| Into The Wild in der Filmkritik |
| Wednesday, 20 August 2008 01:00 | |||
Sean Penn ist ein fantastischer Schauspieler, das konnte man in Dead Man Walking, Mystic River oder Milk sehen. Er zieht mittlerweile auch seinem Kollegen Clint Eastwood gleich und setzt sich des öfteren selbst auf den Regiestuhl. Mit Into The Wild ist ihm 2007 eine grandiose und sehr einfühlsame Literaturverfilmung gelungen.
Nach dem College befindet sich Christopher McCandless (Emile Hirsch) in einer Sinnkrise. Obwohl ihm alle beruflichen Möglichkeiten der elitären, amerikanischen Gesellschaft offenstehen beschließt er, sein alten Leben komplett hinter sich zu lassen. Er will von nun an als Alexander Supertramp ohne einen Penny in der Tasche das Land erkunden und sich dessen Herausforderungen stellen. Sein Ziel: Alaska. Unterwegs trifft er auf unterschiedliche Weggefährten, von denen jeder auf seine spezielle Art das Leben genießt, und denen Alex hilft, die Welt neu zu entdecken. Vom FBI-gesuchten Maisbauern, über das Hippiepärchen im VW Bus, die ihre Beziehungsprobleme in den Griff bekommen müssen, bis hin zum singenden Mädchen in der Aussteiger-Wohnwagen-Siedlung und dem großväterlichen Vietnam Veteran, der sich als Lederpräperator etwas zur Rente dazu verdient, verändert er alle durch seine Wesensart.
Der Film beruht auf dem Tatsachen-Roman von Jon Krakauer, einer Collage aus Erzählungen von McCanless’ Weggefährten, seiner Familie und seinen poetischen Aufzeichnungen. Beginnend mit der letzten finalen Episode „The magic Bus“ in Alaska, erzählt Regisseur Sean Penn die Geschichte des Aussteigers in einzelnen Kapiteln, vermischt Gegenwart und Vergangenheit und läßt die Schwester Carine McCandless dazu aus dem Off die Motivationen ihres Bruders kommentieren. Durch sie erhält der Zuschauer Einblicke in dessen Kindheit und das frühe Familienleben. Der Komplettausbruch aus der Gesellschaft wird um einiges verständlicher. Auch das teils egoistische Verhalten gegenüber seinen Freunden und der radikale Bruch mit der Familie werden fast nachvollziehbar. Alex, der lebensbejahende, nachdenklich-philosophierende Junge, der die Welt verstehen will, wird zum fast unverwundbar wirkenden Sympathieträger für den Zuschauer. Die betörenden Bilder, die Kameramann Eric Gautier von der Reise eingefangen hat, strahlen in den schönsten Farben. Amerika wirkt durch die Panorama-Totalen anziehend und greifbar. Bildliche Metaphern, teils religiöser Natur, wirken nie kitschig, sondern stellen kostbare kleine atemberaubende Momente dar. Bei der Tour im Grand Canyon möchte man als Zuschauer ewig verharren, um dem Helden zuzusehen, wie er immer mehr eins mit der Natur wird und um dem unheilvollen nahenden Ende zu entkommen. Untermalt werden die 140 Minuten mit der teils melancholischen Musik des amerikanischen Singer/Songwriters Eddie Vedder (Golden Globe 2007 für den Song Guaranteed). Vedder, seines Zeichens Pearl Jam Frontmann, erweitert den Film durch seine bewegenden Folksongs um eine Ebene. Musik wird als Stimmungskatalysator eingesetzt und untermalt melodisch als auch textlich die Gefühle des Protagonisten: „Society, you're a crazy breed, I hope you're not lonely without me.” Einsam in der Wildnis endet der Film mit dem tragischen Tod des Protagonisten, der die Kräfte der Natur unterschätzt hat und alleine auf sich gestellt keinen Weg zurück in die Gesellschaft findet.
Into the Wild ist ein Abenteuer-Drama, das nachhaltig wirkt und zeigt, wie wunderschön und zugleich schmerzlich vergänglich das Leben ist. Christine Bulla
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