| Spezial: Paris, Hollywood |
| Saturday, 21 July 2007 22:48 | |||
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Nein, man muss sie nicht mögen. Von den Feuilletons ignoriert, von den meisten belächelt und doch gibt es genügend Menschen, die Paris Hilton zujubeln. Seien es die dreizehn-jährigen Mädchen, die ihr Lied Stars are blind toll finden und gerne dazu schmusen. Oder der fünfzehn-jährige Pubertierende, der zu ihrem unfreiwillig im Internet publiziertem Sex-Video One Night in Paris an seinen Geschlechtsteilen herumfummelt. Menschen jedoch, die einen gewissen künstlerischen Anspruch benötigen, können nichts mit der Dame anfangen, die meist durch frivol-peinliche Aktionen im Rampenlicht steht. Aber bietet Frau Hilton wirklich nur die einzige Option an, sie zu verachten? Ist sie letztendlich nicht lediglich der Stereotyp des Hollywood-Stars?
Man sollte die Dame nicht in Schutz nehmen, sondern die Angelegenheit etwas differenzierter betrachten. Nicht Paris ist das Problem, sondern Hollywood selbst. Sie hat den Glamour, den Jet-Set sowie das Rampenlicht nicht erfunden. Sie bewerkstelligt es lediglich mittels Reichtum den großen Spagat zu schaffen zwischen Glamour, Film und Musik. Private Pornofilme hat bereits die Baywatch-Nixe Anderson gedreht. Talentfreie Stars, die singen oder schauspielern hat die Welt schon oft erdulden müssen. Auf niedrigstem Niveau stellt sie eine Mischung zwischen Marilyn Monroe, Pamela Anderson und einer x-beliebigen, austauschbaren Pop-Sängerin dar. Sie ist ein Potpourri aus allem, was über den Sunset Boulevard flaniert und sich für wichtig hält. Ein Monster letztendlich, dass Hollywood selbst geschaffen hat. Wenn sich alle negativen Attribute in einer Person widerspiegeln, nennt man das eben Paris Hilton. Sie zeigt genau das, was an Hollywood falsch, übel und verlogen ist. Ist es aber nicht das, was ein Marilyn Manson seit Jahren versucht anzukreiden?
Die beiden erscheinen auf den ersten Blick wie komplette Gegensätze, wie Schwarz und - nicht Weiß - sondern Pink. Letztendlich sind beide nur ein Produkt der Unterhaltungsmaschine Hollywood. Robert de Niro, Nicole Kidman oder auch Kylie Minogue würden alle woanders ein kulturelles Zuhause finden. Manson und Hilton existieren nur wegen Hollywood. Beide sind aus „Frankensteins" Labor entsprungen und präsentieren der Gesellschaft die Schwächen der Traumfabrik: Manson subversiv, Hilton in pink. Auch wenn es sicher nur ein Traum bleiben wird, wäre es großartig, wenn Paris Hilton eines Tages ihre Maske absetzen und lauthals, in Marylin-Manson-Manier skandieren würde: „Habt ihr mir das alles abgenommen? Ward ihr so blind, alles mit Strohhalmen aufzusaugen, was ich euch vor die Füße gekotzt habe? Bemerkt doch endlich mal, dass hier etwas schief läuft!" Natürlich ist es vermessen, Frau Hilton dies zuzutrauen. Aber irgendwann kommt vielleicht der Moment, an dem ihr nichts mehr einfällt, wie sie schockieren könnte. Das wäre eine große Möglichkeit, Dinge zu tun, die niemand von ihr erwartet. Mann kann eben nur davon träumen - die Hoffnung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stirbt zuletzt. (Christoph Frey)
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