your Son erscheint auf dem kleinen und feinen Label biegen & brechen.

Zwei Feststellungen sind vorab zu treffen. Erstens: Missent to Denmark haben es sich mit diesem Album nicht leicht gemacht. Zweitens: Gerade deswegen handelt es sich hierbei um eine der interessanteren und innovativeren Veröffentlichungen in der deutschen Musiklandschaft. I Am Your Son ist eine wunderbare Mischung aus einwandfreien Popsongs und sperrig-verschrobenen, aber umso liebenswerteren Kuriositäten, die erst nach einer gewissen Einhörzeit ihre volle Kraft und Schönheit entfalten.

Schon der Opener A Piece Of Gold, eine rührende Hommage an die neue Heimatstadt München, ist wahrlich ein Glanzstück an Musik, für das so manche abgehalfterte Popband vermutlich sofort ihre Seele verkaufen würde. Eine kleine Hymne, getragen von mitreißenden Gitarren, euphorischem Klavier und Chorgesang im Refrain. Mit diesem ersten Song beweisen Missent to Denmark, dass sie durchaus in der Lage sind, richtige Hits zu schreiben. Aber ein Album voller Hits wäre ja überaus langweilig. Und deswegen geht es gleich im Anschluss weiter mit herrlich uneingängigen und vielschichtigen Kleinoden wie Where Are My Glasses oder dem sphärischen Panic In Town.

Die Mischung aus oft unkonventionellen Rhythmen, jederzeit außergewöhnlichen Melodien, leicht schrägen Harmonien  und der eindringlichen Stimme von Sänger Stephan Gillmeier entwickelt beim Hören ihre ganz eigene Magie. Hat man erst mal den Zugang zu den Songs gefunden, fühlt man sich schnell als stolzer Entdecker und möchte diese Kostbarkeiten am liebsten gar nicht mehr loslassen. Zwischendrin löst sich die Anspannung und es werden wunderbar reine und eingängige Stücke wie das einlullend-schöne und melancholische Suicide Sunday eingestreut, die dem Gehörgang schmeicheln und die Gedanken abdriften lassen. Oder das Duo We Lower Our Heads Pt. 1 und Pt. 2, mit dem die Band einmal mehr ihr Gespür für richtig große Melodien und perfekt ausgearbeitete Spannungsbögen unter Beweis stellt.

Bei all dem klingen Missent to Denmark auf angenehme Weise vertraut. Man merkt deutlich, dass diese Band alte Bekannte wie Radiohead, Kashmir, The Notwist und sicher auch die Tourkumpanen Polarkreis 18 durchaus zu schätzen weiß. Gleichzeitig hört sich aber jeder Ton erfrischend unverbraucht und auf gar keinen Fall abgekupfert an. Im Gegenteil, die Musik ist ganz offensichtlich Resultat unendlicher Detailverliebtheit und vielleicht jahrelanger Bastelei. Auf die Spitze treibt es die Band in dieser Hinsicht mit dem fabelhaften A Favour, das mit einer äußerst reizvollen Synthese aus verspieltem Klavier, elfenhaftem - Island lässt grüßen! - Background-Gesang und sanft programmierten Drums aufwartet.

Mit dem letzten Song A Hoax besinnen sich Missent to Denmark auf ihre Anfangszeiten zurück. Selbiger entstammt nämlich ursprünglich der 2005er Gratis-EP Missent To Denmark Are Just A Hoax. Angesichts der äußerst kreativen, eigenständigen und gleichzeitig einfach zauberhaft schönen Platte, welche die Band nun vorgelegt hat, lässt sich dazu nur sagen: Welch ein Glück, dass dieser Titel nicht so ganz wörtlich zu nehmen ist! Sara Haußleiter


(VÖ: 16.04.10)



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