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Hot Chip: Made In The Dark
Monday, 11 February 2008 13:00
Endlich wieder mal ´ne neue Scheibe: Hot ChipFünf Jungs von der Insel, ein Stapel bunter Brillen und die kreative Macht, popkulturelle Leitlinien aus den Angeln zu heben: das sind Hot Chip. Nach dem halbwegs homogenen The Warning schenkt uns die Nerd-Clique um Chefdenker Alexis Taylor ihren stilschrottenden dritten Longplayer Made In The Dark. Ein Muss, meint Christoph vom LAXMag.

 

Zum Reinhören: Made in the Dark

 

Zwölf Songs und doppelt so viele Musikrichtungen, sie alle aufzuzählen wäre müßig. Nur soviel: das Hot Chip-Elektropop-Pflänzchen schlägt Wurzeln im Rock’n’Roll und in schwarzen Einflüssen aus Funk, Soul und R’n’B. Heraus kommt eine Platte, die an Diversität kaum zu überbieten ist. Astreine Popsongs stehen neben zärtlichen Balladen und dem ein oder anderen spackigen Floorfiller. Vielleicht hat sich Alexis Taylor ja von einer Namensgenossin inspirieren lassen: Die ist eine Amerikanerin mit Riesenbrüsten und wasserstoffblondem Mittelscheitel, die in einschlägigen Filmchen mitspielt. Zufall?

 

Made In The Dark ist zwar keinen Deut subtiler und locker so sexy wie die dralle Alexis, aber irgendwie doch ein ganz anderer Typ. Wenn Made In The Dark ein Mädchen wäre, sie wäre Mitte zwanzig und phantastisch bunt angezogen. Sie würde in irgendeinem verrauchten Drecksloch die Nacht durchtanzen und im Morgengrauen mit einer ihrer ebenso aufregenden Freundinnen bei Burger King rum mantschen. Beim Bier holen an der Bar könntest du sie locker anquatschen und selbstverständlich macht sie irgendwas mit Kunst oder Literatur. Weil das cool ist und viele Talente erfordert. Doch solch hilflosen Smalltalk würde sie nicht einmal aus ihrem eigenen Mund hören wollen. Stattdessen würde sie zurück zur Tanzfläche hopsen, selbstvergessen und doch präsent, die Atmosphäre des Moments auslotend, und einfach erfolgreich dabei aussehen.

 

Die Einladung, sich in diesem sehr cleveren und teils gewollt geistlosen Glanz zu sonnen, folgt auf dem Fuße. Shake A Fist, Nummer zwei der Hot Chip-Platte, ist eine am Computer programmierte Aufforderung, die Sau raus zu lassen. Der technoide Urschrei verliert sich gegen Ende des Tracks in eine marschierende Synthiewelle, die die Gelenke auf Drehzahl bringt und doch Platz für Erwartungen lässt. Danach: Die Singleauskopplung Ready For The Floor, ein Kommentar erübrigt sich.

 

Mit Hold On und Don’t Dance setzt sich der gar nicht so gepflegte Tanzflächensport fort, bis die Briten mal ein wenig Geschwindigkeit rausnehmen. Besonders erwähnenswert ist der Titelsong des Albums, Made In The Dark, eine hauchzarte Soulballade über die Kluft zwischen Sex und Liebe. Mehr Leben kommt dann wieder in einem der schönsten Popsongs der Platte. One Pure Thought ist ein elektropopmutiertes Rock’n’Roll-Monster, traumverloren und verwegen zugleich. Genau der Song, den du hören willst, wenn du neben unserem „Made-In-The-Dark“-Mädchen in den Sonnenaufgang blinzelst. (Christoph Völkl)


Vö 01.02.08


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