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Hole: Nobody's Daughter
Friday, 14 May 2010 15:07

Hole - Nobody's DaughterHole haben wieder zugeschlagen und nach zwölf Jahren der Musikabstinenz Nobody's Daughter auf den Markt gebracht. Der fast schon geschichtsträchtigen Band, die maßgebender Teil der Riot-Grrrl-Bewegung war, stehen allerdings viele mit gemischten Gefühlen gegenüber: Die fanatischen Anhänger von Nirvana schreiben Courtney Love immer noch den Tod ihres Gatten zu, die anderen finden die gute Frau einfach nur peinlich und der Rest, ja, man muss schließlich doch zugeben, dass Hole bisher schon den ein oder anderen tollen Song geschrieben haben.


Das Artwork des Albums ist von reisserischen Zügen geprägt, Mädchen im Stil der 20er Jahre, gleichzeitig blutendende wie glitzernde Pumps und eine psychopathische Puppenarmee. Ebenso pathetisch fällt der Text im Booklet aus, dieses Album sei vor allem für alle elternlose Kinder und für so ziemlich alles andere, für das es sich einzustezen lohnt, verpackt in poetischen Wörtern und gothischen Lettern. Das entlockt erstmal den ein oder anderen Stoßseufzer beim Auspacken.

Frisch in der Anlage ertönen erstmal deutlich aggressivere Töne, als man es von dem letzten Album kennt. Der Rock steht allen Anscheins nach wieder mehr im Vordergrund und Courtneys etwas verbrauchter klingende Stimme schreit wieder wie in alten Zeiten. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden, doch beim ersten Durchhören bleibt von den ersten drei Songs nicht überragend viel hängen. Immer das gleiche Muster, Distortion Guitar, ein bisschen Schlagzeug und der kraftvolle Gesang, der stellenweise in Schreien ausartet. Ab der Hälfte nimmt die Qualität der Songs allerdings deutlich zu, da gibt es zum Glück Songs wie For Once In Your Life oder Pacific Coast Highway, wo man wieder merkt, dass Hole auch oder gerade bei den ruhigeren Seiten ihre Qualität beweisen. Letzterer könnte sogar fast mit der Liga alter Hits wie Malibu mithalten.

Positiv ausgedrückt könnte man sagen, "Back to the roots", Hole sind wieder näher an den Grunge-Rock wurzeln dran, an Inhaltsstarken Texten und Idealen, für die sie sich einsetzen. Musikalisch allerdings betrachtet wirkt das Gesamtkonzept von Nobody's Daughter ein bisschen als wäre die Band in ihrer Midlife-Crisis. Die Mädchen von damals, deren Wut Organ Hole einst waren, sind inzwischen erwachsen geworden. Hole wirken oft leider nicht so. Wo das vorherige Album zwar schon ziemlich im Pop hängen geblieben ist, aber deutlich interessantere Melodien und viel mehr Einfallsreichtum sowie Gelassenheit bewiesen hat, ist man mit dem neuesten Werk leider einen kleinen Schritt zurück gegangen. Florian Tenk

 

VÖ: 30.04.10




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