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Absolute Beginners in der Filmkritik
Friday, 07 September 2007 20:18
Absolute Beginners Wenn der bizarre Popbaron David Bowie eine Rolle als Darsteller in einem Film übernimmt, geht man schnell davon aus, dass das kein konventioneller Hollywood-Streifen sein kann. Im Fall des schrulligen britischen Musical-Films Absolute Beginners liegt man mit dieser Vermutung vollkommen richtig



Es ist ein Buch von Colin MacInnes über das Teenagerdasein im London der 1950er Jahre, das Regisseur Julien Temple hier als Vorlage nutzte. Damals wurde die Altersgruppe zwischen 13 und 19 Jahre gerade als neue soziale und vor allem ökonomisch wertvolle Bevölkerungsgruppe entdeckt. Junge Menschen fanden im Rock'n'Roll und in zeitgenössischen Filmen wie Jenseits von Eden oder Denn sie wissen nicht was sie tun ihren Ausdruck. Der Wunsch nach Abgrenzung sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen äußerte sich in eigener Mode und eigenem Lebensstil, in eigenen Vorbildern wie James Dean und Elvis Presley. Und die Wirtschaft machte sich schleunigst daran, alle jugendlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Nie zuvor war es also so lässig gewesen, jung zu sein.

 

Diese aufgeregte, geradezu überreizte Stimmung versucht Temple in Absolute Beginners auf skurrile Art einzufangen. Temples Hauptfigur, der junge mittellose Herumtreiber und Fotograf Colin, führt uns durch ein London, das atmosphärisch irgendwo zwischen den Roaring Twenties und den Swinging Sixties angesiedelt ist und auch den Einfluss des Entstehungsjahres 1986 nicht ganz verheimlichen kann. Nachts spiegeln sich die Neonreklamen auf dem nassen Asphalt, sind die Straßen voller Gaukler, Huren und Jazzmusiker. Tagsüber brütet eine heiße Sonne über Colins herunter gekommenen Viertel, das im Film Napoli heißt und dem echten Notting Hill nachempfunden ist. Die Bilder des Musikfilms sind übersatt an Farben, die Einstellungen und Arrangements irritieren und begeistern zugleich durch ihre extreme Künstlichkeit.

 

Colins Geschichte ist schnell erzählt: Er liebt das Mädchen Suzette, das ihn jedoch für einen alten Kerl sitzen lässt, weil sie es in der Modebranche zu etwas bringen möchte. Um selbst voranzukommen, schließt sich Colin dem skrupellosen Unternehmer Vendice an. Und hier kommt David Bowie ins Spiel. Als eiskalter Unternehmer im feinen Nadelstreifen mit fest gesprayter Föhnwelle ist er an listiger Bosheit kaum zu übertreffen. Bowies markante Physiognomie tut ihr Übriges, um einem die Schauer über den Rücken zu jagen. In einem Aufsehen erregendem Stepp-Duell auf einer Riesenschreibmaschine (!), wie es kein Revue-Theater schöner zeigen könnte, gewinnt er den jungen Mann für seine Geschäfte. Bald aber kommt Colin den wahren Machenschaften seines Chefs auf die Spur: Er hat mit seiner Umsiedlungspolitik die Rassenunruhen in Napoli zu verantworten, zufällig steckt auch Suzettes alter Ehemann in der schmutzigen Sache und Colin wittert die Chance, dem Spuk ein Ende zu bereiten und sein Mädchen (übrigens von der Musikerin Patsy Kensit gespielt, die im echten Leben mit Liam Gallagher von Oasis verheiratet war) zurück zu gewinnen.

 

Die eigentliche Hauptrolle des Films spielt ganz klar die Musik. Von Swing über Rockabilly bis hin zu Ska und Pop, inklusive David Bowies Titelsong Absolute Beginners und einem rauchigen Nachtclub-Auftritt der Jazzsängerin und Achtziger-Ikone Sade, bedient er sich aller Einflüsse und gehört ganz in die Nähe von Filmen wie die Rocky Horror Picture Show oder Moulin Rouge. Es ist kein Geheimnis, dass ständiges Gesinge und Getanze im Spielfilm ordentlich auf die Nerven gehen kann. Aber im Fall von Absolute Beginners ist das Ganze so schräg und kultverdächtig low-budget inszeniert, dass man aus dem Grinsen selten herauskommt. Manche mögen's eben schrill. Und genau für die ist der völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Absolute Beginners ein Muss. (Petra Schönhöfer )




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