| Haldern 09: So wars |
"Give me the love of an orchestra" sang Charlie Fink von der Londoner Band Noah and the Whale - und für ein ganzes Orchester hätten die zahlreichen Geigen der Bands, die das 26. Haldern Pop Festival vom 13. bis 15. August 2009 in Rees am Niederrhein bespielten, in der Tat gereicht. Sara vom LAXMag war vor Ort und hat sich die Haldernsche Sinfonie angehört.Die Schlote des Ruhrgebiets verschwinden in der Ferne, links und rechts tauchen die ersten schwarz-weißen Kühe auf, nicht umsonst ein Wahrzeichen des Haldern Pop Festivals. Schon bei der Anreise tut sich das Gefühl auf, hier für ein Wochenende Hektik und Alltag ausknipsen und den Blick völlig auf die Musik richten zu dürfen. Zu diesem Zweck wartet eine derartige Fülle an spannenden und hochwertigen Bands, dass schon vorher klar ist: Hier werden die Ohren klingeln, und wer noch einzelne Töne wahrnehmen will, muss sich beschränken und eine kleine Auswahl treffen. Erster Satz also am Donnerstag Abend im traumhaft schönen und atmosphärischen Spiegelzelt - die Hauptbühne wird heute noch nicht bespielt. Die Baddies, in blaue Uniformhemden gewandet, eröffnen das Festival und bringen eine kleine Menge vor der Bühne zum Auftakt ordentlich zum Tanzen. Danach kommen die ersten Streicher ins Spiel: Mit Cello und Violine ausgestattet, betreten Broken Records die Bühne. Die siebenköpfige Kombo aus dem schottischen Edinburgh ist sicherlich das erste große Highlight des noch jungen Wochenendes: Mit ihrem furiosen Folk-Rock irgendwo zwischen Polka und Arcade Fire, getrieben von der Ausnahmestimme des Sängers Jamie Sutherland, die mühelos durch die Oktaven springt, sorgen Broken Records für Begeisterung im Publikum. Die Band scheint etwas überwältigt: "Did you know us before?" Das Zelt kocht, die Bögen fliegen über die Saiten, man blickt in glückliche Gesichter vor und auf der Bühne. Später am Abend liefern Wintersleep vor vollem Haus ein stimmungsvolles Konzert ab. Die bärtigen Kanadier, die übrigens im Herbst die Editors auf ihrer Deutschlandtour supporten werden, überzeugen mit ihrer warmen, melodischen und sehr intensiven Mischung aus Folk und Postrock. Vor dem Spiegelzelt verfolgen zahlreiche Besucher das Geschehen auf der Leinwand im Biergarten - die perfekte Musik für einen lauen Sommerabend wie diesen. Zum zweiten Satz am Freitag gibt es weiterhin einwandfreies Festivalwetter - strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen aller Art vor der Hauptbühne. Auf der schlagen am Nachmittag die Folkrocker Port O'Brien auf. Vielleicht liegt es an der Hitze, vielleicht an den technischen Problemen, mit denen die Band zu kämpfen hat - jedenfalls vermag der Funke bei diesem Auftritt nicht so richtig überzuspringen. Was unheimlich schade ist, denn wer Port O'Brien kennt, weiß, dass hier einiges mehr möglich gewesen wäre. Eine mitreißende Show bieten dagegen The Temper Trap im Spiegelzelt. Mit ihrem rastlosen, treibenden und oft sphärischen Sound sorgt die australische Band um den charismatischen Frontmann Dougy Mandagi für Atemlosigkeit und frenetischen Beifall im Publikum. Es wird getanzt, der Schweiß tropft förmlich von der Decke und nach dem Konzert bleibt der eine oder andere Zuhörer mit offenem Mund ob des eben Erlebten zurück. Ein weiterer magischer Haldern-Moment, den man nicht so schnell vergessen wird. Die erste Geige des Tages spielt Owen Pallett alias Final Fantasy auf