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Frequency 09: So war's
Sunday, 23 August 2009 20:52
frequency_logo.jpgServus, Salzburgring! Nach sieben Jahren an der Rennstrecke hieß es für das Frequency Festival Abschiednehmen von der idyllischen Bergkulisse. Mit dem Umzug ins niederösterreichische St. Pölten ist das Frequency dieses Jahr endgültig vom kuscheligen Festival auf der Kuhweide mit Alpenblick zum Mega-Event geworden. Im Green Park feierten am Wochenende 120.000 Fans drei Tage lang mit 100 Bands auf 7 Bühnen. Auch LAX-Redakteurin Tina hat sich auf den Weg gemacht und für euch hautnah den Wahnsinn zwischen Badestrand und Regenguss, Dosenbier und Sonnenmilch, Schwedenrock und Amipunk miterlebt.


Der erste Eindruck täuscht nicht: Der Green Park im Industriegebiet von St. Pölten ist gigantisch. Die Campingplätze ziehen sich 3 Kilometer an beiden Ufern des Flusses Traisen entlang, zwischen den einzelnen Geländeteilen verkehren Shuttle-Busse. Das Frequency präsentiert sich in diesem Jahr unter dem Motto "2 Festivals in 1". Im Daypark gibt sich auf vier Bühnen die Crème de la Crème der Rockmusik die Klinke in die Hand, im Nightpark wird nach den Headlinershows bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert. Neben Elektrogrößen wie MSTRKRFT, Crystal Castles und Boys Noize gibt es dort auch DJ-Auftritte von Carl Barât und Kele Okereke zu bewundern.

Auch organisatorisch hat sich einiges geändert: Auf den Campingplätzen ist offenes Feuer in Form von Campingkochern und Grills verboten, dafür gibt es einen Extra-Grillplatz. An sich keine schlechte Idee. Wer zum Frühstück jedoch Kaffee statt Steak bevorzugt, muss diesen erst einmal kostenpflichtig erwerben. So verhält es sich übrigens auch mit allen Getränken im Kerngelände. Während im letzten Jahr zumindest noch Tetrapacks zugelassen waren, sind die Festivalbesucher dieses Jahr völlig auf die gastronomischen Angebote angewiesen. Preise von 3 Euro für 0,4 l Mineralwasser sorgen bei Temperaturen von rund 30 Grad jedoch für lange Schlangen an den Trinkwasserstellen und Toiletten.

Nach dem völlig verregneten Frequency 2008 hat der Wettergott in diesem Jahr ein Einsehen und lässt am ersten Festivaltag die Sonne auf den Green Park herab brennen. Viele Fans nutzen die Gelegenheit zur Abkühlung in der Traisen und verwandeln den Campingplatz in einen kilometerlangen Badestrand. Auf der Green Stage bringen Dúné mit ihrem energiegeladenen Synthiepop dagegen die Menge noch mehr zum Schwitzen. Obwohl ihr zweites Album Enter Metropolis gerade erst ein paar Tage alt ist, konzentrieren sich die sieben Dänen in ihrem knapp 45-minütigen Set hauptsächlich auf die neuen Songs und haben mit der aktuellen Single Heat auch den passenden Song zum Wetter im Gepäck. Die sechs Jungs plus ein Mädel wirken heute sehr viel selbstbewusster als auf ihrer letzten Clubtour, vor allem Sänger Mattias Kolstrup scheint echte Rampensau-Qualitäten zu entwickeln. Die wird er auch brauchen, denn den Publikumsreaktionen zufolge werden Dúné sich wohl schon bald an Bühnen dieser Größe gewöhnen dürfen.

Auf der Race Stage überzeugen derweil die Düsterrocker Glasvegas auch im strahlenden Sonnenschein. Auch wenn Sänger James Allan teilweise mit Heiserkeit zu kämpfen hat, können die Schotten das Publikum mit Titeln wie Daddy's Gone und Geraldine rundweg begeistern. Einen ganz großen Sympathie-Bonus gibt es zudem für die hinreißenden Ansagen mit breitestem schottischen Akzent.

Den weitesten Anreiseweg zum Festival haben wohl Jet aus Melbourne zu verbuchen. Die Band hat ihr soeben erschienenes Album Shaka Rock im Gepäck und kann mit ihrem Auftritt beim Frequency sicher einige Fans zum Kartenkauf für die Club-Tour im September animieren. Die Jungs rocken einfach. Punkt. Knappe 20 Minuten später entpuppen sich The Ting Tings als Überraschung des Tages. Der Platz vor der Race Stage ist bis weit nach hinten gefüllt, und die zweiköpfige Band kann sich über ein enthusiastisches Publikum freuen. Great DJ und Shut Up And Let Me Go sorgen in Indieclubs schon stets für volle Tanzflächen, auf dem Frequency lösen Katie White (mit Streifenminikleid und Neon-Mikro) und Jules de Martino damit jedoch hüpfende Massenekstase aus.

