| Schreiner/Kolb: Indie Travel Guide |
Rock’n’Roll Tourismus! Keine Angst mehr vor spießigen Touri-Abzocker-Fallen, denn jetzt offenbaren Nada Surf, The Blood Arm, Voxtrot und und und persönlich ihre Insider zu großen und kleinen Reisezielen. Der Indie Travel Guide Amerika & mehr (zusammengetragen von Manuel Schreiner und Mirjam Kolb) ist so ein Buch, das man erst verschenken will und dann doch selbst behält. Neben diversen (Geheim-)Tipps gibt es nämlich auch noch ein paar ganz interessante Bands zu entdecken.
Okay, Musikkultstätten in NY und LA aufzuspüren ist vielleicht nicht so das Problem, aber wie sieht es in Milwaukee, Austin oder Springfield, Missouri aus? Da ist man dann schon recht froh, wenn die ein oder andere Band einen an der Hand nimmt und mit Unternehmungstipps regelrecht um sich rum wirft. So würdigen Death Cab for Cutie etwa auf sechs Seiten ihre Stadt Seattle, von Sehenswürdigkeiten über Museen, Clubs, Essen, bis hin zu den besten Platten- und Schuhläden. The Dresden Dolls schwärmen vom Banana-Stuffed Fench Toast in Boston und Richard Arthur McPhail von Tocotronic erzählt vom Hafen in Portland. Insgesamt über 80 verschiedene Bands lassen den Leser mit Fernweh so an ihren Lieblingsplätzen und Entdeckungen teilhaben.
Besonders reizvoll ist neben den amerikanischen Städten dann allerdings das „& mehr“ des Travel Guides. Dahinter verbergen sich spannende einheimische Bands aus Japan (Plastic Tree), China (Joyside), Australien/Neuseeland (Howling Bells), Südafrika (Cassette) und ein unübertroffener Beitrag von Crispian Mills (Kula Shaker) zu Vrindavan, Indien.
Grafisch ist das ganze sehr ansprechend aufgemacht: komplett in Farbe mit tollen Portrait- und Bandfotos und Zeichnungen (nicht selten von den Künstlern selbst beigesteuert) sowie Übersichtskarten. Ein schönes Kompendium und einen sehr authentischen Einblick in aktuelles Musikgeschehen und den Lifestyle unserer Zeit haben die beiden Autoren hier zusammengetragen. Höchstens auf ein paar der etwas platten Bildunterschriften könnte man ab und zu mal verzichten.
Gerade die persönlichen Geschichten und Bilder der Bands machen Spaß und heben den Travel Guide von anderen Individualreisebüchern ab. Da zeigt es sich mal wieder: Musiker sind auch nur Menschen, die gerne shoppen gehen, auf gemütliche Restaurants stehen und sich dem Mainstream entziehen. Ein schönes Gefühl, zu wissen wie global der „Indie-Unabhängigkeits-Gedanke“ doch ist. So rutscht man auf dem virtuellen Sofa etwas enger zusammen und stellt sich vor, wie man bei einem Feierabend-Bier mit den Strokes im Black&White, NYC, über die neuesten Trends quatscht. Denn schließlich hängen die dort ja ständig rum, wie Mister Albert Hammond Jr. verrät.
Die Fakten: 500 Seiten voller Land-und-Leute-und-Musik-Geschichten, erschienen im Rockbuch Verlag, erhältlich für ca. 20 Euro, und wen es nicht ganz so weit in die Ferne zieht, kann auch erstmal mit dem ersten Band Indie Travel Guide UK & Europa loslegen. Mirjam Miethe
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