der Hauptbühne. Da aber eine Geige für seine komplexen Songs nicht genug ist, erzeugt der junge Mann, der sonst auch bei Arcade Fire am Werk ist, mit Keyboard und Loop-Station erstaunliche Effekte. Direkt danach feiern die oben schon erwähnten Noah and the Whale ihre von vielen Fans herbeigesehnte Deutschland-Premiere und schaffen es mit ihren melodischen Folksongs, das Publikum zu begeistern. Pianist und Geiger Tom Hobden erntet sogar Szenenapplaus - aber auch alleine an der Gitarre weiß Sänger Charlie Fink zu überzeugen. Das Haldern-Sinfonie-Orchester erhält weiteren Zuwachs durch die gut ausgestatteten Bands von Anna Ternheim (Cello, rotes Klavier) und Patrick Watson (Konzertflügel, Streicherquartett). Letzterer erntet Sympathiepunkte durch fröhliches Gelächter auch während der Songs und durch seinen kleinen Ausflug durch das Publikum, wo er ausgestattet mit mehreren Megafonen ein Lied performt. Danach folgt Haldern-Stammgast Emil Svanägen alias Loney, Dear, der diesmal ebenfalls mit Band anrückt. Der schwedische Songwriter liefert einen überzeugenden Auftritt mit reger Publikumsbeteiligung ab, richtige Euphorie kann aber leider nicht aufkommen. Als Freitags-Headliner beenden schließlich Athlete den Tag auf der Hauptbühne. An dieser englischen Band scheiden sich die Geister, gern wird sie als "Radiopop" verschmäht und für mangelnde Ecken und Kanten gerügt. Tatsächlich ist das, was die fünf Engländer hier bieten, sehr rund, sehr glatt und sehr stadiontauglich - aber gerade darin liegt auch der Reiz der Musik von Athlete und die willkommene Abwechslung zum restlichen Haldern-Programm. Denn das, was sie da machen, machen sie nun mal richtig gut. Vielleicht um die Zweifler zu versöhnen, posiert sich Sänger Joel Pott für einen Song mit Akustikgitarre halb im Bühnengraben - und tatsächlich singt man später fast geschlossen die von der Band eingeforderten Ooohs und Aaahs mit. Samstag, dritter Satz, die Sonne knallt noch erbarmungsloser vom Himmel als am Vortag. Zu früher Stunde dürfen Dear Reader aus Südafrika auf der Hauptbühne ans Werk gehen - doch ihre poppig-melancholische Musik - inklusive Viola - passt perfekt zum sommerlichen Wetter. "We've been looking forward to this for months," bekennt Sängerin Cherilyn MacNeil ihre Sympathie für das Festival und erntet auch damit sicher viele Pluspunkte beim Publikum, das den Auftritt begeistert aufnimmt. Danach darf zur Abwechslung auch mal ein wenig gerockt werden, und zwar mit den Maccabees, die trotz der Hitze zum Tanzen anregen und ordentlich Stimmung machen. Ein Kontrastprogramm dazu liefert William Fitzsimmons im saunaheißen Spiegelzelt mit dem wohl ruhigsten Auftritt des Wochenendes - und dem wahrscheinlich aufmerksamsten Publikum, das man sich vorstellen kann. Liegt es an den Temperaturen oder an der Magie seiner ausnehmend schönen, zerbrechlichen Stimme? Jedenfalls ist es mucksmäuschenstill im Zelt - außer, als der Songwriter selbstironisch mit den Worten "We're gonna blow the roof off this fucking tent!" zum Mitsingen animiert. Draußen folgt ein etwas sperriger Auftritt der New Yorker Grizzly Bear. Bei aller Offenheit für Neues und Bereitschaft, sich auf Experimente einzulassen, scheint das Publikum zu dieser Uhrzeit auf der großen Bühne mit den komplizierten, wenig eingängigen Arrangements des Quartetts größtenteils nicht so richtig warm zu werden. Ganz anders als mit Bon Iver - Sänger Justin