Freunde härterer Töne erfreuen sich anschließend vor der Green Stage an Anti-Flag. Die Amerikaner verfügen inzwischen über mehr als 10 Jahre Bühnenerfahrung und wissen, wie sie mit ihrem sozialkritischen Punkrock die Fans begeistern. Allerdings spielen zeitgleich die Emo-Punk-Kollegen von AFI auf der Race Stage, sodass den Fans eine mitunter schwere Entscheidung abverlangt wird.

Amerikanisch geht es auf der Race Stage auch weiter mit Eagles Of Death Metal. Sänger Jesse Hughes will ganz sicher gehen: "Are you ready for some Rock'n'Roll?" fragt er vor fast jedem Song. Er braucht sich jedoch keine Sorgen machen, denn das Publikum ist mehr als bereit für den selbstironischen Bluesrock der Kalifornier. Etwas schwerer haben es dagegen The Cinematics, die auf der düsteren Weekender Stage in ihren stilvollen, aber hochgeschlossenen Outfits sicher mächtig schwitzen. Leider ist den Schotten der verdiente Durchbruch bisher verwehrt geblieben, und mit ihrem ungünstigen Zeitslot halb zwischen EoDM und Kasabian können sie auch beim Frequency wohl kaum neue Hörer erschließen. Schade, denn der Auftritt der Jungs macht durchaus Lust auf das neue Album und die Tour im September!

Vor der Race Stage macht sich nun alles bereit für Kasabian, für die der Auftritt beim Frequency der erste überhaupt in Österreich ist. Die Band ist in ihrer englischen Heimat auf den ganz großen Bühnen zuhause, und das macht sich auch an diesem Abend bemerkbar. Kasabian liefern eine routinierte, solide Stadion-Show, die durch etwas mehr Kommunikation mit dem Publikum jedoch noch deutlich besser sein könnte. Die Fans zeigen sich vollends begeistert, es fällt aber auf, dass die Textsicherheit bei Titeln wie Fire vom aktuellen Album West Ryder Pauper Lunatic Asylum deutlich höher ist als bei den Klassikern Club Foot und Cut Off. Kasabian haben sich die Position als Co-Headliner in jedem Fall verdient, und mit ein bisschen mehr Dynamik auf der Bühne wäre sicher auch bald der Spitzenplatz gerechtfertigt.

Während im Anschluss "Stadtaffe" Peter Fox unterstützt von einer beeindruckenden Anzahl Live-Trommler die Masse auffordert, ihren Speck zu schütteln, hat sich ein Mainstream-resistentes, geschmackssicheres Publikum vor der Open Stage versammelt, um den Lokalmatadoren Petsch Moser zu huldigen. "Wir hatten ein bisschen Angst, dass wir gegen Peter Fox nicht ankommen", geben die Jungs zu. Diese Angst war völlig unberechtigt! Der Indiepop Wiener ist der optimale Abschluss eines grandiosen ersten Festivaltages, und alle sind sich einig: Das Frequency Festival ist ein Schöner Ort.

Auch am Freitag herrscht im Green Park Urlaubsfeeling pur. Aufstehen, gemütlich ins Café oder zum Supermarkt schlendern, noch mal kurz in der Traisen abkühlen - und dann ab zur Race Stage, wo The (International) Noise Conspiracy in der prallen Mittagssonne den zweiten Festivaltag einläuten und dabei mindestens genauso ins Schwitzen kommen wie das Publikum.

Etwas ruhiger geht es dann bei Tomte zu, die ein komprimiertes Best-Of-Programm von Die Schönheit der Chance bis Heureka präsentieren und damit für beste Stimmung sorgen. Allerdings stehen die Hamburger heute nur zu viert auf der Bühne. Gitarrist Dennis Becker hat sich bei einem Badeunfall auf Sylt eine Rippe gebrochen, erzählt uns Thees Uhlmann in einer kleinen Anekdote. Mit Ich sang die ganze Zeit von dir verabschieden sich Tomte nach einer knappen Dreiviertelstunde bereits wieder von der Bühne. Die zahlreichen Zugaberufe müssen aus Zeitgründen leider unbeantwortet bleiben.

