Archive haben auf ihrem neuen Album eines im Sinn: Die Massen zu kontrollieren. In München waren mit sie mit Controlling Crowds im recht vollen Backstage zu Gast. Ob ihr Plan aufgegangen ist, weiß LAXMag–Redakteurin Tine.
Im Archive Universum spielen BirdPen, das Zweitprojekt von Archive-Sänger Dave Pen, eine große Rolle und so eröffnen sie die Show. Begleitet von Gitarre, Synthiesounds und Schlagzeug beweist Pen, dass auch diese noch kleine Band das Zeug dazu hat, mit ihrer Mischung aus progressivem Rock und schwebendem Pop zu begeistern. Was nicht zuletzt am überaus charismatischen Pen liegt, der einem Berserker gleich auf der Bühne tanzt und dem Mikrofon seine Worte entgegen brüllt. Nach dem Konzert werden drei Plastikvögel eingesammelt, die Stimme von Pen bleibt jedoch.
Spontan und überraschend ist bei Archives Auftritt an diesem Abend nichts. Dem Konzept des aktuellen Albums folgend werden alle Lieder in exakt der Reihenfolge wie auf Platte gespielt. Acht Stücke Controlling Crowds, im Anschluss drei Stücke der neuen Controlling Crowds Part IV. Ein Opus, den zu zerreissen auch der Sache nicht dienlich gewesen wäre, ist es doch ein Konzeptalbum bei dem sich ein Teil nahtlos in den anderen einfügt.
Zu siebt stehen sie auf der Bühne. Schwarz gekleidet, die Blicke oft ins Leere, über ihr Publikum gerichtet. Darius Keeler und Danny Griffiths an Keyboard und Synthesizern, zwei der Gründungsmitglieder neben Dave Pen, rahmen die Live-Musiker ein und geben sich ganz ihrem Sound hin. Ihre elektronische Vorarbeit macht den typischen ausschweifenden Sound von Archive aus, der jetzt von Bass, Gitarre und Schlagzeug unterstützt wird. Dabei kommt sehr viel aus ihren Maschinen, komplexe Sounds und hypnotische Loops, bombastischer Bass und treibende Drums. Manchmal zu viel, so dass die real vorhandenen Instrumente eher Beiwerk darstellen, als wirklich maßgeblich an den Melodien beteiligt zu sein.
Alle Stücke fließen ineinander über, das Gesamtkunstwert soll nicht unterbrochen werden. Stücke, in typischer Manier langsam gesteigert, finden ihre ekstatischen, lauten Höhepunkten im Refrain, fallen wieder ab, steigern sich erneut, werden dabei zu Ende oft zu einer musikalischen hochexplosiven Masse, deren Funke überspringt auf das nächste Stück. Sänger Pollard Berrier und Dave Pen wechseln sich mit ihren doch recht gegensätzlichen Gesangsstimmen ab. Einer recht feminin, der andere sehr düster und verzweifelt.
Das Konzert beginnt mit Controlling Crowds und sofort hat die Masse Feuer gefangen und beginnt im Bann der Klänge ihre Köpfe zu bewegen. Hinter der Band läuft eine Videoshow, die die verstörenden expressionistischen Bilder abspielt, die man auch aus den Booklets der aktuellen Platte kennt: Zitternde Körper, allerlei seltsames künstliches Getier, Textfetzen. Im Anschluss folgt Bullets und im Hintergrund vorberauschende Züge bei Nacht, dem Video zur Single entsprechend. Für Quiet Time kommt Rosko Jones hinzu, Gründungsmitglied seit der ersten Stunde, und seines Zeichens Rapper.
Dann ertönen die düster atmosphärischen Klänge von Collapse/Collide. Anstatt Maria Q in Person auf die Bühne treten zu lassen, schallt nun ihr Gesang in seltsam gefilterter Abwandlung, als käme er aus einem Transistorradio, aus den Boxen, während ihr Gesicht in Großaufnahme von der Leinwand, einer Propaganda-Vorführung ähnlich, die Zuschauer visuell zu erreichen versucht. So wurden die Massen auch schon früher kontrolliert. Langsam baut sich das Stück auf, erst ihre Stimme, dann immer weitere Effekte, eine Eigendynamik, der man sich nicht entziehen kann und will.
Nach Kings Of Speed folgen mit Lines, The Empty Bottle und Funeral drei Stücke der aktuellen Platte. Beim letzten Stück verabschieden sich alle Mitglieder nach und nach, so dass die volle Musik mit jedem verlassenden Mitglied reduzierter ist, bis nur noch elektronische Loops übrig bleiben.
Die Zugabe ist eine kleine Werkschau aus über 10 Jahren Bandgeschichte. Londinium, aus dem gleichnamigen Debut von 1996, gefolgt von Numb, System und dann endlich ihr wohl bekanntestes Stück Again. Hier stellt sich zwar wieder die Frage, warum die Gitarre nicht echt eingespielt wird, ein Gänsehautstück bleibt es gerade durch Pens melancholisch herzzerreißenden und gewaltigen Gesang allemal. Das lässt sich auch aus den glücklichen Gesichtern im Publikum ablesen. Christine Bulla
(20.10.09)
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Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!