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Sebastian Lühn: Sommer Stück Berlin
Tuesday, 21 July 2009 22:16

Sommer Stück Berlin"Wir sangen 'Wir sind viele und wir sind zu zweit. Wir sind big in Berlin tonight'. Und Paula sagte, wenn sie zehn Songs auswählen müsste, die sie ihr ganzes Leben nur noch hören dürfte, dann wäre dieser dabei." Sebastian Lühn nimmt uns in seinem dritten Buch Sommer Stück Berlin mit in die deutsche Hauptstadt, in der eine ganze Generation ihr Glück sucht.


Zwei Menschen Ende zwanzig treffen sich "im heißesten Sommer seit..." in Berlin. Beide stammen aus der norddeutschen Provinz, beide hatten sie große Pläne und viele Wünsche, als sich ihre Wege nach dem Abitur trennten. Den namenlosen Ich-Erzähler hat es inzwischen nach München verschlagen, wo er dem vermeintlich perfekten Job nachgeht. Seine Schulfreundin Paula dagegen hat sich auf nach Berlin gemacht, um einen Traum zu verwirklichen, der noch nicht einmal klare Formen angenommen hat, und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Wir begleiten die beiden durch ein paar schwül-heiße Tage und lange Nächte mit viel Musik, Bier und Zigaretten und tiefen Gesprächen. Die Illusion vom zukünftigen freien Leben in der Großstadt, der sich die Freunde einst so gern hingegeben haben, ist längst einem zweckmäßig-angepassten Dasein in der Gegenwart gewichen. Für den Traum von Selbstverwirklichung und Veränderung lässt die allgegenwärtige Existenzangst keinen Platz mehr.

 

Sebastian Lühn beschreibt in Sommer Stück Berlin eindringlich die Situation einer Generation, die im Zeitalter der multimedialen Reizüberflutung mit zu vielen Möglichkeiten konfrontiert ist und eigentlich nur ein wenig Halt, ein wenig Glück sucht. Vor fast jeder Szene in diesem Buch steht ein gefühltes "eigentlich":

Eigentlich hat der Erzähler seinen Traumjob gefunden, und doch ist er einsam, ausgebrannt und auf der Suche nach Inspiration und Erfüllung. Eigentlich will Paula schreiben, die Menschen ansprechen, die Welt ein bisschen besser machen, doch ihr mangelt es an Durchhaltevermögen und Ehrgeiz. Eigentlich hätten beide die Möglichkeit, ihr Leben zu ändern und auf ihre Träume hinzuarbeiten, doch dazu fehlt ihnen der Mut.

Was bleibt, sind ziellose Streifzüge durch die Nacht, um den Schmerz der Gegenwart für kurze Zeit zu betäuben, die Zuflucht in der Musik, der desillusionierte Rückblick auf die Träume und Hoffnungen der eigenen Jugend, und der unerschütterliche Glaube, dass irgendwann, in naher oder ferner Zukunft, doch noch alles zumindest ein bisschen so wird, wie wir es uns einst vorgestellt haben. Bettina Koch

 

Das Video zum Buch:

 

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