Eine der besten Nachrichten im Vorfeld des diesjährigen Frequency Festivals war die Zusage von Britpop-Legende Jarvis Cocker. Der in Frankreich lebende Sheffielder lässt sich ja leider nur allzu selten auf unseren Bühnen sehen. Heute aber erklärt er das Festivalgelände spontan zu "Jarvis Island" und sorgt sich auch sehr um das Wohl der Einwohner seiner eigenen Insel: Die im Schatten Stehenden mögen doch bitte mal mit den Fans in der Sonne Platz tauschen, damit auch alle gleichmäßig braun werden! Zudem entschuldigt sich Jarvis eingangs gleich für seine getönten Brillengläser. Augenkontakt mit dem Publikum ist schließlich wichtig, daher hat er sich auch zwei Augen auf die Handflächen gemalt. Mit der Geschmeidigkeit einer dreibeinigen Katze bewegt sich Jarvis zu Pop-Perlen wie Fat Children und Angela über die Bühne und begeistert mit liebenswerter Ungelenkheit. Absoluter Höhepunkt dieses genialen Auftritts ist die teilweise schon Slapstick-artige Interpretation des zynischen I Never Said I Was Deep.

 

Schade nur, dass die vorderen Reihen der Race Stage schon zu großen Teilen mit Fans besetzt sind, die sich beim nachfolgenden Auftritt von Farin Urlaub Racing Team die besten Plätze sichern wollen und sich leicht genervt fragen, was der schlaksige alte Mann mit der hässlichen Brille so lang auf der Bühne tut. Und dem Typen, der zwanzig Mal "Common People" geplärrt hat, sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erklärt, dass Jarvis Cocker bei seinen Solo-Auftritten keine Pulp-Songs spielt. Nie.

Gegen 18:30 Uhr betritt dann also Ärzte-Sänger Farin Urlaub mit seinem Racing Team die Race Stage. Die Kombination "Racing Team" und "Race Stage" ist dann auch schon so ziemlich das Witzigste an diesem Auftritt. Unterstützt von drei Bläsern und drei Sängerinnen beglückt uns der Berliner mit klassischem Ska-Punk und platten Texten, neben denen das lyrische Anajo-Gesamtwerk in die Rubrik "Schöngeistige Literatur" rückt. Kostprobe gefällig? "Es ist egal was du bist, Hauptsache ist, es macht dich glücklich." Identifikations-Pop für Vierzehnjährige, die nicht wissen, ob sie lieber die achte Klasse am Gymnasium wiederholen oder auf die Realschule wechseln sollen. Die Zielgruppe ist jedoch zahlreich vertreten und nimmt Farins Lebenshilfe dankbar an.

Hilfe haben auf der Green Stage auch Kettcar nötig: "Mit so viel Liebe können wir kühlen Hamburger nicht umgehen. Hört bitte auf damit!" Sänger Marcus Wiebusch ist die Begeisterung des Publikums nicht ganz geheuer. Dabei hatte Thees Uhlmann früher am Nachmittag doch extra noch alle Tomte-Fans aufgefordert, dem Kettcar-Auftritt beizuwohnen. Das Publikum lässt es sich jedoch nicht nehmen, die Band für ihren Auftritt zu lieben und singt laut mit, bis es der Band abermals zu viel wird: "Wir würden euch ja gern aussingen lassen, aber wir haben nicht so viel Zeit!"

Stimmt, denn auf der Race Stage stehen inzwischen schon Bloc Party in den Startlöchern. Kele Okereke tritt angesichts der immer noch drückenden Hitze mit kurzer Sporthose und lässigem The Cure-Shirt auf und drückt den Fans seine Bewunderung dafür aus, dass sie schon seit Stunden in der Sonne braten und feiern. Überhaupt zeigen Bloc Party die Publikumsinteraktion, die Kasabian am Vorabend vermissen ließen. Die Londoner kommen auf der großen Bühne äußerst sympathisch und authentisch rüber, und mit bewährten Tanzflächenkrachern wie Flux, Like Eating Glass und Hunting For Witches bringen sie auch den Green Park in Windeseile zum Beben.

