| The Doors in der Filmkritik |
| Friday, 07 September 2007 20:09 | |||
„Das längste Musikvideo der Welt" - so nannte die Schriftstellerin und Jim Morrison-Geliebte Patricia Kennealy abfällig Oliver Stones Film The Doors. Und reihte sich damit ein in die lange Schlange von Kritikern des Werks, zu denen beispielsweise auch Morrisons Bandkollege Ray Manzarek gehört. Ob von eingefleischten Fans, Journalisten oder Menschen aus dem privaten Umfeld des Sängers und Dichters, immer wieder musste sich der Regisseur den Kommentar gefallen lassen, dass er die Rocklegende Morrison nicht richtig dargestellt habe. Wie aber stellt man eine Rocklegende richtig da? Wie biografiert man einen schillernden Mythos, um den sich durch die Jahre hinweg immer neue Anekdoten und Gerüchte ranken? Wie bekommt man die feinstoffliche Aura einer Musikikone vor die Kamera?
Oliver Stone hat sich entschieden, und zwar dafür, die Legende Morrison nicht zu entmystifizieren. Seine gefilterten düsteren oder blutunterlaufen rotstichigen Bilder berauschen und in Szenen voller Symbolik verschwimmt das Meer der biografischen Daten mit dem Horizont von Morrisons Lyrik. Gerade noch probte er im Licht durch fluteten Strandhaus mit der Band, schon feiert er einen von Kokain befeuerten Hexensabbath. Die Temperatur steigt, der Rhythmus zieht an. Bald verliert sich die übergeordnete Erzählinstanz, die die Lebensgeschichte von jenem Autounfall, bei dem ihm angeblich die Seele eines sterbenden Indianers zuflog, über das schicksalhafte Treffen mit Manzarek am Strand von Los Angeles bis hin zum mysteriösen Tod in der Paris Stadtwohnung hätte berichten können. Sie weicht der surrealen Sicht der „Lords and Creatures", sieht die Welt durch die Augen des Exzesses und der Poesie. Und über allem schwebt die Fahne von etwas ziemlich Hochprozentigem.
Natürlich ist das wesentlich dramatischer und einseitiger als zu sagen: Hey, der Morrison hatte auch eine ganz intelligente, sensible Seite. Aber ist es deshalb auch falsch? Wir Doors-Fans wissen, dass Jim Morrison seine Freundin Pam nicht in den Schrank gesteckt und angezündet hat, wie im Film gezeigt, aber mit Sicherheit kann man auch festhalten, ob Morrison nun ein betrunkener Clown oder der weiseste Mensch aller Zeiten war: Er liebte die Provokation. Warum dann nicht seine häufig her geholten Zitate wie „Let's plan a murder or start a religion." oder „Hatred is a very underestimated emotion." weiter spinnen, neu interpretieren und filmische Bilder dafür finden?
Selten wurde bei einem Film so auf detailgetreue Authentizität gepocht wie bei The Doors. Angesichts eines trotz Überlänge kurzweiligen psychedelischen Trips durch die aufregendste Zeit der Rockmusik, angepeitscht von rund 30 Doors-Hits, die der Hauptdarsteller Val Kilmer in den fulminant inszenierten Konzertsequenzen zudem sogar selbst singt, ist es ein bisschen kleinlich, darauf zu bestehen, dass Pamelas Hund in echt nicht weiß war, sondern schwarz. (Petra Schönhöfer)
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