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Morning Boy: For Us, The Drifters. For Them, The Bench
Wednesday, 17 September 2008 01:00

Morning Boy in der KritikIn Interviews, die sie noch gar nicht so lange geben, sagen die Debütanten von Morning Boy, dass ihre Songs vom Loslassen handeln, von der Romantik, sich treiben zu lassen. Die vier Jungs der Indie-Rock-Combo aus der Nähe von Frankfurt waren mal unter anderem Namen unterwegs, darüber möchten sie aber nicht mehr verraten. Warum auch, die Zukunft liegt hell und klar vor ihnen, denn derzeit erzielen Jörg, Christian, Patrick und Arrigo mit ihrer Debüt-EP For Us, The Drifters. For Them, The Bench viel Aufmerksamkeit.

 

 

Die sechs Titel, die sie zum kostenlosen Download auf ihrer Website anbieten, zeugen von ihrer lässig bis melancholischen Attüde, eben vom freien Driften durch Raum, Zeit und Sound. 

Wenn man auf ihrer Homepage nachschaut, von wem sie diese souveräne Pose wohl haben, staunt man nicht schlecht, denn wer hätte es gedacht, auf der Playlist der Anfangzwanziger findet sich nahezu das komplette ABC aller altehrwürdigen Rock- und Popikonen, von den Beatles und David Bowie über Joy Division und Sonic Youth bis zu Velvet Underground und Frank Zappa.

Die Inspiration durch diese musikalische Ahnengalerie hat der Kreativität von Morning Boy sicher keinen Abbruch getan, sondern ihr Debüt vielmehr um eine überzeitliche Dimension erweitert. Da wäre der Opener All your sorrows, der sich in die Weite dehnt, ein bisschen Pop, eine winzige Prise Wave, aber vor allem eine expressive Gitarre, ein markantes Schlagzeug und unter der neckischen Melodienfolge einen herzzerreißend wehmütigen Unterton.  Monumentalen Klang, sphärisches Echo, auch hier tänzelnde Melodien und Mehrstimmigkeit – das alles vereint Rebels, das nicht etwa zornig die erhobene Faust schüttelt, sondern die Tagträumer zu den wahren Rebellen erklärt.

Das Highlight der Platte ist sicher Maryland: Keine Frage, man kann sich diesen Song schon heute in den einschlägigen Szene-Clubs vorstellen, wie er zur besten Stunde von den Wänden widerhallt, kann sich die tanzenden Menge dabei denken, die Blicke voller Euphorie auf den Mirrorball geheftet. Der fulminate Chorus schafft Instant-Gänsehautgefühl und wird nicht umsonst mit den Hits von Placebo verglichen. Zum seligen Abheben!

Kaum zu glauben, dass Morning Boy ihren überzeugenden Erstling in Eigenregie aufgenommen haben. Sie brauchten sechs Monate im heimischen Proberaum dafür, neben Gitarre, Basse und Schlagzeug kam auch mal eine Bierflasche als Instrument zum Einsatz, nämlich beim Einzählen zum Song Seventh hymn for the lost in details, dessen Kopfnote ein heiteres Schwingen ist,  im Herz mit etwas mehr Bass grollt und dank psychodelischer Kopfstimme und Gastsängerin einen schwerelosen Abgang hinlegt.

Komplexer geht es kaum noch. Ein spannendes Experiment ist auch das Saxophon-Instrumental Welcome along this road, der wie ein Smoothie für den Gehörgang wirkt  –  samtweich und ganz kurz. Danach befindet sich For us the drifters. For you, the bench zu heiteren Gitarrenklängen, die an das Intro des Cardigans-Schlagers Kiss me erinnern, noch einmal in freien Fall: Whatever beendet das träumerische Treiben von Morning Boy. Träumen dürfen Fans von frischen Indie-Bands auch jetzt schon vom kompletten Album der Morning Boys, das 2009 auf dem renommierten Label Waggle-Daggle erscheinen soll. Petra Schönhöfer

 

(VÖ 27.04.08)




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