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Manic Street Preachers: Journal For Plague Lovers
Friday, 22 May 2009 21:58

manicstreetpreachers_journalforplaguelovers.jpgJournal For Plague Lovers ist mehr als nur das neue Album der Manic Street Preachers. Die Waliser selbst möchten das Album lieber als Gesamtkunstwerk betrachtet sehen. Schließlich enthält es ausschließlich Texte des 1995 spurlos verschwundenen Manics-Gitarristen Richey Edwards.


Kurz vor seinem mysteriösen Verschwinden verschenkte Edwards noch ein Notizbuch an seinen Freund und Bandkollegen Nicky Wire. "Die Genialität  und Intelligenz seiner Texte ließen uns einfach gar keine andere Wahl, als sie  irgendwann zu verwenden," sagt Wire heute.

Zum Konzept des Gesamtkunstwerks passt es auch, dass das Artwork wieder von Jenny Saville stammt, die 1994 bereits The Holy Bible illustrierte - jenes Album, mit dem Richey Edwards zum Inbegriff des selbstzerstörerischen Rebellen wurde und das die Geschichte der Manic Street Preachers mehr als alles andere geprägt hat.

Das Album-Cover ist jedoch bei weitem nicht die einzige Verbindung zwischen The Holy Bible und Journal For Plague Lovers. Beide Alben wurden ohne digitale Unterstützung nahezu live eingespielt. So kommt es, dass Journal For Plague Lovers sehr viel roher und aggressiver klingt als die letzten Produktionen der Manic Street Preachers.

Doch nur so kann die Band den wütenden, zynischen Texten von Richey Edwards gerecht werden. "If a married man fucks a Catholic/And his wife dies without knowing/Does that make him unfaithful?", fragt Edwards etwa in Jackie Collins Existential Question Time. Ein Text, der exemplarisch ist für die Gesellschaftskritik und Zukunftsangst, die sich durch das gesamte Album zieht.

Nicky Wire, James Dean Bradfield und Sean Moore bezeichnen sich auf Journal For Plague Lovers als Statisten und wollten kein neues Manic Street Preachers-Album im eigentlichen Sinne, sondern einen Soundtrack zu Richie Edwards Texten schreiben. Dabei ist ihnen jedoch ein kleines musikalisches Meisterwerk gelungen.

Aus jeder Note ist heraus zu hören, dass die drei dieses Album allein für ihren verschollenen Freund eingespielt haben und mit ganzem Herzen bei der Sache waren. Wenn James Dean Bradfield auf All Is Vanity Richeys Enttäuschung über die Oberflächlichkeit der Welt Ausdruck verleiht ("I would prefer no choice/One bread one milk one food that's all/I am confused and I only want the truth"), wird die Verzweiflung in seiner Stimme nahezu physisch greifbar.

Die Fans dürfen sich mehr als glücklich schätzen, dass die Manic Street Preachers sich letzlich entschlossen habe, Richeys letzte Werke zu diesem wunderschönen, emotionalen Album zusammen zu fügen. Denn obwohl die Texte schon 15 Jahre alt sind, haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren. Die alles beherrschenden Themen sind Liebe und Angst, Selbstzweifel und Rebellion: "Realise how lonely this is/Self-defeating oh fuck yeah/Drowned in love and false kisses" (Doors Closing Slowly).

Auch wenn bis heute die Umstände von Richeys Verschwinden nicht geklärt werden konnten, erscheint der letzte Song des Albums, William's Last Words, wie ein Abschiedsbrief. "Dreams they leave and die/I'm just gonna close my eyes/Think about my family/Shed a little tear" heißt es da. Der Text wurde mit einem traurig-schönen Streicherarrangement hinterlegt, und wenn der Song schließlich mit den Worten "I'd love to go to sleep and wake up
happy" endet, wird sich wohl der eine oder andere Hörer ergriffen eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Bettina Koch

 

VÖ 15.05.09




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