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Reingehört: Neimo, Client, The Whitest Boy Alive
Wednesday, 18 March 2009 17:20

Reingehört: Neimo, Client, The Whitest Boy AliveDiesmal wird's bunt: Neimo aus Frankreich, Client aus Großbritannien und The Whitest Boy Alive aus Berlin stellen sich unserer Kritik. Wer's auch langfristig auf den IPod der Redaktion geschafft hat, erfahrt ihr hier!

 

 

 

 

 

 

 


Frankreich rockt auf Englisch: Neimo

Neimo: Moderne Incidental

VÖ: 27.02.09

 

Nach dem ersten unvoreingenommenen Hören, würde man denken: New Wave aus Amerika. Falsch gedacht! Neimo sind aus Frankreich. Jawohl, dem Heimatland von Edith Piaf, Carla Bruni und Serge Gainsbourg. "Moment mal!", würde man jetzt sagen. "Die singen doch auf Englisch! Dürfen die das denn?" Doch, kaum zu glauben, aber wahr, auch die patriotischen Sprachverfechter im Nachbarland haben Indie-Bands, die englisch singen.

 

Einen besseren Grund in Neimos Album Moderne Incidental reinzuhören gibt es eigentlich nicht. Denn ansonsten bestimmt den Franzosen so oft eigene vornehme Zurückhaltung die Platte. Nur einmal geht die französische Contenance flöten: In dem Song Lines mit wunderschöner Gitarrenmelodie ist ein herzliches "Fuck!" zu hören. Abgesehen vom ideenreichem Sprechgesang in Diamond Lane, dem musikalischen Märchen Peter & The Wolves oder dem süßliches Liebeslied Something in Common, fehlt der Indie-Pop-Platte weitestgehend der Pepp. Neimo sind dann doch nicht so frech, wie sie uns glauben machen möchten, obgleich mancher Song geradezu einlädt sich die britische Rotzlöffel-Attitüde anzueignen, die gewisse Bands aus dem Königreich zur Schau tragen.

 

 

 

Coolnes aus Großbritannien: ClientClient: Command

VÖ: 06.03.2009

 

Die unterkühlten Damen von Client aus Großbritannien, die sich nur Client A, Client B und Client C nennen, bringen nun schon ihre vierte Elektro-Platte heraus. Im Vergleich zum wesentlich herzlicheren Vorgänger Heartland, experimentieren die Damen auf Command mit eiskaltem Electro-Pop in Verbindung mit düsterem Gothic-Sound. Eine Idee, die sich zumindest bei den Songs Your Love is Like Petrol, Ghosts und Can You Feel auszahlt.

 

Von letzerem Song gibt es auf CD2 des Doppelpacks noch drei Remixe. Insgesamt scheint jedoch das von Sneaker-Pimp Joe Wilson produzierte Album nicht so recht ausgereift zu sein. Zu ähnlich und zu überladen klingen die Tracks und bilden insgesamt eine undifferenzierbare Masse, aus der einzelne Songs nicht so recht hervorstechen wollen. Minimal, das noch die ersten Alben bestimmte, ist auf Command verloren gegangen. Schade eigentlich, denn die Reduktion, die Minimal im Ursprung meint, wäre bei manchen Stücken (z.B. Lullaby, Satisfaction) ganz angebracht gewesen. Zumindest macht sich dieser immergleiche Beat im Kopfhörer beim Joggen ziemlich gut und mit dem Album auf dem Ohr ist man immerhin 36 Minuten unterwegs.

 

 

 

Besser kann der Frühling nicht klingen: The Whitest Boy AliveThe Whitest Boy Alive: Rules

VÖ: 27.02.2009

 

Rules heißt das zweite, in Mexiko aufgenomme Album der Berliner Band um Multitalent Erlend Øye und schließt nahtlos an das Erstlingswerk Dreams an. Angesichts des funkigen und minimalistischen Club-Sounds, der bei Rules rausgekommen ist, mag man kaum glauben, das eine der wichtigsten Regeln für TWBA war: Alle Songs werden live, in One-Takes eingespielt und zwar ausschließlich mit Bass, Schlagzeug, Gitarre und Keyboard. Verpönt sind Overdubs, Loops und andere Computerspielereien.

 

Indie-Pop, der nach feinster House- und Loungemusik klingt, ohne nachbearbeitet zu sein und mit minimalistischsten Werkzeug auskommt, zeugt von ganz großem Talent. Und tatsächlich: Rules geht schon mit den ersten Takten des Openers Keep a Secret direkt ins Blut und erzeugt dort Schwingungen, die sich in Fußwippen und Kopfnicken niederschlagen. Erlend Øyes unverkennbare Stimme erzählt entspannt und entspannend Geschichten aus dem Leben und von der Liebe und auch nach der 10. Dauerschleife lässt einen der Sound noch nicht los. Doch nicht nur musikalisch haben TWBA das richtige Gespür. Mit dem äußerst charmanten und liebevollen Artwork von Geoff McFetridge, der verschiedenste Regeln in Schwarz-weiß-Zeichnungen visualisiert hat, ist Rules zu einem unvergleichlichen, runden Gesamtkunstwerk geworden - und unser musikalisches Musthave des Frühjahrs.

 

Eva Deinert

 

 

 




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