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Fall Out Boy: Folie à Deux
Wednesday, 10 December 2008 15:39

Fall Out Boy bescheren uns zur Weihnachtszeit mit ihrem neuen Album Folie à Deux. Warum es ratsam ist, beim Abspielen der Platte einen Taschenspiegel parat zu haben, weiß LAXMag-Redakteurin Eva.

 

Fall Out Boy lag viel daran, das Album Folie à Deux, dessen Termin bereits einmal verschoben wurde, noch in diesem Jahr herauszubringen. Nun liegt es pünktlich zur Weihnachtszeit in den Plattenregalen und hoffentlich auch unterm Weihnachtsbaum. Denn dieses Album der vier Punkrocker aus Chicago sollte sich der geneigte Fan bestechender Gitarrenriffs zu sozialkritischen Texten nicht entgehen lassen.

 

Auch wenn die Herren sich mit diesem Album noch einmal deutlich von ihren eigenen Anfängen weg entwickeln, erheben sie keineswegs altklug den Zeigefinger. Zynisch sind sie, aber auch zuversichtlich. Politisch anklagend und doch persönlich. Was beim ersten unbedarften Hören wie massenkompatibler Großraumdisko-Rock klingt, verbirgt im Inneren anspruchsvolle Inhalte, der genau das anklagt: Die Menschen lechzen nach Oberflächlichkeiten, die Gesellschaft wird von Celebrity-Wahn und Stumpfsinn unterwandert: Folie à Deux - Kollektiver Wahnsinn!

 

Schon in der ersten Single I Don't Care - die Glamrock-Hymne mit dem überdimensionalen Klangteppich - schreit Sänger Patrick Stump dem taubblinden Einheitsbreikonsumenten entgegen:


I don't care what you think,
As long as it's about me
The best of us can find happiness
In misery

 

Ihre ironischen Aussagen verpacken Fall Out Boy abwechslungsreich in ganz verschiedene Kompositionen: Mal lassen sie das Erbe der Beatles (America's Suitehearts, 20 Dollar Nose Bleed) harmonisch melodisch aufleben, dann wiederum halten sie die seit dem Album Infinity On High neu gewonnenen HipHop-Fans mit Songs wie Tiffany Blews bei Laune. Dabei werden sie von Lil´ Wayne, einem der grandiosesten Rapper unserer Zeit, unterstützt. Funky wird's bei der eingängigen Nummer w.a.m.s., bei der Pete Wentz und Co. von The Neptunes gemeinsam Mikrofon und Tanzbein schwingen. Funk, Rock und Klavierklänge finden außerdem in dem monumentalem Musikstück mit dem endlosen Titel Headfirst Slide Into Cooperstown On A Bad Bet stimmig zusammen, ohne überladen oder vollgestopft zu klingen. Im Gegenteil: Der Song ist von enormer orchestraler Größe und eine prachtvolle Komposition.

 

Ein absoluter Ohrwurm mit Suchtfaktor, der sich langsam aufbaut, um zu einem der beeindruckendsten Stücke von Folie à Deux zu werden, ist What A Catch, Donnie: Die Gästeliste des Songs liest sich wie das Line-Up eines Indie-Rock-Festivals der Gegenwart: Elvis Costello, Brendon Urie (von Panic At The Disco), Travis McCoy (von Gym Class Heroes), Alex deLeon (von The Cab) und William Beckett (von The Academy Is) haben sich da zum Jammen dazu gesellt. Mit jeden Namen beschleicht einem mehr und mehr das Gefühl eine ganz große Party verpasst zu haben.

 

Gemäß dem Motto "Folie à Deux" lässt sich zusammenfassen: Man muss einfach durchgeknallt sein, um so ein Album machen zu können. Genie und Wahnsinn liegen im Falle von Fall Out Boy ganz nah bei einander und nur große Künstler können solche Lyrics texten und derartige Klangteppiche weben.

 

Ach ja, der Taschenspiegel: Den braucht man um die Songtitel auf der CD-Hüllen-Rückseite lesen zu können. Die sind nämlich in Spiegelschrift gedruckt - ist ja schließlich eine Rückseite. Wie gesagt: "Folie à Deux" - jede Menge Unsinn im Kopf. Eva Deinert

 

VÖ: 12.12.2008




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