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The Prodigy: Invaders Must Die - das Streitgespräch
Wednesday, 11 March 2009 01:00

Geliebt und gehasst: The Prodigy - Invaders Must DieEine Platte - zwei Meinungen: An The Prodigys neuem Album Invaders Must Die scheidet sich die LAXMag-Redaktion. Eva Deinert und Nina-Carissima Schönrock nehmen die Platte ganz unterschiedlich wahr - und sind sich einig: Es ist auch besser so.

 

CONTRA: Missratene Zeitreise

 

The Prodigy sind zurück! Der Reunion-Wahn macht also auch vor dem Punkrave der 90er nicht Halt. In Anbetracht der Tatsache, dass vor einer Dekade auch bei mir so manche Party mit wildem Ganzkörpertanz und Gliedmaßen-in-die-Luft-werfen im Rhythmus zu Firestarter ihren Höhepunkt erreicht hat, ließ mich die ganze Euphorie vor Erscheinen des neuen Albums nicht kalt. Als es dann endlich seinen Weg zu mir gefunden hat, sollte eine dreistündige Autobahnfahrt der perfekte Anlass sein, Invaders Must Die in einem Ruck durchzuhören.

 

Nun, was soll ich sagen: Ab Lied Nr. 4 habe ich im Minutentakt auf meinen Ipod gestiert, in der Hoffnung das Ende der Platte sei nun umhimmelswillen bald erreicht. Doch es sind 13 Tracks, meine Qual unvorstellbar. "Halte durch, versuch noch einen Song! Du bist schon bei Track 9 - nur noch vier Songs!", sagte ich mir. Jeder Motivationscoach wäre stolz auf mich gewesen. Und doch: Ich hab es nicht geschafft! Nach Track 11 war Schluss für mich und die Platte. Seither hat sie auch nicht mehr den Weg in meinen CD-Player gefunden.

 

Vielmehr ist mein Verhältnis zu ihr wie zu einem Lebensmittel, an dem ich mir den Magen verdorben habe: Ich kann einfach nicht mehr ran. Ich will es versuchen, ihm noch eine Chance geben, aber es klappt einfach nicht. Mir stellen sich die Nackenhaare auf. Invaders Must Die ist - vor allem nach dem euphorischen Jubelgesang, der vor Erscheinen der Platte die Runde machte - eine große Enttäuschung: Langatmig, umständlich, langweilig, quälend. Ohne Höhepunkte, ohne neue Ideen und die alten Ideen nicht mal in einen Mantel aus neuer Spritzigkeit gehüllt. Seien wir ehrlich: Ein Song wie Firestarter funktioniert eben nur einmal in der Geschichte - und das war in einem anderen Jahrhundert! Eva Deinert

 

 

PRO: Der gute Wille zählt

 

Sie sind laut, sie sind wild und ja, sie sind in die Jahre gekommen. In den Neunzigern von Tanzwütigen verehrt und gefeiert, stehen The Prodigy mit ihrer aktuellen Platte Invaders Must Die im Kreuzfeuer der Kritik. Die Erwartungen an das Album hätten sich nicht erfüllt – aber ist das neue Album nicht vielmehr eine Trotzreaktion gegen die Erwartung aller, dass dieses Album anders werden müsste als alle anderen?

Zeit ihres knapp zehnjährigen Bestehens haben The Prodigy genau das abgeliefert, was sie am besten konnten: Ravigen, zerstörerischen Sound, gespickt mit charakteristischen Elementen der jeweiligen Musikepoche. Ob Techno, Drum´n´Bass oder Trip Hop, Alternative oder Punk – sie waren am Zeitgeschehen beteiligt und fügen sich mit ihrem neuen Album nun auch in die Vorhersage des 80er- und 90er-Jahre-Revivals ein. Sicherlich ohne richtig große Hits wie damals, dafür aber mit neuen Ideen und einem durchaus hörenswerten Run With The Wolves.

Sänger Keiths Argument für die neusten Ergüsse der Band: Sie hätten den Rave-Sound erfunden und somit jetzt auch ein Anrecht darauf, ihn wieder zu benutzen. Dafür spricht die hochkarätige Unterstützung, die The Prodigy derzeit bekommen. Bloc Party und Kasabian greifen für ihre neusten Werke in die Prodigy´sche Trickkiste, James Rushent von Does It Offend You, Yeah? und Dave Grohl haben sich aus lauter Überzeugung vom neuen Material gleich aktiv an den Aufnahmen zu Invaders Must Die beteiligt.

Der Mainstream-Erfolg scheint hierbei nur eine Nebenrolle zu spielen. Auch Bands wie Depeche Mode oder die Smashing Pumpkins können lange nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen – versuchen sich aber stets wieder in neuen Erzeugnissen und sorgen damit für ausverkaufte Hallen. Genau hier kommen wir zum wichtigsten Aspekt bei der Betrachtung der Platte: Es ist ein Album, das geschaffen wurde, um es live zu erleben – nicht für einsame Stunden am heimischen PC, sondern für die Bühne, den Großraumclub und überdimensionale Boxen. Und genau dort gehören The Prodigy auch hin. Nina-Carissima Schönrock

 

 

VÖ 20.02.09

 




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