Ideale Vorbedingungen also für das Konzerthighlight des Jahres. Nicht wenige Frequency-Besucher sind ausschließlich nach St. Pölten gereist, um einen der inzwischen selten gewordenen Auftritte von Radiohead zu erleben. Von diesem Erlebnis werden sie nun noch ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln berichten. Vor der Race Stage herrscht Ausnahmezustand. Das Gelände platzt aus allen Nähten, die Fans klettern auf Bäume und Dächer, um noch einen Blick auf die Bühne erhaschen zu können. Denn dort spielt sich die wohl monumentalste Light-Show ab, die je auf einer Festivalbühne zu sehen war. Meterlange LED-Stäbe hängen herab und verwandeln die Bühne zu den Klängen von Idioteque, Pyramid Song oder All I Need bald in eine Eishöhle, bald in einen Sternenhimmel, bald in einen Regenwald. Die Fans starren gefesselt auf die Bühne, die vorderen Reihen verwandeln sich ein ein leuchtendes Meer aus Kameras und Fotohandys. Es herrscht eine nahezu andächtige Stille. Radiohead erschaffen an diesem Abend ein zweistündiges audiovisuelles Gesamtkunstwerk, das in seiner überwältigenden Intensität kaum mehr auf einmal zu begreifen ist. Die Harmonie von Licht und Klang in vollendeter Perfektion.

Auch der Wettergott ist nun wohl der Meinung, dass das Beste vorbei ist, denn am Samstag steht hauptsächlich Regen auf dem Programm. "Wir haben das Wetter auf unserer Seite", erkennen Elektrik Kezy Mezy folgerichtig. Die Münchner profitieren auf der Weekender Stage sehr deutlich davon, dass es vielen Festivalbesuchern draußen zu feucht wird. Dabei wäre der Garage-Rock von Frank Kezy und Amadeus Mezy auch bei Sonnenschein einen Abstecher in die Halle wert gewesen.. Als ob Songs wie Marlene oder Find Me Another Lover allein noch nicht genug überzeugen würden, haben die beiden zur Unterstützung auch noch ihren "Bandpraktikanten" Ricardo dabei. Dieser hat seinen Job bei einer Tombola gewonnen und darf fortan wahlweise rauchend auf der Bühne sitzen und Bier trinken oder im Jane-Fonda-Gedächtnis-Outfit halbwegs im Takt der Musik über die Bühne hopsen. Besonders erwähnt sei hier die konfettiwerfende Tanzeinlage im goldenen Turnanzug zur eigenwilligen, aber äußerst gelungenen Coverversion des Spandau Ballett-Klassikers Gold. Ob mit oder ohne tanzendem Praktikanten - Elektrik Kezy Mezy sind äußerst sehens- und hörenswert, und davon konnten sie das Publikum in Österreich zumindest dem Beifall nach auch überzeugen.

Niemanden mehr überzeugen müssen dagegen The Subways, die nun die Race Stage stürmen. Denn dass es sich bei dem Trio um einer der heißesten Live-Bands handelt, die derzeit die europäischen Bühnen rocken, hat sich inzwischen wohl herumgesprochen. Demzufolge haben sich auch trotz strömendem Regen einige Tausend Fans vor der Bühne eingefunden und werden von The Subways ordentlich ins Schwitzen gebracht. Während sich das Publikum der Witterung entsprechend in mehrere Lagen Regenbekleidung hüllt, üben die männlichen zwei Drittel der Subways den teilweisen Textilverzicht und springen - sehr zur Freude der weiblichen Fans - von Beginn an mit freiem Oberkörper über die Bühne. Das Publikum zeigt sich bei alten wie neuen Songs gleichermaßen begeistert, Billy und Charlotte toben über die Bühne, als müssten sie den Strom für ihre Instrumente selbst erzeugen, und alle zusammen feiern eine einzige Rockparty zwischen schlammigen Pfützen. Bei Songs wie With You und Oh Yeah ist es auch unmöglich, still stehen zu bleiben. Die Band hat die Masse vom ersten bis zum letzten Ton vollständig im Griff und räumt nach Rock'n'Roll Queen (mit deutscher Textpassage im Mittelteil) unter tosendem Applaus die Bühne, um Platz für die Editors zu machen.

Die Band um Tom Smith bietet mit ihrem düsteren Indierock zwar den passenden Soundtrack zum Wetter, hat es aber natürlich schwer, nach der mitreißenden Show der Subways beim Publikum wirklich Fuß zu fassen. Vielleicht ist der melancholische Sound der Band auf einer Clubbühne doch besser aufgehoben als auf einem Festival, bei dem für die meisten Besucher das Feiern im Vordergrund steht. Fans der Band dürften vom gelungenen Frequency-Auftritt der Editors aber dennoch sicher nicht enttäuscht sein.

