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The Commitments in der Filmkritik
Saturday, 29 September 2007 20:06
The CommitmentsDie Musikwelt nannte ihn den „God father of Soul" - James Brown war schwarz, sexy und besessen von einer Musik, die Ende der 1950er aus dem Rhythm and Blues und der Gospelbewegung in Amerika entstand. Wenn James Brown also Pate stand für den Sound mit der schwarzen Seele, wie passt dann jemand in die Familie, der rothaarig und blass wie ein Leinentuch ist und sein Leben lang nicht heraus kommen wird aus einem herunter gekommenen Dubliner Vorort?


Für solch kleinliche Überlegung hat Jimmy Rabbitte keine Zeit. Der junge Protagonist aus Alan Parkers Musikfilm The Commitments (1991) wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Soulband zu gründen - koste es, was es wolle. Er macht sich also auf die Suche nach mehr oder weniger begabten Musikern und findet sie dort, wo man sie in einem irischen Slum eben findet: auf tristen Hochzeitsfeiern, in Hinterhöfen und Wohnstuben. Die Resonanz auf seine Annonce ist überwältigend, wenn auch die Hälfte der Hoffnungsträger noch nie ein Instrument in der Hand hatte oder sich schlicht in der Adresse geirrt hat.

 

Doch die Mühe lohnt sich und bald feiern die Commitments ihre ersten Erfolge in der lokalen Musikszene, Auftritte auf Wohltätigkeitsveranstaltungen und Hinterbühnen inklusive. Auf der Bühne steht zum Beispiel Natalie, die blonde Dorfschönheit, die im kleinen Schwarzen einen bezaubernden Background abgibt. Oder der Sänger Deco-das Reibeisen-Cuffe, der nicht gerade mit guten Manieren glänzt, aber ein unglaubliches Organ besitzt. Und der Spezialist für den richtigen Bläsereinsatz, der alte Joey „The Lips" Fagan, der nach eigener Aussage von Gott gesandt wurde, so, wie sich das für einen anständigen Soulmusiker eben gehört.

 

Aus voller Seele rocken sie die Old School-Hits ihrer großen Vorbilder, darunter Mustang Sally von Wilson Pickett und Chain of Fools von Aretha Franklin. Wer es da noch wagt, nach der Hautfarbe zu fragen, für den hat Jimmy die passende Antwort: „Do you not get it, lads? The Irish are the blacks of Europe. And Dubliners are the blacks of Ireland. And the Northside Dubliners are the blacks of Dublin. So say it once, say it loud: I'm black and I'm proud." Die Szene, in der sich zwölf sommersprossige Gesichter auf diesen Kommentar ihres Managers hin zweifelnd anschauen, gehört zu den komischsten Momenten des Films. Leider werden die Commitments mit der Zeit nicht nur musikalisch professioneller, wie viele echte Bands zerbrechen auch sie an Rivalitäten und persönlichen Eitelkeiten...

 

Parker besetzte „The Commitments" ausschließlich mit irischen Nachwuchsakteuren - das Ergebnis ist ein herzerwärmend authentischer Film mit fantastischen Live-Auftritten der Chaoten-Combo. Der Humor ist genauso schwarz wie die Musik, der Umgangston deftig. In der knapp zweistündigen Geschichte wird das Wort „fuck" angeblich 145 mal benutzt. So zeigt der Regisseur einen für die frühen Neunziger Jahre typischen britischen Milieu- Romantizismus, der den Film neben „The Snapper" und „Fish & Chips" zum Teil einer Triologie über irischen Arbeiteralltag machte: Grau in Grau zeigt sich der verhangene irische Himmel hier, Backstein an Backstein setzt sich die kleine Welt der Figuren zusammen. Doch wo an der Oberfläche die Tristesse regiert, lodert Hoffnung in den leidenschaftlichen Herzen. Von dieser Bande hätte sich James Brown sicher gerne adoptieren lassen. Petra Schönhöfer




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