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Nick Hornby: Juliet, Naked

Nick Hornbys Juliet, NakedEr hat es schon wieder getan. Nick Hornby schreibt abermals über Musik. Dass der Autor Musik liebt, wissen wir seit High Fidelity oder spätestens seit seinem 31 Song, einem Buch, in dem Hornby Geschichten zu 31 seiner liebsten Lieder erzählt. Nun also Juliet, Naked, wieder ein Roman, in dem Musik - genauer gesagt der Musiker Tucker Crowe - im Mittelpunkt eines großen Beziehungsgeflechts steht.

Tucker Crowe, in den 1980er Jahren ein halbwegs bekannter und gefeierter Folkmusiker, lebt seit über zwanzig Jahren völlig zurückgezogen. Nach seiner, von Fans und Kritikern gleichermaßen geliebten, letzten Veröffentlichung Juliet verschwindet er plötzlich von der Musikbühne. Der Musiker wäre sicherlich in Vergessenheit geraten, wären da nicht einige verrückte Fans, angeführt vom Überfan Duncan, die Tucker Crowe im Internet weiterleben ließen, seine Musik rückwärts abspielen, sämtliche Orte seines Lebens aufsuchen (so auch die Toilette auf der Tucker Crowe entschieden haben soll nie wieder Musik zu machen).

Eines schönen Tages bekommt Duncan Post von Tucker Crowes Plattenfirma, die Demos von Juliet gefunden haben und als Juliet, Naked veröffentlichen wollen. Doch nicht Duncan öffnet den Brief, sondern seine Lebensgefährtin Annie, die die CD somit auch als Erste hört. Annie findet sie schrecklich, kein Vergleich zur ausgeklügelten Endversion von Juliet. Duncan, enttäuscht und entsetzt, dass Annie zuerst Crowes neue Titel hört, verzieht sich samt Platte an den Strand des englischen Küstenkaffs, in dem sie leben, und erkennt in Juliet, Naked die beste CD seines gesamten Lebens.

Während Duncan auf seiner Tucker Crowe-Website eine komplimentstrotzende Kritik über die neuen Aufnahmen schreibt, macht Annie das genaue Gegenteil: Sie kontert mit einer Gegenkritik, in der sie das neue Machwerk zerreisst. Es kommt zum Streit zwischen Annie und Duncan, wegen Tucker Crowe und vor allem wegen der Frage, was sie in ihrem ungefähr 40-jährigen Leben und ihrer 15-jährigen Beziehung verpasst hat. Doch da meldet sich der echte Tucker Crowe via Email bei Annie, lobt ihre Kritik und alles nimmt seinen Lauf.

Nick Hornby erzählt Annies, Duncans und Crowes Geschichten parallel zu einander, mit Hilfe verschiedener Erzählstränge. Doch schon zu Beginn des Buchs ist klar, dass sich die Geschichten kreuzen werden. Während sich Annie und Duncan trennen, versucht Tucker Crowe sein Leben, geprägt von verschiedenen Kindern mit verschiedenen Frauen und einer ebenfalls gescheiterten Beziehung, wieder auf die richtige Bahn zu lenken. So ist zwar Musik der Antrieb des Romans, doch Beziehungen, kaputte und neue Lieben sind in Hornbys Roman mindestens so wichtig.

Nick Hornby schreibt über das, was er am besten kann: Das Zwischenmenschliche, Musik und wie beides zusammenhängt und sich voneinander nährt. Rebekka Schwarz



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