"Wenn Wien ein Taschenmesser ist, was ist dann München?", fragten Ja, Panik in der übervollen Muffathalle. Unsere Redakteurinnen Tina und Tine haben für euch beim FM4-Fest geschwitzt, um diese Frage zu klären.
Der österreichische Kultsender FM4 hat gerufen und alle, wirklich alle, sind gekommen. Die Karten für das alle zwei Jahre stattfindende FM4-Fest sind seit Wochen ausverkauft. In den drei Areas des Muffatwerks drängen sich knapp 4000 Menschen, um die deutsch-österreichische Freundschaft zu feiern.
Der Auftakt zur Veranstaltung erfolgt im Tango-Takt, dargeboten von Tanz Baby! aus dem Burgenland. Die Bühnendeko soll nach Aussage der Band ein Vergnügungsschiff simulieren, inklusive Rettungsring. Tanz Baby! nehmen uns mit auf große Fahrt. Musikalisch geht es an die Mittelmeerküste mit Akkordeon und südländischen Tanzrhythmen, textlich machen sich Tanz Baby! auf in eher seichte Gefilde. Mit roter Rose in der Brusttasche des perfekt sitzenden schwarzen Anzugs schmachtet sich Sänger David durch Textzeilen wie "Liebe ist ein Hospital". Immer hart an der Grenze zum Schlager kriegen Tanz Baby! aber doch stets gerade noch die Kurve zur tanzbaren Unterhaltungsmusik.
Clara Luzia kommen zum Festival als reduzierte zwei Frauen Band: Clara Humpel an Gitarre und Schlagzeugerin Ines Perschy. Streicher, Klavier und sonstiges musikalisches Beiwerk kommt heute leider aus der Konserve, was den ganzen Auftritt zu hölzern erscheinen lässt. Clara, ein sehr dünne junge Frau mit kurzen braunen Haaren und einer unglaublichen, starken und doch sehr zerbrechliche wirkenden Stimme wirkt ein wenig nervös auf der Bühne. Aber mit der Gitarre in der Hand scheint die Nervosität verflogen und der Eintritt ins Musikland geschafft zu sein.
Dem Publikum bietet sie eine schöne Mischung aktueller Songs der Platte The Ground Below neben älteren Stücken. The Gardener Of The Ground Below wird zum gefühlten Höhepunkt des Auftritts mit den schwebenden Synthiesounds und dem kraftvollen Schlagzeug. Zwischen den Songs entstehen leider zu lange Pausen, in denen Humpel ihre Gitarre stimmen muss. Diese Pausen werden vom Publikum gerne zum lauten Reden und „Ineeees“ Rufen genutzt. Ob Ines die neue Helga (RiP) wird? Für Something holen die beiden Damen sich die Kollegen von Ja, Panik auf die Bühne, die anscheinend zum großen Teil den Song noch gar nicht kennen. Dementsprechend stehen die fünf Jungs anfangs nur ansehnlich auf der Bühne herum, dann singen sie aber immer und immer wieder mit der Band den Refrain. Am Ende läuft die Zeit davon, und mit All I Wish For verabschieden sich Clara Luzia, um die Bühne frei zu machen für The Incredible Staggers.
Die Garage-Rock-Band mit den 60ies-Outfits und den perfekten Fönfrisuren hat vor einigen Monaten bereits das Sonnenrot-Festival zum Beben gebracht und ist den Münchnern in bester Erinnerung geblieben. Demzufolge stehen die Menschen nun dichtgedrängt in der Muffathalle. Der Sauerstoff wird langsam knapp, und wer sich bewegen möchte, weicht am besten nach oben aus. Während The Incredible Staggers über die Bühne fegen, fliegen die begeisterten Fans durch die Halle, die sich längst in einen schwitzenden Moshpit verwandelt hat.
Alles hin, hin, hin ist dann passenderweise auch der erste Song von Ja, Panik. Die Klamotten sind zerrissen, der Körper mit blauen Flecken übersäht, überall klebt eine undefinierbare Feuchtigkeit. Die Türen sind längst weit aufgerissen, doch ein Luftaustausch findet nicht statt. Mit Die Luft ist dünn vom aktuellen Album The Angst And The Money liefert Österreichs derzeit wohl erfolreichster Rockexport eine unfreiwillige Beschreibung der Raumklimatik.
Trotz akutem Sauerstoffmangel verlässt jedoch niemand die Halle, die Fans feiern jeden Ton der wie immer adrett gekleideten Wahlwiener. Sämtliche Energiereserven werden ein letztes Mal aktiviert, damit auch wirklich zu jedem Song getanzt und gesungen werden kann. Doch nicht nur vom Publikum erhalten Ja, Panik lautstarke Unterstützung. Bei Nevermore revanchieren sich Clara Luzia mit zauberhaftem Chorgesang und haben dafür gleich auch noch die Salzburger Kolleginnen von Candelilla mitgebracht. Nachdem bei Wien, du bist ein Taschenmesser schließlich auch noch die eingangs gestellte Frage geklärt werden konnte ("Ein Schraubenzieher!", lautet die Antwort aus dem Publikum), ist das Muffatwerk Zwischen 2 und 4 schließlich fest in der Hand der österreichischen DJs, die noch bis in die frühen Morgenstunden für eine glückliche, musiktrunkene Völkerverständigung sorgen. Bettina Koch/Christine Bulla
(24.10.09)
|
Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!