| Almost Famous in der Filmkritik |
| Thursday, 23 August 2007 19:51 | |||
Elaine Miller ist Hochschulprofessorin und allein erziehende Mutter mit Grundsätzen. Zucker und weißes Mehl sind Teufelswerk, und Weihnachten feiert man im September, da ist es weniger kommerziell. Was ihre aufmüpfige Tochter Anita braucht, ist Bildung, und der hoch begabte Filius William wird eines Tages am besten im Jurastudium aufgehoben sein. Was um alles in der Welt hat das mit Rock'n'Roll zu tun?
Almost Famous von Regisseur Cameron Crowe ist eine Hommage an die Rockmusik der siebziger Jahre und an ihre Fans, die "ein albernes Stück Musik oder eine Band so sehr lieben, dass es weh tut". Es ist eine Coming-of-age-Komödie und vielleicht der süßeste Musikfilm aller Zeiten. Er beschwört das Business, wie es angeblich mal gewesen ist, und man mag Cameron Crowe seine autobiographisch inspirierte Geschichte vom guten Rockmusiker nur zu gerne glauben. Er selbst hat als Teenager die Allman Brothers begleitet und darüber seine erste Titelgeschichte im Rolling Stone geschrieben. Viele Episoden des Films beruhen angeblich auf wahren Begebenheiten, und während der Abspann üblicherweise darauf verweist, dass alle Figuren frei erfunden sind, macht er ausgerechnet bei der exzentrischen Protagonistin Penny Lane eine Ausnahme: Für sie gibt es ein lebendes Vorbild, sogar eins mit eigener Webseite (www.pennielane.com).
Denn natürlich ist Almost Famous auch eine Liebesgeschichte. Es braucht nur Sekunden der bei der ersten Begegnung mit Groupie, Verzeihung: Band Aid, Penny Lane und William ist futsch. Wer mag es ihm verdenken, dieses ätherisch leichte Lockenwesen, dass mit einem Werkzeugkasten statt einer Handtasche herumläuft, ist quecksilbern, undurchsichtig und somit unglaublich begehrenswert. Kate Hudson spielt Penny mit dem rührendsten Mädchengesicht seit Audrey Hepburn und einem faszinierenden Ausdruck zwischen Verlorenheit und tiefem Wissen in ihren blauen Augen. Als hätte William nicht schon genug Probleme, die chaotische, sich Tag um Tag verlängernde Tournee vor seiner Mutter zu rechtfertigen, hat auch diese Liebe einen Haken: Penny hat ihr Herz längst an den ungezähmten Leadgitarristen der Band verloren. Und wer Billy Crudup, der für den Film Gitarre spielen von Peter Frampton lernte, als Russell Hammond in enger Schlaghosen und mit wilder Mähne sieht, versteht, warum William zunächst nur der gutmütige Trottel für die Lady ist...
Wenn man Almost Famous nun eine Wertung geben soll, weiß man nicht, wo man anfangen soll. Das Cast ist von Nachwuchstalent Patrick Fugit bis zum kleinsten Nebendarsteller perfekt. Und was bereitet mehr Vergnügen, der Soundtrack mit Titeln von The Who über die Beach Boys bis zu David Bowie, die herzzerreißende Lovestory oder die urkomischen Dialoge wie das völlig absurde Telefonat zwischen Williams Mutter und Rockstar Russell? Die Kritik hat Crowes zauberhaftes Musikmärchen, das einen Oscar für das beste Drehbuch erhielt, mit Filmen von Francois Truffaut oder Billy Wilder verglichen und damit ungewöhnlich wohlwollend beurteilt. Am besten aber hat es Peter Travers, selbst vom Rolling Stone Magazine, ausgedrückt: "If you haven't already sold your soul to Rock'n'Roll, Almost Famous should seal the deal." (Petra Schönhöfer)
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