Allen Grund zur Enttäuschung haben dagegen die Besitzer der im Vorverkauf für 199 Euro erhältlichen VIP-Tickets. Denn während der VIP-Bereich am Salzburgring auch bei Regen trockene Sicht auf die Bühne gewährte und zudem über eine Videowall verfügte, ist auf dem neuen Gelände die Bühne nur von der Terrasse aus teilweise einsehbar. Der trockene Innenbereich bietet bestenfalls Aussicht auf Marios Pizzastand, draußen dagegen quetschen sich die Menschen unter die zu Regenschirmen umfunktionierten Sonnenschirme. Schließlich wollen alle die fünf Jungs aus dem schwedischen Borlänge sehen, für die gerade die Race Stage umgebaut wird.

Mando Diao sind eine äußerst talentierte Band, die wunderbare Songs schreibt und völlig zu Recht Millionen von Alben verkauft. Was Mando Diao leider nicht sind, ist eine gute Liveband. Das haben sie unter anderem auch beim Frequency Festival 2006 schon bewiesen. Man sollte meinen, dass die Band auf ihren vielen Touren in stets ausverkauften Hallen reichlich Gelegenheit gehabt hätte, an ihren Live-Auftritten zu feilen. Stattdessen scheint es, dass Björn, Gustav und Co. zwischen "Wetten, dass...?" und "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" endgültig vergessen haben, dass sie eigentlich eine Rockband sind.

 

Nach einem vielversprechenden Start mit Sheepdog wirkt ihr Auftritt überraschend blutleer. Selbst bei Give Me Fire will der Funke einfach nicht überspringen. Mando Diao inszenieren sich selbst, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie haben sämtliche Elemente einer Stadion-Show - Bläser, Sängerinnen, stimmiges Licht - doch dabei bleibt die Authenzität leider völlig auf der Strecke. Vor allem die zwei stets synchron tänzelnden Background-Sängerinnen mögen bei neuen Songs wie Mean Street oder Gloria live durchaus eine Bereicherung sein, bei den älteren Stücken wirken sie jedoch nicht nur deplatziert, sondern schlichtweg störend.

Störend bis nervig sind auch die minutenlangen Intros, bei denen die Band zum Teil sogar von der Bühne verschwindet. Mando Diao verfügen doch wahrlich über genug gute Songs, um eine Headliner-Show nicht mit Füllmaterial vom Band bestreiten zu müssen.  Stattdessen entscheiden sie sich auch noch dafür, zwei Akustiksongs nacheinander zu spielen, bei denen mal wieder ganz besonders deutlich wird, dass Gustav Noren live nicht gerade der begnadetste Sänger ist. Sein heiseres Schreien könnte im Rahmen einer energetischen Bühneshow zwar durchaus noch passend wirken, aber Mando Diao scheinen heute entschlossen, alle Songs um die Hälfte langsamer zu spielen als gewohnt, was bei TV & Me schon fast an akustische Körperverletzung grenzt. Kaum kommt nach etwas gelungeneren Stücken wie Down In The Past im Publikum auch in den hinteren Reihen mal richtig Stimmung auf, folgt schon wieder ein langwieriges Intro.

 

Ein solches leitet dann schließlich auch zum Mega-Hit Dance With Somebody über, bei dem dann auch diejenigen das Fotohandy zücken, die "den Manu Djau" (Zitat Nebenmann) nur aus dem Radio kennen. Jene Fans, die stets zuverlässig in rasender Geschwindigkeit für den Ausverkauf von Mando Diao-Konzerten sorgen, verfügen aber glücklicherweise wohl über eine selektive Wahrnehmung und besondere Leidensfähigkeit, denn über mangelnde Begeisterung in den vorderen Reihen brauchen sich die Schweden trotz dieser weniger als halbherzigen Leistung nicht zu beschweren.

Ganz zum Schluss, bei der Zugabe Long Before Rock'n'Roll, beweisen Mando Diao dann doch endlich noch einmal, was eigentlich in ihnen steckt. Für zwei Minuten vergessen Björn und Gustav, dass sie Rockstars sind und Tausende Menschen auch über ein schlechtes Konzert noch glücklich sind. Für zwei Minuten fetzen sie noch einmal über die Bühne, als müssten sie sich die Gunst des Publikums in einem kleinen Club erspielen. Für zwei Minuten beweisen sie mit überbordender Spielfreude und herrlichem Wechselgesang, bei dem auch endlich mal die Töne getroffen werden, dass sie doch eine erstklassige Rockband sind. Für zwei Minuten beweisen sie, dass sie diesen Headliner-Platz durchaus verdient haben könnten. Dann setzen die Background-Sängerinnen ein. Bettina Koch

(20.- 22.08.09)




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