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Tarwater: Spider Smile
Monday, 30 July 2007 21:56

Tarwater auf laxmag.deFür WG-Küchen-Aufschneider oder einsame Autofahrer: Das Album Spider Smile von Tarwater ist vielseitig verwendbar. Findet zumindest unser Redakteur Alex Neumann

 

Tarwater ist so eine Band mit der es sich prima angeben lässt. Mit einem kurzen, „Ich mag das neue Tarwater-Album", genuschelt zwischen einem Happen Weichkäse und einem Schluck Rotwein, kann man sich auf jeder WG-Party eine leicht intellektuelle Aura verschaffen. Übersetzt bedeutet der Satz: Hey, ich kenne mich auch in der Elektronik-Szene aus und bin nicht nur Emo-, Indie -, enge Hosen- und Nerd-Brillen-Kenner, sondern weiß auch Qualität zu schätzen. Die Frage ist nur: Wie viele von den Typen, die dir erzählen sie finden Tarwater toll, hören sich Tarwater auch an?

 

Es ist nicht gerade leicht, sich mit dem Output des Berliner Duos anzufreunden. Auch mit dem neuen, relativ poppig ausgefallenen Album Spider Smile gelingt das nicht auf Anhieb. Zu sehr plätschert vieles vor sich hin, ohne dabei Wohlgefühl zu erzeugen, wie man das von vielen anderen Elektronik/Ambient-Acts gewohnt ist. Da sind diese Gesangsmelodien bei denen man sich fragt, warum sie so wenig Farbe haben. Immer wieder kommt eine zweite Stimme dazu, doch alles was sie tut, ist unter das monotone Grau noch eine Schicht Schwarz zu packen. Da wird im Hintergund von Arkestra ein Küchenmixer angeschmissen, was weder neu ist, noch den Track interessanter oder gar besser macht. So was hört man sich nicht eben mal beim Fenster putzen am Wochenende an. Die Musik von Tarwater ist dunkel, sie ist hypnotisch und sie entfaltet ihre Wirkung nur in bestimmten Stimmungen - dann aber richtig.

 

Nachts im Auto, kurz vor dem Morgengrauen: Die drei Mitfahrer schlafen. Die letzten 200km nach dem Brenner musst du alleine durchhalten - und Spider Smile entpuppt sich als Offenbarung. Denkst du bei Shirley Temple noch an David Lynch, wird es bei World of things to touch langsam hell. Lower Manhatten Pantoum wird zum Soundtrack des unwirklichen Zwielichts und zu When Tomorrow Comes geht schließlich mit Glanz und Leichtigkeit die Sonne auf.

 

Wenn die anderen aufwachen, hast du bereits dein T-Shirt vom Tied & Tickled Trio-Konzert angezogen und erzählst ihnen bei einer Tasse Kaffee erstmal, wie gut dir das neue Tarwater-Album gefällt. Ob du es dir jemals wieder anhörst? Vielleicht auf der Rückfahrt. (Alex Neumann)


VÖ 20.04.07




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