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Tomte: Heureka
Saturday, 11 October 2008 21:45

Heureka - schwere Kost zwischen den SchulternTomte haben mit Heureka ein neues Album veröffentlicht, das erwartungsgemäß von der gemeinen Indie-Presse bejubelt wird. Unser Redakteur Dominik kann der Platte aber nur wenig abgewinnen und wartet lieber auf die nächste CD.

 

Weil die Zeit sich so beeilt – nicht nur der Titel eines Songs von Olli Schulz, sondern auch ein Zitat aus dem neuen Album Heureka und zugleich einer der Kernsätze, der den musikalischen Erguss der Band beschreibt.

 

„Denn wenn die Zeit sich schon so beeilt, dann soll Heureka wenigstens lange bei den Hörern zum Reifen benötigen und nicht sofort wieder wegen Übersättigung aus den Köpfen verschwinden“ – das in etwa könnte sich Thees Uhlmann beim Komponieren gedacht haben. Beim ersten Anhören klingt die Platte sperriger als alles, was der Fan gewohnt ist und er benötigt ein paar Durchgänge, bis er sich in der neuen Tomte-Villa zurecht findet – wenn er nicht vorher wieder verwirrt hinausläuft.

 

Das Punk-Geschrammel aus alten Tagen ist endgültig in der Rumpelkammer des Hauses verschwunden, höchstens der Rausgeher Dein Herz Sei Wild erinnert an jugendlichere Zeiten der Band, die sich nun aber mittlerweile auf die Terrasse zum Rotweintrinken verzogen hat. Tomte sind erwachsen geworden, schließlich sind die Mitglieder jenseits der Dreißig – und da lässt man es eben gediegener angehen. Die Erzähl-Geschwindigkeit hat sich reduziert, die Musik ist ruhiger geworden und weniger tanzlastig. Auch die Mitsing-Parolen für die feierwütigen Fans sind komplexer, länger, holpriger und nicht sonderlich eingängig.

 

Nur wenige der Verse reimen sich, was die Texte bedeutungsschwanger macht und ihnen mehr Pathos verleiht, als es beispielsweise auf Buchstaben über der Stadt noch der Fall war. Der Höhepunkt der predigenden Gesangskunst ist bei Stücken wie Der letzte große Wal und Das Orchester Spielt Einen Walzer erreicht. Keine schlechten Lieder, die jedoch etwas eigensinnig rüber kommen. Da haben die Jungs ihre Zimmer ungewöhnlich eingerichtet, denn man benötigt eine Zeit, um sich darin wohl zu fühlen.

 

Highlights der Platte sind Küss Mich Wach, Gloria, Du Bringst Die Stories (Ich Bring Den Wein), und das gefällige Nichts Ist So Schön Auf Der Welt, Wie Betrunken Traurige Musik Zu Hören. Auch dieses Lied passt in das neue Zeitgefühl der Band: Es dauert drei Minuten, bis sich das Stück entfaltet, Tomte uns durch einen langweiligen Korridor ihrer Villa führen und wir in einem prunkvollen Raum landen.

 

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass die Titel der Lieder extrem lang sind. Da schimmert die Hamburger Schule durch, der die meisten Bands von damals den Rücken zugekehrt haben. Es scheint so, als ob Uhlmann das Heimweh plagt, er die Zeit zurückdrehen möchte und sich nach der Hansestadt sehnt. Wie Sieht’s Aus In Hamburg fragt Thees. Hamburg – der Ort, in dem er noch Lieder für wilde Partys in Kellerräumen geschrieben hat. Mittlerweile sitzt er in Berlin und man kann nur hoffen, dass er dort eines Tages wieder den Weg von der Terasse in das Untergeschoß entdeckt und zu alter Stärke zurück findet.

 

Sicherlich ist Heureka kein ganz schlechtes Album, aber auch kein gutes. Es fehlt der Platte die Leichtigkeit der früheren Auskopplungen. Große Hits wie Schreit den Namen Meiner Mutter, Die Schönheit der Chance und Ich sang die ganze Zeit von dir fehlen leider komplett. Hoffentlich beeilt sich die Zeit bis zur nächste Platten, auf der Thees beweisen kann, ob er es noch drauf hat. (Dominik Hoferer)

 

VÖ 10.10.2008




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