Vernon zieht die Menge mit seiner brüchigen Falsettstimme binnen kurzer Zeit in seinen Bann. Nach anfänglichen Wasserbombenschlachten im Publikum zur Abkühlung ist bald Schluss mit Klamauk und man lauscht einträchtig den eindringlichen und ruhigen Songs des bärtigen Künstlers. Für ein eindrucksvolles Gastspiel sorgen auch die sieben Isländer von Hjaltalín, die auf der kleinen Bühne im Spiegelzelt mit unzähligen Instrumenten wie auch Geige und Fagott auflaufen. Ihr klassisch angehauchter Mix aus vielseitigen Stimmen und Melodien erinnert ein wenig an einen Märchenwald, in den sie den Zuhörer entführen - und mit staunendem Gesichtsausdruck zurücklassen. Ein wenig eintönig wirkt danach das Set der Thermals auf der großen Bühne. Das Trio aus Portland spielt seine Songs, die einander live noch ein wenig mehr ähneln als auf Platte, recht stoisch herunter und sorgt für wenig Abwechslung - das allerdings auf hohem Niveau. Ebenfalls aus Portland stammen Blitzen Trapper, die im Spiegelzelt mit ihrer Mischung aus Country, Folk und ganz klassischen Rockelementen ein gemütliches Konzert bestreiten. Mundharmonika und akustische Gitarren sorgen gar für ein wenig Lagerfeueratmosphäre. Auch heimelig, aber ein wenig spektakulärer geht es dann weiter mit Mumford & Sons, die man mit Sicherheit auch als Gewinner des Festivals bezeichnen darf. Im Zelt und vor dem Zelt lauschen zahlreiche Besucher den bezaubernd schönen, mehrstimmig vorgetragenen Liedern der Londoner, die zum mittlerweile reichen Fundus an gehörten Instrumenten noch einen Kontrabass beisteuern. Wenig gemütlich, sondern mit großen Gesten geschmückt ist dann der Auftritt von The Soundtrack Of Our Lives auf der Hauptbühne. Die Schweden um den bärtigen Ebbot Lundberg haben sich mit ihren psychedelisch-rockigen Songbrettern dem Pathos verschrieben und passen ganz hervorragend auf die große Bühne. Von dort aus schleudern sie ihre Botschaften in die Menge, die dort allerdings nicht so richtig anzukommen scheinen. Zu hausbacken, hört man, sei der Auftritt manchem Besucher vorgekommen. Vierter Satz, Finale mit Fettes Brot. Deren Show ist ein Kapitel für sich, denn hier ist zum Ende pure Unterhaltung angesagt. Dem Publikum - das zum Teil wie ausgewechselt scheint - gefällt es, vor der Bühne wird eine ordentliche Party gefeiert und die Kombo aus Hamburg legt einen soliden Auftritt hin. So richtig zum Rest des Wochenendes will dieser Abschluss dennoch nicht passen, und mancher Festivalbesucher lässt den Abend daher lieber auf dem Zeltplatz ausklingen. Nach Ende der Haldernschen Sinfonie gibt es Standing Ovations für ein gut organisiertes und charmantes Festival, Blumen für den Dirigenten wegen des exzellenten Line-Ups und eine Dankesrede an Petrus für drei Tage strahlenden Sonnenschein. Dann werden die vielen Geigen wieder eingepackt und zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen, von Schottland bis Australien, von Kanada bis Südafrika. Und wir machen uns mit klingelnden Ohren zurück auf den Weg in den Alltag. Sara Haußleiter (13.08.-15.08.09)
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ich lieb die jungs
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schön geschrieben - der vergleich mit dem landschaftsarchitekten gefällt mi...
Liebe Jungs, kommt doch bitte mal und bald in den Süden!!!!!!!!! :-)) Es fre...
Ich find das Lied spitze. Leider kann ich beim Finale in Berlin nicht dabei