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Itchy Poopzkid: Dead Serious
Tuesday, 20 January 2009 16:20

Itchy PoopzkidLächelnd wird dem Betrachter des neuen Albums der Mittelfinger entgegen gestreckt und somit noch vorm ersten Hören klargestellt: "Hallo, hier handelt es sich um Punk in Reinform!" Und das meinen Itchy Poopzkid "Dead Serious". Redakteurin Eva Deinert hat reingehört.

 

Im Video zur ersten Single The Living treiben Itchy Poopzkid den Schauspieler Tim Eberts fast in den Wahnsinn, indem sie ihn regelrecht verfolgen: Itchy Poopzkid sind einfach nicht wegzudenken. Das gilt fürs Video, wie für die deutsche Punk-Rock-Szene. Dead Serious ist bereits das dritte Album der Band.

 

Als erste Single hätten sich die drei Schwaben keinen besseren Song wählen können, denn The Living ist beispielhaft für die ganze Platte: tanzbar, fröhlich, leicht poppig angehaucht, eingängig und absolut melodisch. Dead Serious kann man also nur ironisch lesen, denn die Ernsthaftigkeit, mit der Itchy Poopzkid ihren Punkrock noch auf Time to Ignite runtergeschrammelt haben, ist hier einer beneidenswerten Leichtigkeit des Seins gewichen. So ist Never Be The Same (The Sane) ein gelungener Opener, für 45 Minuten auf Platte gepresste gute Laune, die Lust auf die kommende Festivalsaison macht.


Dabei wird das Album nie eintönig oder langweilig, sondern überrascht durch seine Vielseitigkeit. Itchy Poopzkid sind bunter, experimentierfreudiger und innovativer als auf dem Vorgänger, trauen sich schon mal an Rockballaden wie The Lottery oder an für sie neue Instrumente wie Piano (Crazy Eyes) oder gar Akkordeon (Wainting for the Waves). Doch bei allem, was sie ausprobieren, nehmen sie sich nicht allzu ernst, sondern bleiben mit einem ironischen Zwinkern einfach sie selbst, was sie in The Lottery auch mit der Textzeile "I must admit I have never won the lottery maybe just because I never played" unterstreichen. Während Itchy Poopzkid auf Say Hello versöhnliche Töne anschlagen und zur sozialen Interaktion aufrufen, stellen Sibbi, Panzer und Saikov auf Pretty Me fest: "It is pretty amazing to see, how boring it is to be me". Einige Stücke klingen ganz nach den typischen High School Abschlussball Bands, wie man sie aus amerikanischen Teenie-Filmen kennt.

 

Die Songs Drogenfrau und As Long As I Got Chords seien als Anspieltipps ans Herz gelegt. Während ersterer auf jeden Fall Live-Stärke und Single-Potential besitzt, ist letzterer einer der überraschendsten Songs der Platte. Kein anderer hat diese enorme Kraft resultierend aus einem großartigen Spannungsbogen, der sich von einer Rockballade in einen Gitarrenkracher entwickelt - eine überaus gelungene Ode an den Punkrock.

 

Jeder der leichtfüßigen 14 Songs strotzt vor Humor, Witz und Selbstironie. Und so macht das Album Spaß, weil es Itchy Poopzkid ganz offensichtlich Spaß gemacht hat. Sie vertreten genau die Haltung, die einem auf dem Cover entgegenlacht: „Fuck off, es ist egal, was du denkst, wir machen, was wir wollen!" - und das leben sie mit viel Leidenschaft! Auch wenn man vielleicht die Innovation des Albums in Frage stellen könnte und einige Ideen schon mal gehört hat - sei es bei Good Charlotte, Panic! At the Disco oder bei den Donots - so sollte man sich doch etwas von der Haltung der drei Eislinger abschauen und das Ganze nicht allzu ernst nehmen. Hier gibt es soliden Punkrock, der mal nach Power-Pop klingt, dann wieder nach Gitarrenrock. Und am Ende ist es doch ganz innovativ - und Punk - einen geklauten Einkaufswagen kurzerhand als Instrument umzufunktionieren (Last Goodbye).

 

Dead Serious gehört vielleicht nicht ins Regal der All-Time-Klassiker, aber es macht sich ganz wunderbar im Autoradio auf dem Weg zu den Festivals dieses Sommers!

 

VÖ: 23.01.2009, auch auf Vinyl!

 

Eva Deinert

 

 

 




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